Kämpfer gegen den Verschleiß

Photovoltaikanlagen kann man nutzen, ohne viel Mühe hineinzustecken. Genau wie bei Autos geht das, solange sie neu sind, tadellos. Man kann auf die jährlichen Inspektionen verzichten und auf regelmäßige Instandsetzungen, aber irgendwann wird sich das rächen. Vielleicht erst spät, aber dann häufen sich die Probleme. Photovoltaikanlagen sind, entgegen der landläufigen Meinung, nicht wartungsfrei, sondern es zahlt sich aus, sie regelmäßig zu kontrollieren: die Kabel auf Nagerschäden, Module auf PID und Wechselrichter auf Wassereinbrüche oder verschmorte Stellen. Nicht alle Schäden, die mit der Zeit auftreten, werden sich in einem Monitoringsystem oder in der Leitwarte zeigen, deshalb ist es wichtig, sagen Branchenkenner, einen Dienstleister zu haben, der die Anlage nicht nur aus der Ferne kennt, sondern der sie regelmäßig aufsucht und gründlich checkt, eben einen, der die Anlage nicht auf Verschleiß fährt.

Doch wie findet man solche engagierten Experten? Es gibt am deutschen Markt eine große Anzahl von kleineren und größeren Dienstleistern für technische Betriebsführung und Wartung (O&M). Unsere Übersicht ab Seite 68 verzeichnet 27 Anbieter. Sie stellt nur einen Ausschnitt der Akteure vor. Auf Anbieter rein kaufmännischer Betriebsführung haben wir aus Platzgründen verzichtet. In der letzten Zeit wurden einige O&M-Dienstleister aufgekauft, wie Conergy Services von Greentech oder Gehrlicher Solar Services von Goldbeck Solar. Diese Konsolidierungen, aber auch Markteintritte, wie der von Habdank, sind ein Zeichen dafür, dass der Markt weiterhin attraktiv ist. Mehrere Betriebsführer berichteten gegenüber pv magazine von einem regen Kundeninteresse und einer hohen Anzahl von Neuverträgen. Aber auch der Wettbewerb wird schärfer. Benchmarks machen einen Preis-Leistungs-Vergleich einfacher, und die Qualitätsführer demonstrieren mit Best-Practice-Beispielen, welche Standards Betreiber erwarten können. Die Branche professionalisiert sich.

Größe zählt nicht

Es liegt nahe, die Auswahl des geeigneten Dienstleisters von der Größe der Solaranlage abhängig zu machen. Für kleine Anlagen wäre womöglich ein lokaler Anbieter mit kurzen Wegen preiswerter als ein bundesweit agierendes Unternehmen mit Megawattanlagen. Doch gegen diesen Ansatz wehren sich Betriebsführer großer und kleiner Anlagen gleichermaßen. Die Entscheidung, ob ihr Unternehmen die Betriebsführung selbst übernimmt oder einen lokalen Partner empfiehlt, sei in jedem Fall sehr individuell, sagt zum Beispiel Stefanie Erhorn, Marketingmanagerin bei Greentech. Es gebe da keine Mindestgröße, ab der sie eine wirtschaftlich sinnvolle Betriebsführung anbieten können. Die Entscheidung hänge eher an der Entfernung und den Spezialkenntnissen, die für die Anlage nötig seien. Möglich wäre auch eine Aufteilung. So könne eine Anlage in die Fernüberwachung einbezogen werden, und der lokale Partner übernimmt die Vor-Ort-Termine.

