Bosch und EnBW nehmen Großspeicher für Primärregelleistung in Betrieb

Die Kraftwerksbatterie Heilbronn GmbH – ein Gemeinschaftsunternehmen von Bosch und EnBW – hat einen Stromspeicher für Primärregelenergie am Kraftwerksstandort des süddeutschen Energiekonzerns in Heilbronn gebaut. Erstmals sei in Deutschland ein solcher Stromspeicher in die Leittechnik eines Großkraftwerks eingebunden, teilte Bosch am Freitag mit. Der Stromspeicher, der über eine maximale Leistungsabgabe von rund fünf Megawatt und einer Speicherkapazität von fünf Megawattstunden verfüge, bestehe aus 768 Lithium-Ionen-Batteriemodulen.

Für das Joint Venture bringt EnBW seine Erfahrung im Bereich Energiewirtschaft ein. Es war für die Bauleistungen und den Netzanschluss am Standort zuständig, wie es weiter hieß. Das Know-how für stationäre Speicherlösungen lieferte Bosch, das den Batteriespeicher entwickelt und errichtet habe. Die Bauarbeiten begannen vergangenen Herbst. Kraftwerksbatterie Heilbronn werde nun die Erfahrungen aus dem Projekt nutzen, um es an Kunden weiterzugeben.

„Lithium-Ionen-Batterien können sehr kurzfristig Energie zur Verfügung stellen und sind daher bestens geeignet, Primärregelleistung zu erbringen“, sagte Stefan Hartung, Bosch-Geschäftsführer mit Verantwortung unter anderem für den Unternehmensbereich Energy and Building Technology. Der Speicher decke knapp 20 Prozent der Regelleistung des Kraftwerks in Heilbronn ab. Innerhalb von Sekunden könne er diese aus dem Netz aufnehmen oder an Netz abgeben.

Diese Dienstleistung zur Netzstabilisierung wird bislang vornehmlich von Großkraftwerken erbracht. Speicher sind dafür jedoch ebenfalls prädestiniert, gerade im Zusammenspiel mit einer stärkeren Einspeisung aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen. „Wir stehen vor einer grundlegenden Umgestaltung unseres Energiesystems hin zu deutlich mehr Dezentralität“, so Hans-Josef Zimmer, Mitglied des Vorstandes der EnBW. Dies erfordere neue Lösungsansätze und der Einsatz von Batteriesystemen zur Bereitstellung von Primärregelenergie sei ein gutes Beispiel dafür.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) war zur offiziellen Inbetriebnahme des Großspeichers nach Heilbronn gekommen. „In der Energiewende steckt enormes Forschungs- und Innovationspotenzial – ein Potenzial, das wir nutzen und fördern müssen“, sagte er. Speicher seien dafür ein gutes Beispiel, da sie eine neue Flexibilitätsoption darstellten, um Netzstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Gleichzeitig ist er ausdrücklich für den Energiemarkt entwickelt worden, wo er [Anm. der Redaktion: der Speicher] sich bewähren muss“, so Kretschmann weiter.