Strommarkterlöse nicht nur für PPA-Projekte relevant

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Durch die zwischenzeitlich wieder gestiegenden Zuschlagswerte in den Photovoltaik-Ausschreibungen mag die Relevanz des Strommarktes teils in den Hintergrund gerückt sein, aber dies dürfte nur eine Atempause auf dem Weg zu geringeren Zuschlagswerten in den EEG-Auschreibungen sowie mehr und mehr rein strommarktbasierten Investitionen auch in Deutschland sein.

Zunächst aber ein Rückblick auf die Ergebnisse der Photovoltaik-Ausschreibungen Ende 2017 und Anfang 2018: in der Runde am 01.02.2018 erreichte der mengengewichtete durchschnittliche Zuschlagswert das niedrigste Ergebnis bisher mit nur noch 4,33 Cent/Kilowattstunde. Allein durch das Absinken der Stromgestehungskosten für Photovoltaik ist dieser niedrige Wert nicht zu erklären. Haben also viele Bieter unter Gestehungskosten angeboten? Dies erscheint irrational – geht man jedoch davon aus, dass einige Bieter strommarktbedingte Zusatzerlöse aus dem Marktprämienmodell berücksichtigten, so lässt sich das Gebotspreisniveau durchaus rational erklären. Diese Zusatzerlöse ergeben sich in Zeiten, in denen der Photovoltaik-Monatsmarktwert über dem anzulegenden Wert aus der EEG-Ausschreibung liegt. Im EEG-Marktprämienmodell stehen sie dem Betreiber zu und werden nicht abgeschöpft; sie erhöhen damit den Wert des Projektes und können genutzt werden, um im Wettbewerb ein niedrigeres Gebot abzugeben, als alleine auf Basis einer Gestehungskostenkalkulation zu erwarten wäre. Dies ist ein Erklärungsansatz für oben genannten Ausschreibungsgebnisse aus 2017 und 2018.

Die nun bis 2021 anstehenden EEG-Ausschreibungen mit Relevanz für Photovoltaik (technologiespezifische und gemeinsame Ausschreibung, Sonderausschreibung und Innovationausschreibung) schwanken in ihren Ausschreibungsmengen relativ stark. Die Erfahrung aus den bisherigen Ausschreibungen deutet darauf hin, dass dieser Umstand zu einer gewissen Volatilität der Zuschlagsergebnisse führen dürfte. Das heißt auch, das in wettbewerbsintensiven Auktionsrunden wieder Zusatzerlöse über dem anzulegenden Wert sowie Strommarkterlöse für den Zeitraum nach Ende der EEG-Vergütung in die Kalkulation der Gebotspreise einfließen dürften.

Die Bedeutung der strommarktbedingten Erlöse einerseits und der Erlöse aus der Marktprämie (anzulegender Wert minus Monatsmarkt) andererseits hängt dabei stark von der Höhe der in der Auktion gebotenen EEG-Vergütung (anzulegender Wert) ab: je niedriger der erwartete Zuschlag aus der Ausschreibung ausfällt, desto größer ist der Werteinfluss der Strommarkterlöse. Dieser Zusammenhang ist auf Basis einer aktuellen Strompreisprognose von uns (mittleres Szenario) exemplarisch in der Grafik dargestellt. Dabei wurden für unterschiedliche Vergütungshöhen auf Basis von Stundenpreisen für ein exemplarisches Photovoltaik-Projekt die Zusatzerlöse aus dem Strommarkt und die Zahlungen aus der EEG-Marktprämie errechnet.

Erlösanteile von Marktprämie und Strommarkterlösen an Gesamterlösen bei moderater Inflation.

Grafik: Enervis

Eine erste Erkenntnis dieser Berechnungen ist, dass auch im Falle recht hoher anzulegender Werte (> 60 Euro pro Megawattstunde) Zusatzerlöse aus dem Strommarkt noch relevant sind. Da jedoch hohe Monatsmarktwerte vor allem in Zeiten geringer Sonneneinstrahlung und damit geringer Stromerträge der Photovoltaik-Anlage zu erwarten sind, fällt der Einfluss auf die Gesamterlöse relativ gering aus (< 5 Prozent). Zweitens macht die Analyse deutlich, dass die Marktprämie im Verhältnis zu den prognostizierten Strommarkterlösen für Anlagen mit niedrigem anzulegenden Wert keine gewichtige Rolle mehr spielt. Vielmehr fungiert die EEG-Vergütung bei diesen Gebotshöhen im untersuchten enervis-Szenario eher als Erlösabsicherung und ermöglicht damit günstigere Finanzierungskonditionen gegenüber PPA-basierten Merchant-Projekten ohne EEG-Vergütung.

Mit einem Anstieg der Strompreise und PV-Marktwerte (Enervis High Szenario) verschieben sich die Kurven der gezeigten Grafik zu Gunsten der Strommmarkterlöse, die EEG-Vergütung verliert dann an Bedeutung für den Projektwert und auch das Investitionsfenster für förderfreie Photovoltaik-Projekte außerhalb der EEG-Vergütung öffnet sich weiter. Bei geringeren Strompreisen und Marktwerten (Enervis Low Szenario) hingegen sind Strommarkterlöse im EEG und danach weniger relevant, die EEG-Vergütung hat weiterhin den größten Erlösanteil. Eine detaillierte Analyse der Strommarkterlöse und der Marktentwicklung von Photovoltaik in Deutschland innerhalb und außerhalb der EEG-Freiflächenausschreibungen bietet  unsere PV-Referenzstudie auf der die vorgestellte Analyse basiert.

Nicolai Herrmann arbeitet seit 2009 bei der energiewirtschaftlichen Beratungsgesellschaft enervis energy advisors GmbH in Berlin, seit 2015 ist er deren Prokurist. Seine fachlichen Schwerpunkte sind die Analyse und Modellierung von Energiemärkten, die Bewertung von Investitionsprojekten für die erneuerbare und konventionelle Stromerzeugung – auch auf Basis von PPAs – sowie Fragen des Energiemarktdesigns.

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