So hat sich zum Beispiel das Unternehmen Ecopark aufgestellt, das nach eigenen Aussagen 63 Megawattpeak aus mehr als 1.000 Einzelanlagen betreut, die Durchschnittsgröße beträgt somit nur 63 Kilowatt. Seit anderthalb Jahren nimmt es gezielt Solaranlagen ins Portfolio, die kleiner als zehn Kilowattpeak sind. „Auch für private Investoren ist es ärgerlich, wenn die gewünschte Rendite ausbleibt“, sagt Rainer Schmidt, Geschäftsführer von Ecopark. Mit dem eigens entwickelten ticketbasierten Energy Service System ließen sich die Fehlermeldungen aller Wechselrichter auslesen und managen. Im Vergleich mit Nachbaranlagen und früheren Erträgen zeigten sich auch schleichende Verschlechterungen. Bei hohen, schlecht zugänglichen Dächern ermöglichten Drohnenabflüge preisgünstige Sichtkontrollen. Eine jährliche Wartung im Rahmen eines lokal abgestimmten Routenplans durch einen akkreditierten Partner sei auch inklusive. Nach der Aufnahmeprozedur für einen dreistelligen Eurobetrag liege die jährliche Gebühr nur bei fünf Euro pro Kilowattpeak für die technische und kaufmännische Betriebsführung. „Wir können uns vor Neuaufträgen kaum retten“, ist Schmidts Tenor. Insbesondere in der Verknüpfung von technischer und kaufmännischer Betriebsführung lägen Synergien, die die spezifischen Kosten deutlich senken.

Erst bauen, dann Fehler finden

Fragt man Kunden und Anbieter, worauf es bei der Auswahl eines Dienstleisters wirklich ankommt, fallen immer wieder drei Schlagworte: Unabhängigkeit, Professionalität und Finanzstärke. All diese Qualitäten sind enorm wichtig, jedoch nur schwer von außen festzustellen. Klarer sind die Kosten, das hilft jedoch wenig, wenn man nicht weiß, was man für das Geld bekommt.

Unabhängigkeit zum Beispiel kann man aus den verschiedensten Perspektiven betrachten. Muss ein O&M-Anbieter unabhängig sein vom Errichter einer Solaranlage? Das würde der gängigen Praxis widersprechen, wonach Generalunternehmer zumindest in der vereinbarten Gewährleistungsphase, nach der Inbetriebnahme, auch die Betriebsführung übernehmen. Denn treten Fehler in dieser Phase auf, kann und muss der Errichter sie im Rahmen der Garantie ohnehin beheben. Es fällt ihm auch viel leichter, für einen eigenen Park Garantien abzugeben, wie Verfügbarkeits- oder Performance-Ratio-Garantien, denn sie basieren auf seiner eigenen Kalkulation für Planung und Bau. Deshalb sagt zum Beispiel Thomas Kercher von Pfalzsolar: „Ich würde keine Anlage und keinen Solarpark verkaufen, ohne auch für die Gewährleistungszeit die O&M-Leistung zu erbringen.“

O&M-Dienstleister ohne eigenes Projektgeschäft sehen das naturgemäß anders. Sie sagen, dass man im Falle einer schlechten Bauausführung den Bock zum Gärtner macht, da der EPC einen Interessenskonflikt hätte. Der EPC könnte versuchen, sich nur über die Gewährleistungsfrist zu retten. Weil O&M-Dienstleistungen nicht das Kerngeschäft seien, würden EPCs nicht die gleichen professionellen lokalen Strukturen aufbauen wie reine O&M-Dienstleister, befürchtet außerdem Burkhard Söhngen von Encome. Das dürfte allerdings nicht generell zutreffen und die Diskussion zeigt, dass man sich seine Dienstleister als Betreiber eben gut aussuchen sollte. Wenn ein EPC ein professionell geführtes O&M-Geschäft besitzt und sich mit Garantien auf eine bestimmte Performance und Verfügbarkeit festlegt, kann er für Kunden, die gerne rundum sorglos betreut sein wollen, genau die richtige Wahl sein. Dennoch kann es sinnvoll sein, sich zu den kritischen Terminen noch eine unabhängige Meinung einzuholen und von Kontrollmöglichkeiten regen Gebrauch zu machen.

