Unternehmen treiben Blockchain im Energiehandel voran

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Das vom Hamburger Unternehmen Ponton entwickelte Blockchain-Projekt Enerchain gilt als die am weitesten fortgeschrittene Blockchain im Energiegroßhandel. Mittlerweile sind große Unternehmen aus ganz Europa am Projekt beteiligt – darunter auch Vattenfall, RWE, Eon, Uniper und EnBW aus Deutschland, Wien Energie aus Österreich und Enel aus Italien. Wie Vattenfall in einem Blogbeitrag zum Projekt verlauten lässt, arbeiten die teilnehmenden Unternehmen gerade vor allem daran, dem Projekt Enerchain einen wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmen zu geben.

Bei Enerchain geht es um die Durchführung von bilateralem, physischem Handel von Strom und Gas innerhalb Europas. Durch die Blockchain-Technologie könnte der Ablauf dieser komplexen Transaktionen aus Sicht von Vattenfall in Zukunft effizienter werden, da keine Zwischenhändler benötigt werden. Ein wichtiger Schritt in der jetzigen Phase sei zunächst die Gründung einer Rechtsform für die Enerchain-Plattform: Obwohl auf der Transaktionsebene kein Zwischenhändler benötigt werde, ermögliche es eine juristische Person den teilnehmenden Unternehmen, das Projekt rechtswirksam zu vertreten und Verträge mit anderen Marktteilnehmern abzuschließen.

„Neben effizienteren und günstigeren Transaktionen im Strom- und Gashandel könnten auf Basis der Blockchain-Technologie zukünftig dezentrale Erzeugungsanlagen viel leichter ins Netz eingebunden werden“, sagt Carol Inoue Dick, Business Developer bei Vattenfall Trading – aus ihrer Sicht wäre dies für den Ausbau erneuerbarer Energien ein wichtiger Förderbeitrag. Außerdem, so Dick weiter, könnten mit einer dezentralen und manipulationssicheren Speicherung von Transaktionsdaten auch Echtheitsnachweise für Strom aus erneuerbaren Energien weiter gegeben werden.

Der belgische Übertragungsnetzbetreiber Elia hat derweil ein eigenes Pilotprojekt zum Thema Blockchain gestartet. Gemeinsam mit den Start-ups Actility und Settlemint will Elia untersuchen, welche Anwendungsmöglichkeiten es für die Technologie bei der Steuerung flexibler Stromerzeuger und Lasten gibt. In diesem Zusammenhang verweist das Unternehmen auf das Wachstum der erneuerbaren Energie, was es den Übertragungsnetzbetreibern zunehmend erschwere, Erzeugung und Verbrauch im Gleichgewicht zu halten. Batterien oder Lastmanagement könnten einen Beitrag zu diesem Gleichgewicht leisten. Ziel des Pilotprojekts sei eine auf Blockchain basierende Management-Lösung, um den Einsatz dezentraler Flexibilitätsoptionen zu automatisieren. Grundlage sei die Open-Source-Plattform der Energy Web Foundation (EWF); Elia gehört zu den Gründern dieser Blockchain-Initiative für die Energiewirtschaft.