Neuer kommunaler Energieversorger in Südostbayern gegründet

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Chiemgau und Rupertiwinkel sind wunderschön: Sanfte Hügel vor massiver Bergkulisse, idyllische Seen und Bilderbuchdörfer, dazu hervorragende Wirtshäuser – der Südosten Bayerns ist immer eine Reise wert. Auch für die Photovoltaik ist die Region ein exzellenter Standort: Bei vielen der prächtigen Bauernhöfe gehört die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach heute genauso zum Bild wie die üppigen Geranienkästen vor den Fenstern. Oftmals findet sich dazu auch gleich noch eine Biogas-Anlage hinter dem Hof.

Viele dieser Anlagen werden ab 2021 jedoch aus der EEG-Förderung fallen. Ein neuer Energieversorger gibt ihnen nun eine interessante Perspektive: Insgesamt 15 Kommunen aus der Region haben jetzt den Versorger Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel gegründet. Das Unternehmen soll künftig in den bayerischen Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Traunstein und Rosenheim Strom und Wärme anbieten. Übergeordnetes Ziel des Regionalwerks ist es, die Energieversorgung lokal und erneuerbar zu gestalten.

Zentrale Motive für die Gründung sind Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit, die Wertschöpfung vor Ort sowie die Daseinsvorsorge. Neben der Vermarktung von Ökostrom will der Kommunalbetrieb auch die Wärmeversorgung, etwa durch Geothermie, sowie die Einrichtung virtueller Kraftwerke ins Visier nehmen. Das Regionalwerk versteht sich dabei als Kooperationspartner der bestehenden Stadt- oder Gemeindewerke, nicht als Konkurrenz. Initiator ist der Bürgermeister von Kirchanschöring, Hans-Jörg Birner (CSU).

Die Idee, ein eigenes Energieunternehmen auf interkommunaler Basis auf die Beine zu stellen, kursierte in der Region schon länger. Ob ein solches Vorhaben realistisch ist und wie ein geeigneter wirtschaftlicher Rahmen aussehen könnte, war jedoch unklar. Die interessierten Kommunen schrieben deshalb eine Machbarkeitsstudie aus. Inhalt war eine Potenzialanalyse sowie die konkrete Prüfung und Bewertung möglicher Handlungsoptionen.

„Ziel im Rahmen der Machbarkeitsstudie war, den Gemeinden eine Entscheidungsgrundlage zu liefern“, erklärt Steffen Kölln von Sterr-Kölln & Partner – ein Beratungsunternehmen, das die finanzielle Seite und Rechtsform des neuen Versorgers konzipierte. Zuerst nahmen die Fachleute eine Bestandsaufnahme aller relevanten Informationen vor. Dazu gehört unter anderem eine Bewertung nach technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Kriterien.

Das Fazit der Experten: Sowohl technisch als auch wirtschaftlich gesehen lassen sich sinnvolle Geschäftsfelder erschließen. Die ideale Rechtsform bildet ein gemeinsames kommunales Unternehmen. Mindestens fünf bis sieben der insgesamt 23 Kommunen müssten bei dem Vorhaben mitmachen, um das Regionalwerk starten zu können. Für die erste Arbeitsphase des neuen Regionalwerks empfahl das Team von Sterr-Kölln & Partner Mieterstrom- und Regionalstrommodelle aus erneuerbaren Energien sowie Wärmeprojekte im Rahmen von Quartierskonzepten, die etwa Geothermie nutzen. Ende September 2019 stellten die Studienautoren im Landratsamt Traunstein die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vor. Mit Erfolg: Auf der Gründungsversammlung im Januar 2020 wurde die erforderliche Mindestbeteiligung der Kommunen nun um das Dreifache übertroffen.