Photovoltaik-Mieterstromanlagen auf polnischen Hochhäusern

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Im Gegensatz zu Deutschland sind die Wohnungsbaugenossenschaften in Polen ein Ergebnis des sozialistischen Wohnungsbaus und entstanden als Satteliten-Hochhaussiedlungen in den 1970er und 1980er Jahren. Die Wohnungen haben mittlerweile überwiegend private Eigentümer, aber die Genossenschaften sind weiterhin für die Verwaltung dieser Baukomplexe zuständig. Ihre Befugnisse sind dabei im Vergleich zu Wohnungsgenossenschaften in Deutschland umfangreicher. Gerade durch die Lage am Rande von Großstädten, die enorme Dichte und die große Anzahl der Bewohner rücken die Wohnungsgenossenschaften nun in den Fokus der polnischen Klimapolitik.

„Das gesamte Förderprogramm in der Region Wielkopolska umfasst ein Fördervolumen von umgerechnet 25 Millionen Euro”, teilte das polnische Klimaministerium zum Start im Januar 2020 mit. Weitere umgerechnet 3,8 Millionen Euro sollten zudem von regionalen Stellen des Ministeriums bereitgestellt werden. Der entscheidende Vorteil der Kredite, die im Rahmen des Förderprogramms erteilt werden, liegt darin, dass zehn Prozent der Summe nach Fertigstellung erlassen werden und nicht zurückgezahlt werden müssen. Das staatliche Förderprogramm „Słoneczny Dachy“ – zu Deutsch „Sonnige Dächer“ – ist für Wohnungsgenossenschaften und Wohnungseigentümergemeinschaften vorgesehen, die über diesen Kredit Photovoltaik-Anlagen bis zu einer Leistung von 50 Kilowatt auf ihren Dächern installieren können.

Nach Informationen der Genossenschaftsverwaltung Poznańska Spółdzielnia Mieszkaniowa Winogrady (PSMW) hat sie imNovember 2020 ein Darlehensvertrag mit der regionalen Abteilung des Fonds für Umwelt- und Gewässerschutz (NFOŚiGW) unterzeichnet. Der Fonds gewährt der Genossenschaft ein Darlehen von umgerechnet 215 000 Euro für die Anschaffung und die Installation von Photovoltaik-Anlagen. Mit diesen Mitteln werden die Gebäude 7,15,16,17 der Siedlung Os. Zwycięstwa in Posnan mit entsprechenden Anlagen ausgestattet.

Die Spółdzielnia Mieszkaniowa Wrocław-Południe nutzte die Möglichkeit dieses Programms als erste Wohnungsbaugenossenschaft in Polen. Dabei wurden im ersten Betriebsjahr 760 000 Kilowattstunden Strom erzeugt, der für die Versorgung der etwa 15.000 Bewohner der Hochhaussiedlung genutzt wurden. Insgesamt sind auf 35 Hochhäusern Photovoltaik-Anlagen installiert mit einer Gesamtleistung von 739 Kilowatt. Ihre Erzeugung lag nach einem Jahr zehn Prozent über den Prognosen. Die Energiekosten für die gemeinschaftlich genutzte Energie, wie für den Liftbetrieb der Hochhäuser, konnten so von zusammengerechnet umgerechnet 100.000 Euro auf 30.000 Euro durch den Photovoltaik-Eigenverbrauch reduziert werden. Mit dem Solarstrom werden der Aufzug, die Beleuchtung Korridore, Eingänge und der Maschinenraum versorgt. Wenn die Genossenschaft die Kredite zurückgezahlt hat, wird die Stromabgabe für ihre Genossenschaftsmitglieder im Durchschnitt um etwa 75 Prozent sinken.

Im Blog von Spółdzielnia Mieszkaniowa Wrocław-Południe wurde bereits ein Folgeprogramm beschrieben, das die Genossenschaft realisieren will. Danach ist die Installation von Wärmepumpen geplant, die zur Warmwasseraufbereitung dienen sollen. Der Strom für den Betrieb soll aus den Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern kommen.

Ende Januar meldete das polnische Fachportal „globenergia.pl“, dass das Förderprogramm „Słoneczny Dachy” ist seiner aktuellen Form nicht fortgesetzt werden soll. Stattdessen soll das Programm um Gebäudemodernisierung und Wärmedämmung von Mehrfamilienhäusern erweitert werden. Das neue Förderprogramm wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2021 veröffentlicht. (Aleksandra Fedorska)

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