Todesfall im Hambacher Wald

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Der Todesfall im Hambacher Wald verdeutlicht, dass es dort um viel, um sehr viel geht. Es mutet verkrampft an, wie die Medien ihn aus den Hauptschlagzeilen heraushalten, als ob die unappetitlichen Winkelzüge im Fall Maaßen wichtiger wären als das, worum in Hambacher Forst gerungen wird: um die Wende von pathologischer Naturzerstörung hin zu einer friedlichen Haltung zu den außermenschlichen Gegebenheiten des Planeten. Albert Schweitzer nannte es „Ehrfurcht vor dem Leben“ – und gleichzeitig ist es „wohl verstandene Erhaltung unseres eigenen Lebens“.

Die heute dringend nötige Beachtung, wie sich einzelne Aktionen auf die Ganzheit des Planeten auswirken, ist unserer Denkweise, gerade auch in rechtlicher Hinsicht, noch sehr fremd. So wird nun auch der Todesfall im Hambacher Wald aus seinem Zusammenhang herausseziert und so lange analysiert, bis er als isolierter „tragischer Unglücksfall“ dasteht, der mit den zerstörerischen Polizeiaktionen nicht das Geringste zu tun hat – geschweige denn mit der Braunkohleverstromung.

Umso wunderbarer, dass sich menschliches Gefühl gepaart mit aufrechtem Gang von einer Seite meldet, von der man das nicht unbedingt erwarten würde: Der Arbeitsbühnen-Verleiher Gerken, dessen Geräte beim Abriss der Baumhäuser eingesetzt wurden, erklärt: „Da auch wir mit der Vorgehensweise im Hambacher Forst absolut nicht einverstanden waren und sind und wir auch den Einsatz unserer Bühnen dort nicht weiter rechtfertigen können, haben wir heute beschlossen, dass wir unsere Geräte dort stilllegen. Wir machen das, obwohl wir es rein rechtlich nicht dürfen, und setzen uns damit hohen Regressansprüchen unseres Kunden aus.“

Auch dass die Landesregierung die Polizeiaktionen bis auf Weiteres gestoppt hat, spricht für ein menschliches Rühren in der Gesellschaft. Minister Reul lässt sich dadurch leider nicht von dem Versuch abhalten, die Opfer zu Verursachern umzudefinieren: Weitere Schadensfälle sollen nicht dadurch verhindert werden, dass der Hambacher Wald erhalten bleibt, sondern dadurch, dass dessen Schützer aufgeben und sich zurückziehen.

Es ist zu hoffen, dass nach dem Todesfall die Demonstration am 6. Oktober auf ihre Weise deutlich macht, dass nicht der Hambacher Wald den Braunkohlebaggern zu weichen hat, sondern die pathologische Naturzerstörung der ökologischen Bewirtschaftung unseres Planeten.

— Der Autor Christfried Lenz war unter anderem tätig als Organist, Musikwissenschaftler und Rundfunkautor. Politisiert in der 68er Studentenbewegung, wurde „Verbindung von Hand- und Kopfarbeit“ – also möglichst unmittelbare Umsetzung von Erkenntnissen in die Praxis – zu einer Leitlinie seines Wirkens. So versorgt er sich in seinem Haus in der Altmark (Sachsen-Anhalt) seit 2013 zu 100 Prozent mit dem Strom seiner PV-Inselanlage. Nach erfolgreicher Beendigung des Kampfes der BI „Kein CO2-Endlager Altmark“ engagiert er sich ganz für den Ausbau der Ereneuerbaren in der Region. Als Mitglied des Gründungsvorstands der aus der BI hervorgegangenen BürgerEnergieAltmark eG, wirkte er mit an der Realisierung einer 750 Kilowatt-Freiflächenanlage in Salzwedel. Lenz kommentiert das energiepolitische Geschehen in verschiedenen Medien und mobilisiert zu praktischen Aktionen für die Energiewende —

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