Konsultation zum Netzentwicklungsplan 2030 eingeleitet

Die Bundesnetzagentur hat am Montag mit Konsultation des Entwurfs zum Szenariorahmen für die Netzentwicklungspläne Strom 2030 der Übertragungsnetzbetreiber begonnen. Alle zwei Jahre muss der Szenariorahmen nach der geltenden Gesetzeslage aktualisiert werden. Es geht derzeit darum, mit vier Szenarien die wahrscheinliche Entwicklung des Stromsektors bis 2030 und 2035 zu beschreiben.

Erstmals hätten die Übertragungsnetzbetreiber dabei die Auswirkungen der Nutzung von Elektromobilität, Wärmepumpen und Kleinspeichern auf den Stromsektor einbezogen, teilt die Bundesnetzagentur am Montag mit. Als weitere Neuerung sehe der Entwurf des Szenariorahmens 2030 die Nutzung von Demand-Side-Management, Flexibilitätsoptionen sowie eine weitgehende Entkopplung der Strom- und Wärmeproduktion aus KWK-Anlagen vor. Hintergrund für die detailliertere Prognose sei, dass 2030 die Einsatzbedingungen für moderne und flexible Technologien wahrscheinlicher seien als in den Entwürfen der Vorgänger-Szenariorahmen. Begünstigt werde diese Verbesserung der Einsatzbedingungen auch durch den angenommen Fortschritt beim Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2030. Der Anteil von Photovoltaik, Windkraft & Co. werde dann je nach Szenario zwischen 51 und 63 Prozent der Bruttostromerzeugung liegen. Erstmals würden die Übertragungsnetzbetreiber bei ihrem Szenariorahmen auch sektorspezifische Lastprofile für jeden Landkreis berücksichtigen. Damit solle es eine genauere Prognose für den regionalen Stromverbrauch geben.

Bis zum 22. Februar können nun Stellungsnahmen abgegeben werden. Anfang Februar plant die Bundesnetzagentur Workshops in Würzburg und Berlin, um über den Entwurf öffentlich zu diskutieren.

Am Wochenende kamen Medienberichte auf, wonach die Kosten für die Stabilisierung der Stromnetze im vergangenen Jahr bei etwa einer Milliarde Euro gelegen haben. "Die Kosten für Maßnahmen, die das Stromnetz stabilisieren, haben bereits 2015 die Milliardengrenze geknackt", sagte Tennet-Geschäftsführer Urban Keussen der Nachrichtenagentur dpa. Die Kosten würden über die Netzentgelte auf die Strompreise umgelegt.

Allein Tennet soll dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr rund 700 Millionen Euro ausgegeben haben; nach 74 Millionen Euro im Jahr 2014. 225 Millionen Euro dafür seien für das Hoch- und Herunterfahren von Kraftwerken angefallen, 152 Millionen Euro für den Abruf der Netzreserve und 329 Millionen Euro für die Notabschaltung von Windkraftanlagen. Der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz habe jüngst Ausgaben von rund 300 Millionen Euro für die Netzstabilität vermeldet, heißt es in dem Bericht weiter. (Sandra Enkhardt)