Viele Ladesäulen und wenig Wasserstoff auf der The Smarter E Europe

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Für viele dürfte es der erste Messebesuch seit fast zwei Jahren gewesen sein. Eine abgespeckte Version der The Smarter E in München brachte während der ersten Oktoberwoche zum ersten Mal seit 2019 die Gesichter der europäischen Photovoltaik-Industrie zusammen.

Eigentlich hätte es die Jubiläumsausgabe der Messe werden sollen, doch der 30. Geburtstag der Intersolar wurde im „kleinen“ Kreis gefeiert. Auf dem Restart 2021, wie die Veranstalter die Messe tauften, konnten etwa 15.000 Besuchende, so die Schätzung des Veranstalters, rund 450 Aussteller bestaunen. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren verteilten sich etwa 50.000 Besuchende auf eine mehr als doppelt so große Ausstellungsfläche, auf der 1400 Aussteller verteilt waren.

Und obwohl alles ein wenig kleiner war in diesem Jahr, dürfte die Messe von den meisten als Erfolg gewertet werden. Nicht zuletzt, da es für viele das erste Wiedersehen mit Branchenkollegen war.

Inhaltlich gab es einiges an Innovationen und neuen Produkten zu bestaunen. Die großen Ankündigungen und Produktvorstellungen mit viel medialem Tamtam blieben jedoch aus. Zwar stand bereits am 27. April fest, dass die Messe im Oktober stattfinden wird, doch die Teilnahme dürfte für viele Unternehmen bis Mitte des Jahres noch auf halbwegs wackligen Beinen gestanden haben. So wurden die Pläne für Produktvorstellungen und Projektankündigungen nicht an der Messe in München ausgerichtet, wie es sonst üblich ist. Neues gab es trotzdem zu sehen. So stellte der Modulhersteller Risen ein neues Module mit 700 Watt Leistung und 210 Millimeter großen Zellen vor. Viel Tamtam gab es trotzdem, besonders bei den Herstellern die sich den Neustart er europäischen Photovoltaik-Produktion in die Unternehmens-DNA geschrieben haben. Allen voran Meyer Burger. Für die gesamte Zeit der Messe drängten sich die Besuchenden dicht um den Stand, um die Module aus sächsicher Produktion zu bestaunen und auch die für nächsten Jahr angekündigten Photovoltaik-Dachziegel.

Mit Blick auf steigende Modulpreise, Modulknappheit, Lieferschwierigkeiten bei den meisten Materialien und hohen Transportkosten zeigten sich alle europäischen Hersteller von Modulen, Trackern und Wechselrichtern zuversichtlich eine größere und wichtige Rolle im europäischen Markt einnehmen zu können.

Auffällig in diesem Jahr war die verhältnismäßig hohe Anzahl der Aussteller für Ladelösungen für Elektroautos – immerhin knapp 30. Eine davon sticht im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge. Der Hersteller CCC-Wallbox stellte eine Wallbox mit Flachsgehäuse vor. Anstatt CO2-intensivem Aluminium oder nicht-wiederverwendbarer Plastik hat der Hersteller mit einem Partnerunternehmen Flachsfasern und Naturharze so miteinander verbunden, dass daraus eine Abdeckung entstehen kann, die so robust wie nachhaltig sein soll.

Ebenfalls auffällig ist, dass die Fähigkeit, flexibel zu laden und Ladesysteme aktivem Lastmanagement zu unterziehen, anscheinend ganz im Markt angekommen ist. Einige Produzenten stellen diese Option zwar in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation, es lohnt sich jedoch bei allen Unternehmen genau hinzusehen, denn fast alle können netzdienlich oder eigenverbrauchsmaximierend betrieben werden.

Eine andere Innovation zeigte sich beim Ladesäulenanbieter Bauer. Beim Gang an den Ständen vorbei sprechen sowohl deutsche als auch internationale Ausstellende wird immer fast ehrfürchtig vom Eichrecht. Eine Regelung, nach der öffentliche Ladesäulen in Deutschland einen speziellen Zähler, der teurer und größer als der sonst übliche MID-konforme Zähler, verbaut werden muss. Dieneue Regel kam plötzlich und stellte einige Hersteller vor bauliche Herausforderrungen, da die Ladestationen nicht so entworfen wurden, dass sich ohne Weiteres ein anderer, größerer Zähler verbauen lässt. Im Hause Bauer hat man das Innenleben der Ladesäule einfach mit viel Platz und Standard-Industriesteckern versehen. Das sei zwar in der Anschaffung ein wenig teurer, allerdings wären Betreiber so gegen jegliche regulatorischen Neuerungen gewappnet, da ein Tausch aller Komponenten so denkbar einfach sei.

Das Thema Wasserstoff spielte bei dieser The Smarter E Europe, zumindest gemessen an der Ausstellerzahl eine überraschend untergeordnete Rolle. Kaum ein Viertel der Halle, in der sich die Ladesäulen Hersteller präsentierten, war dem neuen Treibstoff gewidmet. Verglichen mit den politischen Zusagen, den Milliarden-Förderungen und generell hohen Erwartungen an die Wasserstoff-Industrie war das doch etwas weniger Sichtbarkeit als man gedacht hätte. Dennoch sendete die Messe mit dem „Grünen-Wasserstoff Manifest“ klare Signale. Die Verbände Hydrogen Europe, Electrolyzer and Fuel Cell Forum, The smarter E Europe so wie der Deutsche Wasserstoff und Brennstoffzellen Verband stellten auf der Messe ein Manifest mit zwölf Forderungen vor. Darin werden zum Beispiel einheitliche Regulungen zur Kennzeichnung der Produktionsart von Wasserstoff, so wie eine europäische Wasserstoffbehörde und die Ausnahmen zu Regeln der staatlichen Beihilfen in der EU gefordert. Schon jetzt unterzeichneten 81 Firmen das Manifest.

Ob bei einer „normalen“ Ausführung der Messe mehr Unternehmen der Wasserstoffbranche auch einen Stand betrieben hätte oder ob es vielleicht sein kann, dass sich die Wasserstofffirmen doch eher der Windindustrie näherstehen, lässt sich anhand von Messepräsenz diesem Jahr nicht direkt vergleichen. Die Leitmesse der Windenergie, die WindEnergy Hamburg, fiel in diesem Jahr noch aus. Einen Hinweis gibt es dann doch. So wie es auf der The Smarter E Europe einige Parallelveranstaltungen zum Beispiel für Elektromobilität gibt, wird es auf der WindEnergy Hamburg 2022 eine Parallelausstellung eigens für Wasserstoff geben.

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