Solarpower Europe: 700 Gigawatt installierte Photovoltaik-Leistung bis 2020 möglich

Weltweit wächst die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen weiterhin stark. Nachdem 2015 erstmals mehr als 50 Gigawatt Photovoltaik-Leistung neu installiert worden sind, werden es in diesem Jahr voraussichtlich bereits 62 Gigawatt sein, wie aus dem am Dienstag veröffentlichen Marktstudie „Global Market Outlook for Solar Power 2016-2020“ von Solarpower Europe hervorgeht. Die insgesamt installiert Leistung habe weltweit Ende vergangenen Jahres bei 229 Gigawatt gelegen, fast 100 Gigawatt davon allein in Europa. „Wir gehen davon aus, dass eine weltweit installierte Solarleistung von insgesamt 700 GW bis 2020 möglich ist“, so Oliver Schäfer, Präsident von SolarPower Europe.

Lange Zeit war Europa der Treiber des Photovoltaik-Weltmarkts. Mittlerweile haben China, Japan und die USA diese Rolle übernommen. Allein in China seien im ersten Quartal mehr als sieben Gigawatt neue Photovoltaik-Leistung installiert worden. Im Vergleich dazu sind Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 8,2 Gigawatt im vergangenen Jahr in ganz Europa neu ans Netz gegangen. Aber auch dies war ein Zuwachs um 15 Prozent gegenüber 2014 und der erste überhaupt seit 2011. Für dieses Jahr geht Solarpower Europe allerdings wieder von einer rückläufigen Nachfrage von elf Prozent aus. Hauptgrund dafür sei die ausgelaufene Förderung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Großbritannien. 2017 sei dann aber wieder die Rückkehr auf den Wachstumspfad zu erwarten. „Was der europäische Solarmarkt jetzt braucht, ist das richtige Energiemarktdesign“, erklärte James Watson, Geschäftsführer von Solarpower Europe. Trotz des politischen Gegenwinds in Deutschland wird hierzulande voraussichtlich von 2016 bis 2020 mit 8,7 Gigawatt die meiste Photovoltaik-Leistung aller europäischen Länder zugebaut werden. In dem Solarpower-Europe-Bericht folgen die Türkei mit 8,433 Gigawatt auf Platz zwei vor Frankreich (6,270 Gigawatt) und Großbritannien (5,025 Gigawatt).

Der Marktreport von Solarpower Europe enthält drei Szenarien für die Entwicklung der weltweiten Photovoltaik-Nachfrage bis 2020. Die installierte Gesamtleistung könnte dann zwischen 490 und 716 Gigawatt (siehe Grafik oben) liegen; wobei das Szenario mit 613 Gigawatt am wahrscheinlichsten sei. Sehr sichern ist sich der Verband, dass 2017 die Marke von 300 Gigawatt weltweit installierter Photovoltaik-Leistung geknackt werde und bis 2020 auch die 500 Gigawatt überschritten würden.

Auch auf die Preisentwicklung der Photovoltaik geht Solarpower Europe in seinem Bericht ein. So würden Photovoltaik-Kraftwerke zunehmend konkurrenzfähig – sprich sogar günstiger – als konventionelle Kraftwerke, heißt es in dem Bericht. Als Beispiel werden die 2,99 US-Dollarcent pro Kilowattstunde aus der letzten Ausschreibungsrunde in Dubai angeführt. „Solarstrom gewinnt im Vergleich zu fossilen Brennstoffen zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit und in vielen Ländern liegen die Preise für dezentral erzeugten Solarstrom heute schon unter den Preisen für Haushaltsstrom. In einigen Teilen der Welt ist Solarstrom nun sogar günstiger als Onshore-Windkraft“, erklärte zu diesem Aspekt auch Michael Schmela, Berater der Geschäftsführung von Solarpower Europe und Hauptautor der Marktstudie. Dennoch müssten auch die Designs der Strommärkte so angepasst werden, dass die erneuerbaren Energien davon profitieren könnten. Momentan seien diese immer noch stark auf zentralisierte, unflexible Kraftwerke ausgelegt.

In einigen Ländern sind Stromabnahmeverträge (PPA) für Photovoltaik mittlerweile günstiger als für Windkraft an Land. (Quelle: Solarpower Europe/GMO 2016-2020)

2015 habe auch ein neuer Investitionszyklus bei den Photovoltaik-Herstellern begonnen. Angesichts der steigenden Nachfrage investierten sie in neue Kapazitäten. Die Hersteller aus China bauten wegen der bestehenden Anti-Dumping- und Anti-Subventionsmaßnahmen in den USA und Europa vor allem außerhalb des Heimatlandes neue Zell- und Modulfabriken auf. Die neuen Werke entstünden vor allem in anderen asiatischen Ländern wie Malaysia, Vietnam oder Thailand. Auch Indien werde voraussichtlich von den Neuinvestitionen profitieren können, heißt es in dem Bericht. Die Photovoltaik-Zulieferer der westlichen Hemisphäre würden gleichzeitig ihr Geschäft stärker nach Asien ausdehnen, um näher an den Kunden zu sein. Dabei bekämen sie zugleich zunehmend Konkurrenz von Zulieferer-Unternehmen vor Ort.

Bei den Herstellern hat sich im vergangenen Jahr auch einiges getan. Trina Solar stieg dem Bericht zufolge zum größten Modulhersteller weltweit auf und lieferte mehr als fünf Gigawatt an Solarmodulen aus. Obwohl der US-Dünnschicht-Modulhersteller First Solar hinter einigen chinesischen Konkurrenten zurückblieb, sei er 2015 mit 3.6 Milliarden US-Dollar das umsatzstärkste Photovoltaik-Unternehmen gewesen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass First Solar auch im EPC-Segment stark vertreten sei. Bei Photovoltaik-Wechselrichtern überholte Huawei im vergangenen Jahr den deutschen Marktführer SMA und war erstmals der weltgrößte Hersteller, wie es weiter hieß.

Die Kosten für Solarmodule würden schneller sinken als viele Experten erwartet. Die niedrigsten Produktionskosten hätten in China im ersten Quartal 2016 bei 37 US-Dollarcent pro Watt gelegen. Der dortige Hersteller Canadian Solar habe als Ziel ausgegeben, die Preise bis Ende 2017 auf bis zu 29 US-Dollarcent pro Watt senken zu wollen. Diese Preisentwicklung konterkariere aus Sicht von Solarpower Europe den in der EU gültigen Mindestimportpreis für chinesische Solarmodule von aktuell 56 Eurocent pro Watt. Auch die technologische Entwicklung werde zur weiteren Kostensenkung beitragen. So seien die Wirkungsgrade von kristallinen und Dünnschichtmodulen stetig verbessert worden. (Sandra Enkhardt)