Stehen die Jusos wirklich für SPD-Erneuerung?

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Sechs Monate vor der Bundestagswahl hatte Kantar-EMNID eine Umfrage durchgeführt: „Soll die Umstellung von Atomenergie, Kohle, Erdöl und Erdgas auf Solarenergie, Windkraft und Stromspeicher Ihrer Ansicht nach mit höchstem Vorrang vorangetrieben werden?“

Die Auswertung der Antworten nach Parteienpräferenz ergab, dass die der SPD nahestehenden Befragten mit überwältigender Mehrheit (78 Prozent) eine vorrangige Beschleunigung der Energiewende wünschten.

Die SPD-Führung hat diesen Wunsch jedoch demonstrativ missachtet. Auf keinem einzigen SPD-Wahlplakat wurde das Thema auch nur erwähnt. Dies mag einer der Gründe für die Stimmenverluste der SPD gewesen sein.

Die Jusos engagieren sich für innere Erneuerung der Partei statt Groko-Beteiligung. Wer vermutet, dass es hierbei auch um Klimaschutz- und Energiepolitik gehen soll, erwartet leider zu viel. Juso-Chef Kühnert bezeichnete im ARD Morgenmagazin (10.01.2018) das Aufgeben der Klimaziele für 2020 zwar als „keinen guten Auftakt“ für die Sondierungsgespräche und hätte sich eine größere Rolle für dieses Thema gewünscht. Schaut man bei den Jusos selber nach, findet man diese „größere Rolle“ des Themas allerdings auch nicht. Unter den auf ihrer Website herausgestellten 8 Themen figurieren, Energiepolitik, Klimaschutz und auch Umweltschutz jedenfalls nicht. Auch im weiteren Umfeld fühlt man sich bei der Suche eher an die nach der Nadel im Heuhaufen erinnert.

Dass all die schönen Forderung zu Themen wie Bildung, Gleichstellung, Hochschule, Arbeit etc. davon abhängen, dass unsere elementaren Lebensgrundlagen nicht vom Klimawandel hinweggefegt werden, sollte eigentlich gerade eine Jugendorganisation interessieren. Doch offensichtlich wird das auch bei den Jusos weitgehend verdrängt.

Auf einem toten Planeten gibt es aber keine Arbeitsplätze, geschweigedenn Hochschulen – wie die Flüchtlinge demonstrieren, die die bereits heute nicht mehr bewohnbaren Gebiete massenhaft verlassen.

Maximale Beschleunigung der Energiewende ist daher heute die Grundvoraussetzung jeglicher ehrlichen und realistischen Sozialpolitik. Nur aufgrund dieser Erkenntnis wird sich die Sozialdemokratie erneuern und ihre Existenzberechtigung aktualisieren können!

Gemeinsam mit den Gewerkschaften den Strukturwandel gestalten, wäre ihre Aufgabe, z.B.:

  • Umschulung der Kohle-Beschäftigten auf erneuerbare Energieversorgung
  • Renaturierung ehemaliger Braunkohlegruben

„Von der Kohle zur Sonne“ könnte man dann sagen. – Der alte Traum der Arbeiterbewegung „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!“ würde wahr!

— Der Autor Christfried Lenz war unter anderem tätig als Organist, Musikwissenschaftler und Rundfunkautor. Politisiert in der 68er Studentenbewegung, wurde „Verbindung von Hand- und Kopfarbeit“ – also möglichst unmittelbare Umsetzung von Erkenntnissen in die Praxis – zu einer Leitlinie seines Wirkens. So versorgt er sich in seinem Haus in der Altmark (Sachsen-Anhalt) seit 2013 zu 100 Prozent mit dem Strom seiner PV-Inselanlage. Nach erfolgreicher Beendigung des Kampfes der BI „Kein CO2-Endlager Altmark“ engagiert er sich ganz für den Ausbau der Ereneuerbaren in der Region. Als Mitglied des Gründungsvorstands der aus der BI hervorgegangenen BürgerEnergieAltmark eG, wirkte er mit an der Realisierung einer 750 Kilowatt-Freiflächenanlage in Salzwedel. Lenz kommentiert das energiepolitische Geschehen in verschiedenen Medien und mobilisiert zu praktischen Aktionen für die Energiewende —

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