Corona-Krise ändert nichts an Gefahr von Stromlücke ab 2023

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Im Herbst 2019 haben der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), EuPD Research und The Smarter E in einer gemeinsamen Studie bereits vor einer drohenden Stromlücke in Deutschland gewarnt. Diese könnte entstehen, da derzeit die erneuerbaren Energien zu langsam ausgebaut werden, gleichzeitig in den kommenden Jahren sukzessive weitere Atom- und Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Die im Juni 2020 aktualisierte Studie „Energiewende im Kontext von Atom- und Kohleausstieg – Perspektiven im Strommarkt bis 2040″ berücksichtigt die jüngsten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen.

Mit der Corona-Krise ist zwar EuPD Research zufolge von einem Rückgang der Nettostromnachfrage von vier Prozent auf knapp 500 Terawattstunden in diesem Jahr auszugehen, doch mit der Erholung der Wirtschaft wird die Nachfrage ab 2021 bereits wieder steigen. Daher hat sich nichts an dem Szenario einer Stromlücke in Deutschland geändert, wie die Aktualisierung der Studie aus dem Herbst zeigt.

Der Ausweg ist nur eine wesentliche Erhöhung des gegenwärtigen Photovoltaik-Zubaus. Diese sollte ab 2021 verdoppelt und ab 2022 verdreifacht werden, damit die Versorgungssicherheit aus in den Jahren danach gewährleistet wird und die Klimaziele erreicht werden. Denn bereits 2023 würden andernfalls 46 Terawattstunden Strom fehlen. Diese Stromlücke könnte trotz eines angestrebten verstärkten Ausbaus der Offshore-Windkraft bis 2030 auf 77 Terawattstunden anwachsen. Damit würden Deutschland rund 12 Prozent des dann erwarteten Strombedarfs fehlen, so die Marktforscher in ihrer aktualisierten Studie.

„Zur Vermeidung einer Stromerzeugungslücke muss der jährliche Photovoltaik-Ausbau von gegenwärtig rund vier Gigawatt im Jahr bereits 2021 auf acht Gigawatt verdoppelt und ab 2022 sogar auf zwölf Gigawatt verdreifacht werden“, erklärt Martin Ammon, Geschäftsführer der EUPD Research, die Studienergebnisse. Daher fordert auch Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, eine entsprechende Erhöhung der Ausbauziele im EEG. „Gleichzeitig müssen alle Marktbarrieren für die Solartechnik endlich weg. Wer A sagt und zu Recht aus Atom- und Kohlekraft aussteigt und zugleich mehr Strom oder grünen Wasserstoff unter anderem in der Mobilität sehen möchte, der muss jetzt auch B sagen und den Ausbau Erneuerbarer Energien beschleunigen“, so Körnig. Markus Elsässer, Geschäftsführer von Solar Promotion, dem Initiator von The Smarter E, betont die Perspektiven und Geschäftsmodelle für Industrie Handwerk und Gewerbe, die mit der Energiewende verbunden sind. Allerdings würden dazu „dringend verlässliche und klare politische Rahmenbedingungen“ benötigt.