Gefühlte Unabhängigkeit

Ebenso kann man fragen, ob O&M-Dienstleister herstellerunabhängig sein sollten. Wir haben den Anbietern die Frage gestellt, aber nachdem sich sogar die O&M-Abteilungen von Komponentenherstellern für unabhängig erklären, weil sie auch Anlagen von anderen Herstellern betreuen, muss sich letztlich jeder eine eigene Meinung bilden. Richard Rath von Enovos hält eine so enge Beziehung für bedenklich. „Sie werden keine unabhängigen Angebote für Ersatzteile oder technische Arbeiten bekommen“, befürchtet er. Andersherum könnte man argumentieren, dass Angebote inhouse dafür günstiger zu bekommen sind und dass sich die hauseigenen Techniker mit den Produkten und ihren Fehlern besonders gut auskennen und leichteren Support erhalten. Gerade diesen Aspekt können die Hersteller sogar selbst beeinflussen. So beklagt Rath, dass es nicht mehr so einfach ist wie in früheren Jahren, Wartungsschulungen für externe Techniker bei Wechselrichterherstellern zu bekommen. Sie seien nicht mehr so freigiebig mit ihrem Know-how, was es schwieriger macht, die Kompetenzen am Ort einer Anlage neu aufzubauen. So bestätigt SMA, dass sie Serviceschulungen nur zertifizierten Partnern anbieten.

Professionalität zeigt sich im Detail

Kommen wir zum zweiten Punkt – Professionalität. Eine Fähigkeit, an der es, folgt man Lars Rulf, Leiter Service von Habdank PV-Services, vielen Betriebsführern bislang mangelte. Da muss man sich als Betreiber vermutlich auch selbst eine Meinung bilden, da sich Anbieter gerne gegenseitig fehlende Professionalität vorwerfen. Das ist in vielen Bereichen der Industrie so.

Lars Rulf macht es an einfachen Punkten fest. „Wenn wir eine Anlage übernehmen und das letzte Inspektionsprotokoll besteht nur aus einer A4-Seite, dann stimmt da etwas nicht“, sagt er. Habdank hat als Hersteller von Montagegestellen erst im letzten Jahr eine eigene EPC- und eine eigene O&M-Gesellschaft gegründet und geht von einem gewaltigen Nachholbedarf aus. Viele der Solarparks im In- und Ausland, die in den Boomjahren in aller Eile errichtet worden seien, zeigten nun ernste Schwierigkeiten und erzielten nicht mehr die anvisierten Renditen. Ein chaotischer Aufbau, fehlerhafte Module, mangelhafte Reparaturen und Ersatzteilverfügbarkeiten und fehlende Wartungsintervalle seien die häufigsten und gravierendsten Probleme. Dazu kämen zehn Jahre alte Wechselrichter, die kein vernünftiges Monitoring nach heutigen Standards erlauben. „Wir müssen manche Anlagen regelrecht restaurieren, bevor wir sie übernehmen“, berichtet er, „und das kann schnell 10.000 bis 15.000 Euro kosten.“

Natürlich lassen sich so gravierende Missstände nicht allein dem Betriebsführer anlasten. Denn die Anlagenverantwortung liegt beim Betreiber. Er ist für die Kontrolle seines Dienstleisters verantwortlich. „Das ist vielen gar nicht so klar“, sagt Stefanie Erhorn von Greentech. Ihr Unternehmen bietet neben der Betriebsführung auch unabhängige Inspektionen von Solaranlagen an. „Im Durchschnitt finden wir 30 Fehler, die dem eigentlichen Betriebsführer bislang nicht aufgefallen waren, darunter auch viele sicherheitsrelevante.“ Decken Behörden solche Missstände auf, kann das zu Bußgeldern oder der Abschaltung der Anlage führen.

Schneller wieder am Netz

Viele Betriebsführer bieten eine 24-stündige Rufbereitschaft und kurze Reaktionszeiten von wenigen Stunden an. Selbst wenn nachts nicht die Sonne scheint, kann es in dieser Zeit zum Beispiel durch Unwetterschäden zu dringendem Handlungsbedarf kommen. Schnelle Reaktionszeiten sind vor allem bei Fehlern wichtig, die zu Ertragseinbußen führen, denn Erträge, diedurch Ausfälle verloren gehen, kann man nicht wieder aufholen. Darüber hinaus muss man Sicherheitsmängel beseitigen. Bei hohen Betriebsführungskosten muss ansonsten abgewogen werden, ob Fehler zunächst zugelassen werden können, wie uns Experten vorgerechnet haben (siehe pv magazine, Juni 2014, Seite 98), um sie zu sammeln, bis sich der Einsatz lohnt.

