Effizienz rauf, Preis runter – 2017 gibt es mehr Power für weniger Euro

Nachdem die Modulpreise im November nochmals einen ordentlichen Schub nach unten bekamen, haben sie sich in den ersten Dezembertagen weitestgehend stabilisiert. Der Handel scheint verstanden zu haben, dass in den letzten Wochen des Jahres auch Preise unter 35 Cent pro Watt keinen weiteren Kaufanreiz mehr schaffen können. Photovoltaik-Anlagen, die noch im alten Jahr errichtet werden müssen, sind bereits durchgeplant und mit Material ausgestattet. Sich für im kommenden Jahr anstehende Projekte schon jetzt mit Modulen einzudecken, ist für viele Errichter kein Thema. Es werden zwar vorsichtig Konditionen und Preise abgecheckt, festlegen will sich bei derart volatilen Preisen jedoch kaum einer. Noch ist nämlich unklar, ob die Preise nicht doch noch weiter absinken, insbesondere bei Modulen der höheren Leistungsklassen. Hier war in den vergangenen Monaten eine erstaunliche Entwicklung zu beobachten.

Die Verfügbarkeit von neu produzierten Modulen mittlerer Leistung ist hingegen nicht mehr sehr groß. Waren 255, 260 und 265 Wattpeak bei Modulen mit 60 kristallinen Zellen bis vor kurzem noch der allgemeine Standard, geht die Tendenz nun stark in Richtung 270 bis 280 Watt. Diese Leistungen wurden bisher jedoch nur von Modulen mit monokristallinen Zellen erreicht, die dann – gerechtfertigt oder nicht – mit einem Preisaufschlag verkauft wurden. Durch den breiten Einzug der PERC- und PERT-Technologie in die Modulherstellung in Europa und Asien können hohe Leistungen nun auch mit polykristallinen und damit deutlich kostengünstigeren Zellen erreicht werden.

Einzelne Photovoltaik-Hersteller, wie zum Beispiel Q-Cells, kündigen für ihre polykristallinen Module Leistungen von 290 bis sogar 300 Wattpeak an, verfügbar im ersten Quartal 2017. Die Spitzenleistung monokristalliner Module der Top-Hersteller aus Europa und Asien reichen jetzt schon bis 310 Wattpeak, ohne dabei das Preisniveau von LG Electronics, AUO BenQ und Panasonic zu erreichen, welche bis vor kurzem noch den Markt der Ultra-High-Efficiency-Module unter sich aufteilten. Wie diese Hersteller wohl auf den Trend zu immer höheren Leistungen bei fallenden Preisen reagieren? Bei Sunpower zumindest ist in Asien und den USA eine größere Konsolidierungsphase im Gange, der leider auch zahlreiche Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Gleichzeitig wird die gemeinsame Zellfertigung in Singapur schrittweise von Sunpower übernommen, während AUO in Zukunft mehr Geld und Energie in die Entwicklung eigener Hocheffizienzzellen stecken wird.

LG Electronics brachte ja unlängst ein bifaciales Doppelglasmodul mit 60 Zellen auf den Markt, mit dem durch die aktive Rückseite unter optimalen Umständen 25 Prozent Mehrertrag erreicht werden soll. Damit käme das Solarpanel auf eine Spitzenleistung von bis zu 375 Wattpeak. Im Gegensatz zum mittlerweile insolventen US-amerikanischen Hersteller Solyndra stellt man seine Preiskalkulation aber auf die maximale STC-Leistung der Vorderseite von 300 Wattpeak ab. Die Produktvielfalt und Verfügbarkeit von Glas-Glas-Modulen – unifacial oder bifacial – ist aber noch so gering, dass hier ein Preisverfall aufgrund von Konkurrenzdruck und hoher Nachfrage nicht gegeben ist. Die Preise für im Markt verfügbare Produkte, etwa von Solarworld oder der Sonnenstromfabrik bewegen sich noch oberhalb der 60-Cent-Marke.

