Die Grünen haben jetzt ihr großes Wahlkampf-Thema

Das Reich der Mitte ist nicht nur Weltmeister beim raschen Aufbau von Wind- und Solarenergie (sowohl bei Photovoltaik wie auch bei Solarthermie), sondern auch ganz vorne bei der Entwicklung des Elektroautos. Ähnlich wie die oppositionellen Grünen in Deutschland drängen die regierenden Kommunisten in China auf ein rasches Ende von Benzin- und Dieselautos.

Auf den letzten Metern des Wahlkampfes haben die Grünen damit jetzt plötzlich nochmal die große Chance, ihr Ur-Thema des Umwelt- und Klimaschutzes, die Energie- und Verkehrswende, auf die Wahlkampfagenda zu hieven, es dauerhaft und nachhaltig im Bewusstsein der Wählerinnen und Wähler zu verankern, genau damit am 24. September dritte Kraft zu werden und eine schwarz-grüne Regierung zu bilden. Welch eine Möglichkeit!

Vor allem die CSU kämpft für den Verbrennungsmotor – die Grünen für den raschen Abschied desselben – bis 2030! Sie werden dabei von allen Umweltverbänden unterstützt. Ganz unabhängig vom Wahlausgang am 24. September wird freilich im fernen Peking viel mehr entschieden als im nahen Berlin.

Der weltgrößte Automarkt ist schließlich China. Und die deutschen Autobauer verkaufen genau dort schon heute jedes dritte ihrer Autos. Wenn sie in China weiterhin mitspielen wollen, werden sie endlich aufwachen müssen. Das können sie am ehesten mit einer in Berlin mitregierenden grünen Partei.

Denn Chinas stellvertretender Wirtschaftsminister hat soeben angekündigt, seine Regierung wolle den raschen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor und denke über ein Verbot nach. Da sowohl skandinavische Regierungen wie auch England, die Niederlande und Frankreich eine ähnliche Verbotspolitik angekündigt haben, wird es jetzt immer enger für die alte, behäbige deutsche Automobilwirtschaft.

Klar ist, dass der chinesische Markt entscheiden wird wie rasch der Abschied vom Benziner und vom Diesel kommt und wie rasch sich das E-Auto durchsetzt. Nach allen Anzeichen wird der Abschied vom Verbrennungsmotor viel schneller kommen als die hiesigen Autobosse sich das bisher vorgestellt haben.

Chinas politische Autostrategie ist klar: Beim Benzinauto sind die westlichen Hersteller unschlagbar vorne, deshalb überspringen sie diese Technologie und setzen sich beim E-Auto von vornherein an die Spitze. China wird natürlich nach eigenen Interessen entscheiden und nicht nach den Interessen der deutschen Autobauer.

Die Chinesen haben dabei nichts zu verlieren, aber sehr viel zu gewinnen. Sollten die deutschen Autobauer diese Strategie auch weiterhin nicht verstehen, werden sie die großen Verlierer in diesem grandiosen Spiel um die Zukunft sein.

Aus Peking ist schon mal zu hören, dass den Konkurrenten aus Europa und den USA „turbulente Zeiten“ bevorstünden. Wer am 24. September grün wählt, hilft sehr wahrscheinlich der deutschen Automobilwirtschaft beim Aufwachen.

Die Zukunft der globalen Mobilität ist klar: Sie ist elektrisch, autonom und vernetzt. Fraglich ist nur noch, ob die deutschen Auto-Manager dabei noch mitspielen.

— Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. —

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