Ein sonniger und windiger Erfolg

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Es gibt überraschend positive Nachrichten für den Klimaschutz: Viele Jahre haben die Umweltverbände, aber auch die Bundesregierung selbst, bezweifelt, ob die Groko ihr selbst gestecktes Ziel einer 40 prozentigen Reduktion der Treibhausgase bis 2020  gegenüber 1990 erreichen kann.

Doch nun sieht es plötzlich doch so aus als könne Deutschland diesem Ziel zumindest sehr nahe kommen.

Die Gründe: Deutschland hat 2019 ein Drittel weniger Steinkohle und etwa ein Fünftel weniger Braunkohle verbrannt als noch ein Jahr zuvor. Dieser Fortschritt ist vor allem dem europäischen Emissionshandel geschuldet. Die Kohlekonzerne müssen für jede Tonne CO2, die sie emittieren 25 Euro bezahlen. Da ist Ökostrom aus Sonne und Wind auch ökonomisch entschieden preiswerter. Damit ist auch bewiesen, dass Deutschland lange vor 2038 aus der Kohleverbrennung aussteigen kann.

2019 war ein gutes Sonnen- und Wind-Jahr und die erneuerbaren Energien lieferten deshalb mehr Ökostrom als je zuvor. Hierzulande wuchs ihr Anteil auf 44 Prozent. Ein Plus von etwa 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem sank der Stromverbrauch auf den Tiefststand seit 20 Jahren. Aus all diesen Gründen sind die Treibhausgas-Emissionen im letzten Jahr nach einer Agora-Studie um 50 Millionen Tonnen auf 820 Millionen Tonnen gesunken, ein Rückgang um immerhin 35 Prozent gegenüber 1990. Die Regierung ist also nur noch 5 Prozent von ihrem 40 Prozent-Ziel bis Ende 2020 entfernt.

Ob in diesem Jahr die Emissionen tatsächlich um weitere fünf Prozent reduziert werden können, ist freilich fraglich. Dazu wäre wohl mehr politischer Wille nötig.

Die Reduktion 2019 ist hauptsächlich dem Stromverbrauch zu verdanken. Sowohl beim Verkehr wie auch beim Wärmeverbrauch sind die Emissionen sogar gestiegen.

Deshalb sagt Umweltministerin Anja Schulze zurecht: „Was die Politik im Energiebereich geschafft hat, müssen wir auch noch im Verkehrsbereich hinbekommen.“ Dafür freilich muss die Bundesregierung endlich klare Zeichen für den Ausbau der erneuerbaren Energien setzen. Der Solardeckel muss weg und die Windkraft reaktiviert werden.

Der Ausbau der Windkraft ist 2019 fast vollständig eingebrochen. Nicht der Umweltweisheit der Bundesregierung, sondern guten Wind- und Sonnenverhältnissen ist der Fortschritt zu verdanken. Die Umweltverbände sollten diesen Fortschritt anerkennen und nicht schon wieder klein reden.

Helmut Kohl hatte schließlich recht mit seiner Devise: „Entscheidend ist, was hinten herauskommt“. Das gilt auch fürs Klima.

— Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. —

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