Aber auch andere Firmen sind permanent dabei, die Leistung und Effizienz ihrer Module zu optimieren. Durch neue Verschaltungstechniken und Materialkombinationen dürfte ein Wirkungsgrad jenseits der 20-Prozent-Marke bald keine Seltenheit mehr sein. Bei industriell gefertigten Zellen scheinen durch die Renaissance der Heterojunction-Technologie (HJT, HIT) sogar 30 Prozent in greifbare Nähe zu rücken. Auch wird die sogenannte Lichtinduzierte Degradation (LID), die bisher in allen Simulationsprogrammen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen als feste Größe berücksichtigt werden musste und die auch Grundlage für alle Leistungsgarantieaussagen ist, durch den Übergang zu n-type-Solarzellen vermutlich der Vergangenheit angehören. Man darf auf die Entwicklungen und Produktvorstellungen der nahen Zukunft gespannt sein.

Lohnt es sich nun, noch in diesem Jahr Liefervereinbarungen zu unterzeichnen, sich vielleicht sogar schon Ware ins Lager zu legen, die erst im Frühjahr verbaut werden kann oder sollte man lieber noch abwarten? Eine zuverlässige Prognose, über die Preisentwicklung in der nahen Zukunft abzugeben, fällt schwer. Einige Hersteller behaupten zu wissen, dass der Boden bereits erreicht ist und die Modulpreise zum Jahresanfang wieder leicht steigen werden. Man führt dies auf steigende Nachfrage – vor allem im asiatischen Raum – bei gleichzeitigen Lieferengpässen zurück. Die momentan nicht ausgeschöpften Kapazitäten in China dürften jedoch so gigantisch sein, dass sie jeden Nachfragesprung im eigenen Land oder überall dort, wo keine Marktbeschränkungen bestehen, locker auffangen können. Das würde gegen einen merklichen Preisanstieg sprechen.

Wer seine Photovoltaik-Anlagen mit hocheffizienten Modulen ausstatten möchte, der darf ruhig noch etwas abwarten und auf eine immer größere Angebotsvielfalt bei sinkenden Preisen spekulieren. Nur Planer und Errichter, deren Projekte in der Hoffnung auf bessere Zeiten seit längerem in der Schublade schlummern, wie beispielsweise die zahlreichen noch nicht realisierten Anlagen aus deutschen Freiflächen-Ausschreibungen, müssen sich sputen. Viele dieser Anlagen wurden nämlich noch mit Modulen niedrigerer Effizienz geplant. Die Verfügbarkeit dieser Produkte wird – wie eingangs beschrieben – aber langsam knapp, was sich nicht unbedingt positiv auf die Preisentwicklung auswirken dürfte.

Modulklasse

Preis (€/Wp)

Veränderung

ggü. Vormonat

Beschreibung

High Efficiency

0,59

– 1,7 %

Kristalline Module ab 280 Wp, mit Cello-, PERC-, HIT-, N-Type- oder Rückseitenkontakt-Zellen oder Kombinationen daraus

All Black

0,52

– 3,7 %

Modultypen mit schwarzer Rückseitenfolie, schwarzem Rahmen und einer Nennleistung zwischen 200 Wp und 275 Wp

Mainstream

0,45

– 2,2 %

Module mit üblicherweise 60-Zellen, Standard-Alurahmen, weißer Rückseitenfolie und 250 bis 275 Wp, repräsentieren den Großteil der Module im Markt

Low Cost

0,32

– 5,9 %

Minderleistungsmodule, B-Ware, Insolvenzware, Gebrauchtmodule (kristallin), Produkte mit eingeschränkter oder ohne Garantie

(Die dargestellten Preise geben die durchschnittlichen Angebotspreise für verzollte Ware auf dem europäischen Spotmarkt wieder.)

— Der Autor Martin Schachinger beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Photovoltaik und Regenerativen Energien im Allgemeinen. Er ist innerhalb der Photovoltaik-Branche bestens vernetzt, was nicht zuletzt auf sein kontinuierliches Engagement für die internationale Online-Handelsplattform für Solarkomponentenwww.pvXchange.com zurückzuführen ist, welche er 2004 zusammen mit zwei Partnern ins Leben rief. Dort wird ein breites Spektrum an Markenprodukten, Neu- und Gebrauchtware mit unterschiedlichsten Spezifikationen angeboten. —

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