Bei den „teuren“ Problemen steht sodann die Frage im Raum, ob nach der schnellen Erstreaktion das Problem auch schnell behoben ist. Das lässt sich vertraglich über Verfügbarkeitsgarantien festlegen. Sind diese nicht im Angebot oder zu teuer, kommt es auf die Art des Fehlers und die Fähigkeiten des Technikers an. „Wir selber setzen nur in Berlin/Brandenburg eigene Elektriker ein“, erläutert Richard Rath die Herangehensweise des Unternehmens, „an anderen Orten setzen wir auf qualifizierte Nachunternehmer.“ Diese besäßen die nötigen Schulungen für die Technik des Kunden und auf jeden Fall Mittelspannungsfähigkeit. „Es nützt ja nichts, wenn zwar ein Techniker vor Ort ist und die Reaktionszeit einhält, aber nicht in der Lage ist, das Problem auch anzugehen.“ Mit einem einsehbaren Ticketsystem kann der Betriebsführer den Kunden transparent über die Arbeiten auf seiner Anlage informieren. „Wer das zulässt, hat jedenfalls nichts zu verbergen“, sagt Rath und nennt damit einen wichtigen Entwicklungsschritt für die nahe Zukunft.

Alles spricht dafür, dass man sich als Betreiber gründlich mit der Auswahl eines Betriebsführers beschäftigen muss, und selbst dann kann man eine Fähigkeit nicht herauslesen, die viele Kosten sparen kann – nämlich die Bereitschaft, vorausschauend und kreativ im Kundeninteresse zu handeln. So kann ein Betriebsführer korrekt nach Vertrag handeln, wenn er ein wiederkehrendes Problem nach dem anderen löst. Ausfallzeiten und Kosten ließen sich aber womöglich reduzieren, würde er Ersatzteile schon auf Vorrat kaufen oder ein Repowering in Betracht ziehen, also den Ersatz älterer Bauteile durch neue und leistungsfähigere Technik. Das ist bei vielen Anbietern gerade hochaktuell.

Damit das nicht nur für den Anbieter ein Geschäft wird, sollte ein Vorschlag für ein Repowering ausführlich begründet werden. Die aufgetretene Minderleistung, zu erwartende Zusatzeinnahmen und die Investitionsentscheidung müssen abgewogen werden. Ein Dienstleister wird aber nur dann in Vorleistung gehen, wenn er zum einen finanzkräftig ist und zum anderen mit dem Kunden ein absehbar langes und vertrauensvolles Vertragsverhältnis hat. Früher übliche 20-Jahres-Verträge werden heute zwar nicht mehr abgeschlossen, denn sie sind für viele Betreiber zur Kostenfalle geworden. Allzu kurz sollte der Vertragszeitraum aber auch nicht gewählt werden. Vier Jahre hält Lars Rulf für einen angemessenen Zeitraum, in den drei kleine und eine große Wartung gut passen. Wer selbst nicht in der Lage ist, die Qualität eines Vertrages einzuschätzen, sollte sich für die Auswahl Hilfe suchen, empfiehlt Rulf. Wichtig ist, vorher abzuklären, welche Kosten und Risiken der Betreiber selbst trägt und welche an den Dienstleister übergehen. Dabei sollten Zusatzleistungen, wie häufige Modulreinigungen, lieber nach Bedarf angefordert werden. Thermografie ist dagegen inzwischen beinahe Standard, zum Beispiel im Zusammenhang mit Drohnenflügen.

Angefeuert von sinkenden Systemkosten, sind auch O&M-Dienstleister bemüht, ihre Kosten zu senken. Solange das durch bessere Prozesse und Tools gelingt, ist dieser Weg sicher richtig. Doch er ist endlich und birgt auch die Gefahr, die Schraube zu überdrehen. Daher sollten auch preissensible Betreiber bei Schnäppchen aufmerken und zur Sicherung ihrer Investition die Qualität stets im Auge behalten.

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