Mercom: Indien baut im ersten Halbjahr mehr Photovoltaik zu als im gesamten Jahr 2016

Indiens aufblühender Photovoltaik-Sektor erlebte einen Zubau von 4,8 Gigawatt in den ersten sechs Monaten des Jahres. Damit sei der Rekordzubau aus 2016 mit 4,038 Gigawatt bereits übertroffen, berichten die Analysten der Mercom Capital Group am Dienstag. Sie erwarten für das Gesamtjahr eine neu installierte Photovoltaik-Leistung von etwa 10,5 Gigawatt. Im kommenden Jahr könnte dann jedoch die Unsicherheit bei der Waren- und Dienstleistungssteuer (GST) das Wachstum verlangsamen. „wir haben die Prognose für 2018 um rund 15 Prozent wegen der Unsicherheiten über die GST reduziert, da diese zu einer Verlangsamung bei den Ausschreibungen führen könnte“, heißt es in dem Mercom-Bericht.

Für Solarmodule ist ein GST-Satz von fünf Prozent vorgesehen, aber die Regierung ist uneins über den Steuersatz für andere Photovoltaik-Komponenten. Zunächst sollten die fünf Prozent für alle Photovoltaik-Produkte gelten, mittlerweile sind Sätze von 18 oder 28 Prozent wahrscheinlicher. In der Konsequenz würden damit viele BOS-Komponenten wie Wechselrichter, Speicher oder Kabel mit dem höheren Steuersatz belastet.

Diese zusätzlichen Kosten, die mit der Inkonsequenz der Regierung verbunden sind, haben das Vertrauen von Investoren erschüttert. Das Ministerium für Neue und Erneuerbare Energie (MNRE) hat dies wahrgenommen und übt mittlerweile Druck auf das Finanzministerium aus, den Steuersatz von fünf Prozent auf alle Photovoltaik-Produkte anzuwenden.

Die Regierungsbehörden haben ein Umfeld von Chaos und Unsicherheit mit diesen Sätzen geschaffen“, so die Analysten von Mercom in ihrem Bericht. „Es hat die Aktivitäten bei Auktionen und Stromabnahmeverträgen (PPA) zum Stillstand gebracht, da niemand vorangehen will, bevor er nicht die Gestaltung der GST-Sätze kennt.“

Der Mercom-Bericht warnt zudem davor, dass die Rekordtiefstpreise auch das Photovoltaik-Wachstum 2018 ausbremsen könnten, da einige Projektierer nach dem „Schauen-wir-mal“-Ansatz gehandelt haben dürften. Sie könnten, in der Hoffnung die niedrigen Preise zu erreichen, ihre Investments zunächst zurückhalten. Dieses Verhalten habe bereits zur Streichung, Verschiebung oder Neu-Ausschreibung von Photovoltaik-Kapazitäten geführt. Nach dem Bericht sind etwa ein Gigawatt an Ausschreibungen zwischen April und Juni abgesagt worden.