Sicherheitsleitfaden Batteriespeicher wird nur unzureichend umgesetzt

In derpv magazine Übersicht Batteriespeicher ist nur bei 5 Prozent der Systeme angegeben, dass Batteriespeicher extern nach dem Sicherheitsleitfaden zertifiziert sind. Bei 51 Prozent gibt der Hersteller eine Eigenerklärung ab, dass das System die das Zertifikat erfüllen. 24 Prozent geben sogar explizit an, dass sie kein Zertifikat haben und 18 Prozent machen keine Angaben. Das heißt nicht immer, dass die entsprechenden Hersteller nichts für die Sicherheit tun, manche verweisen etwa auf die „Batterienorm“ 62619. Doch wie soll man das als Kunde einordnen?

pv magazine hat Olaf Wollersheim gefragt, wieso er die externe Zertifizierung für wichtig hält. Er hat im Frühhjahr 2014 mit Versuchen am KIT in Karlsruhe den Anstoß gegeben, dass Verbände, Institute und Industrie den Sicherheitsleitfaden entwickelt haben. Heute ist er bei dem Hersteller Solarwatt zuständig für die Technologientwicklung für Energiespeicher und Energiesysteme.

pv magazine: Seit eineinhalb Jahren gibt es den Sicherheitsleitfaden für Li-Ionen-Heim-Batteriespeicher, den Sie maßgeblich mit gestaltet haben. Kann sich der Kunde beruhigt zurücklehnen, wenn eine Firma sagt, diesen Leitfaden zu erfüllen?

Olaf Wollersheim: Wenn der Hersteller das nicht nur in Form eine Eigenerklärung behauptet, sondern mit bestandenen Tests anerkannter unabhängiger Prüflabore auch beweisen kann, dann erfüllt das so geprüfte Produkt den höchsten Sicherheitsstandard, den es heute weltweit für Heimspeicher gibt. Wenn es also eine glaubwürdige Aussage gibt, dass der Hersteller bei einem oder mehreren Prüflaboren die experimentellen Tests nach dem Sicherheitsleitfaden bestanden hat, dann kann man als Kunde nicht mehr tun, um ein sicheres Produkt im Haushalt zu nutzen.

pv magazine: Sind Sie zufrieden damit, wie die Unternehmen den Leitfaden aufgenommen haben?

Ich bin sehr zufrieden damit, wie der Leitfaden von den Herstellern aufgenommen wurde. Nicht ganz so zufrieden kann man sein, was die Umsetzung angeht. Es gibt bisher noch zu wenige Hersteller, die den mühsamen Weg der Zertifizierung durch unabhängige Prüflabore auf sich genommen und erfolgreich abgeschlossen haben. Natürlich sind das viele anspruchsvolle Tests, die alle bestanden werden müssen, aber nach unserer Auffassung hat der Endkunde einen Anspruch darauf, dass die Hersteller diesen Aufwand betreiben, um das Produkt so sicher wie möglich zu machen.

Was sehen Sie als häufigste Fehler?

Häufig wird versucht, die teuren Tests in akkreditierten Prüflaboren durch Eigenerklärungen zu ersetzen, was grundsätzlich zulässig ist, wenn exakt dieselben Tests beim Hersteller selbst durchgeführt und im Ergebnis genauso kritisch beurteilt werden. Ich bin aber der Meinung, dass man in Sicherheitsfragen immer auch externe Kontrollen einbeziehen sollte, denn in der eigenen Entwicklung kann sich auch mal eine Betriebsblindheit oder gar Schlimmeres entwickeln, der Abgasskandal lässt grüßen.

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pv magazine Webinar: Sicherheit ist nicht verhandelbar.

Mittwoch 23. November 2016, 16:00 bis 17:00 Uhr

Wir diskutieren mit Olaf Wollersheim vom Initiativpartner Solarwatt, warum die Sicherheit bei Lithium-Ionen-Batterien immer noch ein Thema ist, warum er den Sicherheitsleitfaden und vor allem auch die externe Zertifizierung für absolut notwendig hält. Sie haben wie immer die Möglichkeit, Fragen bei der Registrierung zu schicken und während des Webinars per Chat.

MehrInformationen und Anmeldung

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Wie sieht es mit Fehlern bei der Installation aus. Ist darüber etwas bekannt?

Anhand mehrerer Tausend Installationen allein unserer Batteriesysteme ist inzwischen ganz gut bekannt, was so alles im Feld passiert. Das Speichersystem muss deshalb so gestaltet sein, dass jeder vorstellbare Installationsfehler und sogar vorhersehbarer Missbrauch sicher abgefangen wird. Da die PV-Kabel häufig nicht mit „+“ und „-“ gekennzeichnet sind, muss man z.B. damit rechnen, dass die PV-Anlage und oder der Wechselrichter verpolt angeschlossen werden. Gelegentlich wird für den Anschluss des Stromsensors nicht das spezifizierte Buskabel, sondern irgendein Klingeldraht verwendet. Missbrauch wäre gegeben, wenn ein Kunde eine Fremdbatterie an das Gerät anschließt. In allen diesen Fällen darf mindestens nichts Schlimmes, am besten gar nichts passieren.

Die Normung geht weiter. Was kommt als nächstes und können das Hersteller schon heute berücksichtigen?

Da kommen mindestens zwei wichtige Themen in den nächsten Jahren auf die Hersteller zu. Das eine betrifft eine präzise Vorschrift, wie eine einzelne Zelle im sogenannten Propagationstest der Batterie absichtlich zerstört wird. Da gibt es im Moment noch zu viel Spielraum, um Batterien mit schlechten Zellen trotzdem erfolgreich durch den Test zu bringen. Das lässt sich schon heute durch die Auswahl einer sicheren Lithium-Ionen-Zelle berücksichtigen. Das zweite Thema betrifft die Qualität des Speichersystems. Derzeit ist für den Kunden völlig intransparent, wie die am Markt gehandelten Produkte sich im praktischen Einsatz hinsichtlich Wirkungsgraden, Energieeffizienzen und Lebensdauern unterscheiden. Wir unterstützen Arbeitsgruppen aus unabhängigen Forschungseinrichtungen bei der Erstellung harter, aber fairer Messvorschriften, um objektive Vergleiche möglich zu machen. Auch hier können die Hersteller im Rahmen der laufenden Produktentwicklung viel tun, um das theoretisch Erreichbare heute schon technisch umzusetzen.

Die Fragen stellte Michael Fuhs schriftlich.

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