Das 1-kW-Haus

In Rosenfeld, südlich von Stuttgart, baut sich Klemens Jakob ein gutes Gewissen. Der 57-Jährige möchte nur noch so viele Ressourcen nutzen, wie es die Erde verkraften könnte, wenn jeder Mensch gleich viel verbraucht. Wie viel das exakt ist, lässt sich schwer sagen. Deshalb beruft er sich auf das Konzept der Schweizer 2.000-Watt-Gesellschaft. Demnach sollte eine Person dauerhaft nicht mehr als 2.000 Watt verbrauchen und nicht mehr als eine Tonne CO2 im Jahr erzeugen. Jakobs persönliche Lösung ist ein 18 Quadratmeter kleines, autarkes Häuschen, das schon jetzt sehr gemütlich aussieht und voll innovativer Technik steckt. Mit seiner edlen Holzoptik, den abgerundeten Ecken und runden Dachfenstern hat es zweifellos Charme.

Die Juroren des pv magazine award beeindruckte aber vor allem der konsequente Ansatz. Gebaut aus Holz, Kalk und Lehm, gedämmt mit Holzfasern sowie dreifach verglasten Fenstern betrage der kalkulierte Energiebedarf pro Tag nur eine Kilowattstunde, wohlgemerkt bei minus 16 Grad, so Jakob. Dieser geringe Bedarf ergebe sich durch ein Gleichstromnetz, an das nur sehr sparsame Verbraucher wie ein Zwölf-Volt-Kühlschrank, die Lüftung mit Wärmerückgewinnung, zwei Wasserpumpen, LED-Beleuchtung und Steckdosen mit unterschiedlichen Spannungen für die Elektronik angeschlossen werden. Andere Geräte, wie der Bio-Ethanol-Herd und die Fußpedal-Waschmaschine, haben gar keinen Stecker. Die elektrischen Geräte werden über eine 2,9-Kilowatt-Photovoltaikanlage versorgt, die auch einen Batteriespeicher mit 480 Amperestunden und einen Warmwasserspeicher lädt. Als Heizung werden in Boden und Zwischendecke 500 Kilogramm Phase-Change-Material (PCM) eingebaut, das bei hohen Temperaturen im Sommer schmilzt und Wärme aufnimmt und diese beim Gefrieren unter 19 Grad wieder abgibt. Da es mit diesem Material noch wenig Praxiserfahrungen gibt, soll als Back-up noch ein äußerlich gedämmter Badeofen dienen, in dem das warme Wasser auch mit einem Holzfeuer erzeugt werden könnte. Mithilfe einer Pflanzenkläranlage soll auch die Wasserversorgung als Kreislauf autark funktionieren. Bevor aus dem geklärten Grauwasser wieder Trinkwasser wird, fließt es noch durch eine Umkehrosmose-Anlage. Selbst Lebensmittel kann Jakob künftig in einem kleinen Treibhaus mit Fischteich selbst herstellen und so seiner Vision von einem „weltgerechten Lebensstil“ nahekommen.

Open Source: Baupläne werden veröffentlicht

Damit seine Idee möglichst viele Nachahmer findet, bietet Jakob das Haus zum einen als Bausatz zum Verkauf an und zum anderen kostenlos als Open-Source-Bauanleitung. Noch in diesem Winter will er damit starten. Er schätzt die reine Aufbauzeit für zwei Personen auf etwa eine Woche. Die Teile für das Häuschen soll es ab 25.000 Euro geben, doch die Technikkosten, auch für die Photovoltaikanlage und die Batterie, kommen noch dazu. Je nach Ausstattung können bis zu 100.000 Euro zusammenkommen. Außerdem benötigte Jakob selbst für das kleine Häuschen eine Baugenehmigung.

„Ich hoffe, dass die hochwertige Ausführung mainstreamtauglich ist“, sagt Jakob. Als Käufer wünscht er sich Menschen aus der alternativen Szene, vielleicht auch ältere Leute, denen ihr Haus zu groß wird und die bewusster leben wollen. Nur eins liefe seinen Absichten völlig entgegen, wenn sich sein Hausbauset als zusätzliches Gartenhäuschen etablieren würde und sich der Eigentümer damit nicht verkleinert, sondern im Gegenteil seinen ökologischen Fußabdruck noch vergrößert. Ob 18 Quadratmeter und ein Gewächshaus zum Leben ausreichen, wird Klemens Jakob nun selbst erleben. Er zieht noch im September ein. Über den Winter wird sich dann beweisen, ob die Technik wie geplant funktioniert und er seine Energieziele erreichen kann. „Für eine Person ist das genug“, ist er sich sicher. „Und wenn noch ein Partner einzieht, muss man sich entweder gut verstehen oder modular anbauen.“ Tatsächlich ist die modulare Erweiterung und das Verbinden von Hausteilen zu größeren Einheiten Teil der Strategie, sodass schließlich auch zwei oder mehr Personen in einem Ownhome leben können.