Weltenergierat: 30 Prozent der weltweiten Stromerzeugungskapazitäten erneuerbar

Die erneuerbaren Energien sind weltweit auf dem Vormarsch und verzeichnen spektakuläre Zuwächse. Nach dem neuen Bericht des Weltenergierats entfallen inzwischen mehr als 30 Prozent der gesamten weltweiten installierten Stromerzeugungskapazitäten auf erneuerbare Energieträger. Einschließlich Wasserkraft hätten sie einen Anteil von 23 Prozent an der globalen Stromerzeugung. Die rasante Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren hätten Photovoltaik und Windkraft hingelegt mit jährlichen Wachstumsraten von 50 und 23 Prozent. Ihr kombinierter Anteil an der weltweiten Energieversorgung habe 2015 jedoch nur bei vier Prozent gelegen, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht „Variable Renewables Integration in Electricity Systems 2016 – How to get it right”.

Nach der Analyse des Weltenergierats ist 2015 die Rekordsumme von 286 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien investiert worden. 76 Prozent davon seien auf Photovoltaik und Windkraft entfallen. Insgesamt seien 154 Gigawatt neuer Erzeugungskapazitäten aufgebaut worden und damit gut 50 Prozent mehr als an konventionellen Erzeugungskapazitäten.

Zuversichtlich zeigt sich der Weltenergierat, was die weitere Entwicklung von Photovoltaik und Windkraft anbetrifft. Ständig verbesserte Technologien und Kostenreduktion verringerten den Kapitalaufwand (CAPEX) sowie die Betriebs- und Wartungskosten für erneuerbare Energien. Die Wissenschaftler verweisen auch auf die mittlerweile niedrigen Auktionspreise für Windkraft und Photovoltaik, wobei die 28 US-Dollar pro Megawattstunde für Windkraft in Marokko und bei 30 US-Dollar pro Megawattstunde für einen 800-Megawatt-Solarpark in Dubai mit spezifischen Vorteilen der Länder verbunden seien und sich nicht allgemein auf alle Länder übertragen ließen. In Kontinentaleuropa seien etwa die Volllaststundenzahl bei Windkraft und Photovoltaik bis zu 50 Prozent niedriger und die Systemkosten wesentlich höher.

„Wir haben den kritischen Punkt der Energiewende überwunden. Die Umsetzung technisch und wirtschaftlich stabiler Richtlinien, unterstützt durch eindeutige Signale beim CO2-Preis, ermöglicht diesen Wandel und bringt uns einen Schritt näher, die bei COP21 vereinbarten Klimaziele zu erreichen”, erklärte Christoph Frei, Generalsekretär des Weltenegierats.„Der Erfolg bei der Entwicklung volatiler erneuerbarer Energien und ihrer effizienten Integration in die Stromsysteme hängt maßgeblich vom Marktdesign und dem regulatorischen Rahmen ab, sowie von einer umfassenden Regionalplanung, um Engpässe zu vermeiden.”

In dem Bericht werden konkrete Maßnahmen für eine erfolgreiche Integration der erneuerbaren Energien in die Stromsysteme empfohlen. So müssten in den Ländern Marktregeln festgelegt werden, die eine Balance zwischen Versorgungssicherheit, Umweltfreundlichkeit und Bezahlbarkeit (Energie-Trilemma), aufwiesen und klar definierter CO2-Emissionsvorschriften enthielten. Nach Ansicht des Weltenergierats könnte die Einführung von Kapazitätsmärkten zur Gewährleistung von Versorgungssicherheit beitragen, wenn Energy-only-Märkte in Ländern mit einem hohen Anteil an verschiedenen erneuerbaren Energien nicht ausreichen sollten, um eine zuverlässige Versorgung zu garantieren. Die Wissenschaftler fordern zudem, dass Wettervorhersagemethoden verbessert werden müssten, um schneller auf Änderungen bei Wind und Sonne reagieren zu können.

Weltweit hätten 164 Länder im vergangenen Jahr immerhin eine Förderpolitik für erneuerbare Energien betrieben; 95 davon seien Entwicklungsländer gewesen. „Geeignete Technologien und politische Maßnahmen, einschließlich Regulierung und Marktdesign, spielen beim Ausbau volatiler erneuerbarer Energien und ihrer effizienten Integration ins Stromnetz eine entscheidende Rolle. Politische Lösungen müssen mit effektiven und bezahlbaren technologischen Lösungen einhergehen“, erklärte Alessandro Clerici, Vorsitzender des Knowledge Network zur Integration erneuerbarer Energieträger in Stromsysteme beim Weltenergierat. „Entscheidend bei der Planung der Integration von volatilen erneuerbaren Energiequellen ist ein ganzheitlicher und auf Langfristigkeit ausgelegter Ansatz für das Systemdesign. Dazu gehört auch eine ehrliche und transparente Kosteneinschätzung, um Investitionsanreize zu schaffen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sowie ein robuster Energiesektor, unabhängig von den Ressourcen oder der geografischen Lage eines Landes”, so Clerici weiter. (Sandra Enkhardt)