Schweiz: Vergütung für überschüssig eingespeisten Solarstrom steigt 2020

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Die Solarförderung in der Schweiz ist 2018 umgestellt worden: Damals schaffte die Regierung die kostendeckende Einspeisevergütung zugunsten der Einmalvergütung ab. Dennoch erhalten die Betreiber von auf Eigenverbrauch optimierten Photovoltaik-Anlagen für überschüssig eingespeisten Solarstrom einen sogenannten „Rückliefertarif“. Diese Tarife werden durch die einzelnen Netzbetreiber individuell für ihr Versorgungsgebiet festgelegt. Regional gibt es große Schwankungen.

Durchschnittlich hat sich die Vergütung für Betreiber von 2019 auf 2020 um vier Prozent erhöht, wie der Verband unabhängiger Energieerzeuger (VESE) ermittelt hat. Der gewichtete Mittelwert für die Vergütung des Solarstrom liege bei 10-Kilowatt-Photovoltaik-Anlagen 2020 bei 9,1 Rappen pro Kilowattstunde – umgerechnet sind das 8,51 Eurocent pro Kilowattstunde. Dabei sei besonders ins Gewicht gefallen, dass zwei der großen Netzbetreiber zum Jahreswechsel die Tarife signifikant verbessert hätten. Insgesamt hoben elf Netzbetreiber die Vergütungen an und vier senkten sie ab, wie die Erhebung von VESE weiter ergab. Die drei Netzbetreiber mit den geringsten Tarifen hätten die Vergütung demnach erhöht. Die Varianz der Tarife sei jedoch weiterhin hoch. Sie liegen je nach Gebiet zwischen 6,2 und 13,0 Rappen pro Kilowattstunde. „Entsprechend können Photovoltaik-Anlagen in gewissen Regionen auch mit mittlerem und geringem Eigenverbrauch wirtschaftlich betrieben werden, in anderen jedoch nicht“, so das Fazit von VESE.

Die vermehrten Erhöhungen der Tarife führt der Verband auf die gewachsene Erkenntnis im Land zurück, dass es einen stärkeren Photovoltaik-Ausbau mit Blick auf die künftige Versorgungssicherheit braucht. Zudem genieße die Photovoltaik in der Öffentlichkeit vermehrt Unterstützung. Dazu komme auch noch die Verabschiedung eines neuen Gesetzes zum Netzausbau von Mitte 2019, dass es den Netzbetreibern erlaubt, die Kosten für die Produktion erneuerbarer Energien auf ihre Kunden umzuwälzen. Dies dürfe zwar nicht in beliebiger Höhe erfolgen, jedoch im Bereich der realen Kosten effizienter Anlagen, so VESE.

Der Verband hat auch festgestellt, dass bei den Netzbetreibern, die ihre Vergütungen für den Strom erhöhten, es keine Steigerungen bei den Herkunftsnachweisen gegeben haben. „Die Unternehmen begründen somit ihre Erhöhungen nicht mit einer gewollten Förderung der Energie aus Photovoltaik-Anlagen in ihrem Netzgebiet, sondern mit Veränderungen am Strommarkt“, heißt es dazu. Sie würden damit den Preisanstieg am Strommarkt der Jahre 2016 bis 2018 im Jahr 2020 an die Photovoltaik-Anlagenbetreiber weitergeben. VESE sieht in diesem Mechanismus – also der Kopplung der Vergütungen an den Strommarkt – auch eine neue Gefahr. Die Strompreise seien 2019 im Vergleich zu 2018 wieder eingebrochen. Der Marktpreis für Solarstrom ist dem Bundesamt für Energie (BFE) von 5,78 auf 4,16 Rappen pro Kilowattstunde gesunken. Dies habe sich noch nicht auf die Vergütungen ausgewirkt, da diese bereits meist zur Jahresmitte 2019 festgelegt wurden. Für 2021 sei bei einem anhaltenden Preisrückgang zu erwarten, dass die Tarife dann wieder sinken werden.

„Weil das Einkommen aus dem Verkauf der Energie am Netz mit einem zu hohen Preisrisiko behaftet ist, werden heute Anlagen einzig auf Eigenverbrauch ausgelegt“, sagt Diego Fischer, Mitglied des VESE-Vorstands. Diese Optimierung sei allerdings volkswirtschaftlich unsinnig, denn dadurch komme der Photovoltaik-Ausbau letztlich teurer zu stehen. „Die reine Orientierung am Eigenverbrauch ist nur ein Hilfskonstrukt, welches das Parlament 2016 gefunden hat.“ Nach seiner Auffassung braucht es in der Schweiz auch solche Anlagen, die große Mengen Solarstrom produzieren und komplett ins Netz einspeisen. Das neue Parlament sei nun gefordert, baldmöglichst die richtigen Weichen zu stellen, damit Investoren Investitionssicherheit bekommen. Mittelfristig stabile Vergütungen zwischen 10 und 12 Rappen pro Kilowattstunde wären dafür vorteilhaft. „Und zwar in der ganzen Schweiz, und nicht nur da, wo zufälligerweise fortschrittliche Netzbetreiber am Werk sind“, erklärte Fischer.