China will die Solarförderung 2017 nochmals drastisch kürzen

Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) in China hat als Reaktion auf die weiter sinkenden Preise für Solarmodule eine noch höhere Kürzung der Photovoltaik-Einspeisetarife in einigen Teilen des Landes in Betracht gezogen. Dies berichtete am Mittwoch die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf zwei mit der Sache vertraute Personen. Am Donnerstag bestätigte das Dokument “The notification of FIT adjustment for new energy by NDRC” diese Spekulationen. Es handelt sich dabei um einen Entwurf der Kommission, der nun von den großen Industrieunternehmen kommentiert werden könne und am Donnerstag in dem sozialen Netzwerk „WeChat“ verbreitet worden sei.

China sei für die neue Festlegung der Solarförderung in drei Bereiche eingeteilt worden, die sich an der Sonneneinstrahlung orientierten. Je höher die Einstrahlungswerte, umso niedriger solle die künftige Solarförderung für die neuen Photovoltaik-Anlagen ausfallen. Das Dokument sieht eine drastische Kürzung der Einspeisevergütungen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen, die eigentlich 2017 zwischen 0,80 und 0,98 Yuan pro Kilowattstunde liegen sollte, vor. Für drei Regionen im Land sollten nur noch Einspeisetarife zwischen 0,55 und 0,75 Yuan pro Kilowattstunde gezahlt werden, was eine Kürzung von bis zu 31,25 Prozent darstellt. Auch für die kleineren Photovoltaik-Anlagen solle die Vergütung je nach Region von 0,42 Yuan pro Kilowattstunde auf Werte zwischen 0,20 und 0,30 Yuan pro Kilowattstunde gesenkt werden.

Die Pläne seien bislang noch nicht beschlossen, meldet Bloomberg weiter. Die Gespräche befänden sich aber in einem fortgeschrittenen Stadium, nachdem die chinesische Regierung sich bemüht, die Auswirkungen der Solarmodulpreise auf Rekordtief zu bewältigen. Nach den jüngsten Veröffentlichungen werde es wahrscheinlich harte Verhandlungen zwischen der chinesischen Regierung und den dortigen Photovoltaik-Unternehmen geben. Die Einschnitte seien deutlich härter, als von vielen erwartet. Sie zeigten zugleich den starken Willen der Regierung, die Förderung erneuerbarer Energien vor dem Hintergrund der hohen Kosten weiter zurückfahren zu wollen.

Nach den Erhebungen von Bloomberg sind die Modulpreise in China um 26 Prozent im Jahresvergleich gesunken, was sich auch an den niedrigen Geboten der Projektierer bei den Ausschreibungen zeige. In der vergangenen Woche sei etwa bei einer Auktion in der Inneren Mongolei ein neues Tiefstgebot von 0,52 Yuan pro Kilowattstunde abgegeben worden.

In China legt die Regierung die Höhe der Tarife fest, die Photovoltaik-Projektentwickler erhalten. Dies betrifft sowohl die staatliche Förderung als auch die Preise, die Energieversorger für den Solarstrom zahlen müssen. Viele Projektierer blieben in den vergangenen Monaten allerdings ohne Bezahlung. Immerhin konnte United PV kürzlich vermelden, dass es nun eine Mitteilung über Nachzahlungen für 16 seiner Solarparks in China in Höhe von 195 Millionen Euro erhalten werde.

Zur Jahresmitte waren die Photovoltaik-Tarife in China drastisch gekürzt worden. Dies führte im ersten Halbjahr zu einem Boom. Nach den derzeitigen Schätzungen sind im ersten Halbjahr in China Photovoltaik-Anlagen mit rund 20 Gigawatt installiert worden. Nach der Förderkürzung brach die Nachfrage drastisch ein. Zugleich haben die chinesischen Photovoltaik-Hersteller weiter massiv Überkapazitäten aufgebaut. Experten sprechen von rund 20 Gigawatt. Dies hat zur Folge, dass auch weltweit die Modulpreise mit Beginn des zweiten Halbjahrs extrem sinken und ein neuer Preiskampf ausgebrochen ist. Alle Photovoltaik-Hersteller sind in Folge der Billigangebote aus China gezwungen, ihre Preise deutlich zu senken. Ähnlich wie 2011/2012 könnte dies eine erneute Konsolidierungswelle unter den Photovoltaik-Herstellern auslösen. Bereits die Ergebnisse der Hersteller zum dritten Quartal dürfte zeigen, wie groß die Auswirkungen des Preiskampfs sind. Analysten erwarten angesichts der Überkapazitäten für dieses und das kommende Jahr massiv sinkende Modulpreise. (Vincent Shaw/Ian Clover/Sandra Enkhardt)

Dieser Artikel ersetzt vor einigen Stunden veröffentlichten Beitrag: China will wegen fallender Modulpreise die Kürzung der Solarförderung erhöhen