50,2 Hertz-Problem erreicht die Schweiz

Die Schweiz hat nun ein Problem erreicht, mit dem sich Deutschland schon 2011 eingehend befassen musste. Die Erneuerbaren- und speziell Photovoltaik-Anlagen haben eine solche kritische Masse erreicht, dass sie einen Einfluss auf das Stromnetz haben. Das Problem dabei, dass sich viele der bestehenden Anlagen, die am Verteilnetz angeschlossen sind, automatisch vom Netz trennen, wenn die Frequenz 50,2 Hertz übersteigt. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom hat daher eine Weisung an die Verteilnetzbetreiber herausgegeben, in der diese aufgefordert werden, ab sofort geeignete technische Anschlussbedingungen sicherzustellen, dass alle neu in Betrieb gehenden Erneuerbaren-Anlagen im Netzgebiet, notwendige Schutzeinstellungen für einen sicheren Netzbetrieb enthalten, die ein gleichzeitiges Abschalten bei 50,2 Hertz verhindern.

Voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte werde EICom die Verteilnetzbetreiber über das weitere Vorgehen informieren, wie eine Nachrüstung der bestehenden Anlagen aussehen werde, erklärte ein Mitarbeiter der Behörde auf Nachfrage von pv magazine. Derzeit werde das «Retrofit-Programm» noch erarbeitet Davon werden dann auch indirekt Betreiber von Photovoltaik-Anlagen in der Schweiz betroffen sein. Derzeit werde der Umfang der erforderlichen Nachrüstungen noch mit Swissgrid geprüft, heißt es in der Weisung, die von Anfang März stammt. Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit wird es wahrscheinlich eine Bagatellgrenze geben und nur Anlagen ab einer gewissen Größe umgerüstet werden. In Deutschland und Italien sind die Photovoltaik-Anlagen in den vergangenen Jahren bereits entsprechend nachgerüstet worden, um das gleichzeitige Abschalten zu verhindern.

In einem Bericht der Schweizer «Handelszeitung» heißt es, dass die Hälfte der Photovoltaik-Anlagen im Land «falsch konfiguriert» seien. «Bei einer installierten Leistung von 1,6 GW gehen wir von einem nichtkonformen Anteil von 50 Prozent aus», zitiert das Blatt die Swissgrid-Sprecherin Irene Fischbach. EICom schreibt in seiner Weisung noch, dass es stichprobenartig kontrollieren werde, ob die erforderlichen Parameter bei den neuen Erneuerbaren-Anlagen von den Verteilnetzbetreibern durchgesetzt werden.

Die Behörde verweist in ihrem Schreiben darauf hin, dass bei Erneuerbaren-Anlagen mit 800 Megawatt Gesamtleistung, die sich in der Regelzone Schweiz alle bei mehr als 50,2 Hertz gleichzeitig vom Netz trennen, auch zur direkten Gefährdung für die Systemstabilität im europäischen Verbundnetz beitragen. Gemäß den Vorschriften des europäischen Verbands der Netzbetreiber Entso-e muss die Schweiz daher zusätzlich Tertiärregelleistung beschaffen, um das Risiko kritischer Frequenzabweichungen zu reduzieren. Dies führe jährlich zu erheblichen Mehrkosten und werde über die Netznutzungstarife auf die Endkunden umgewälzt.

In Deutschland waren rund 400.000 Anlagen von der Umrüstung entsprechend der 50,2-Hertz-Regelung betroffen. Nur kleine Photovoltaik-Anlagen mit unter zehn Kilowattpeak und alle dann seit 2012 neu Betrieb gegangene Anlagen waren von der Umrüstpflicht ausgenommen.