Wie lange halten Batteriespeicher?

Michael Fuhs (pv magazine): Alle hier an der Diskussion beteiligten Speicheranbieter sagen, dass die Stückzahlen dieses Jahr stark gestiegen sind und das Ergebnis sehr gut ist. Der Markt entwickelt sich gut. Die Branche hat also die größten Probleme und Entwicklungsaufgaben gelöst, oder?

Andreas Piepenbrink (E3/DC): Ich sehe das anders. Das größte Problem für die Kunden ist, dass bei vielen Unternehmen die Nachhaltigkeit im Service nicht gegeben ist und dass noch sehr viele Qualitätsprobleme mit Bestandssystemen auftreten werden. Das andere Problem ist, dass viele neue Wettbewerber, die gar nicht hier in der Runde sind, noch andere Probleme mitbringen werden. Wir haben einen sehr fragmentierten Markt mit extrem vielen Anbietern und viel zu wenig Kunden. Es ist nicht so einfach für einen Endkunden, den richtigen Speicher zu wählen. Er hat ja keine Auswahlkriterien, wie sie bei anderen Produkten zum Beispiel die Stiftung Warentest oder wer auch immer gibt. Ich weiß nicht, ob Endkunden zum Beispiel zu den Themen Wirkungsgrad und Haltbarkeit der Batterie richtig beraten werden.

Fuhs: Wie könnte man das verbessern?

Mathias Hammer (Deutsche Energieversorgung): Es sollten einheitliche Standards definiert werden, mit denen die relevanten Parameter vergleichbar gemessen werden können. Das würde die Transparenz erhöhen, was der Branche zugutekommt.

Volker Wachenfeld (SMA): Das Thema Zyklenlebensdauer der Batterie hängt sehr stark von der Applikation ab. Man müsste bei den Angaben also den Use Case definieren. Bei Photovoltaikanlagen spielen zum Beispiel deren Größe und der Verbrauch des Haushalts eine Rolle. Ich gebe Herrn Piepenbrink daher recht, dass es dabei noch einen Mangel an Transparenz gibt. Beim Wirkungsgrad ist es ähnlich. Ein gemeinsamer Prüfstandard, den Herr Hammer gerade angesprochen hat, wäre sinnvoll. Wir sind ja auch losgegangen und haben den Speicherpass eingeführt. Er soll die Qualität der Installation sichern. Letztes Jahr haben wir den Sicherheitsleitfaden auf den Weg gebracht, um eine hohe Sicherheit der Geräte zu gewährleisten. Wenn man sie danach zertifiziert, ist das auch für den Kunden sichtbar. Tatsächlich fehlt noch eine Art Standard für die Vergleichbarkeit von Zyklen und Wirkungsgrad. Das sind die beiden Punkte, über die man am schönsten streiten kann.

Oliver Koch (Sonnenbatterie): Bei der Sonnenbatterie sehen wir das sehr ähnlich. SMA und das Fraunhofer IWES haben hinsichtlich Wirkungsgrad ja schon damit angefangen (siehe pv magazine November 2014, Seite 81, die Red.). Das geht in die richtige Richtung, um Transparenz herzustellen. Das ist beim Wirkungsgrad allerdings schwieriger als bei der Zyklenzahl. Zur Zyklenzahl bekommt der Kunde zumindest Garantien von den Herstellern in die Hand. Fuhs: Wie machen das die Teilnehmer in dieser Runde?

Piepenbrink: Ich denke, dass das alle unterschiedlich machen. In Form von Marketingversprechen gibt es sicherlich Garantien. Aber es gibt drastische Unterschiede bei der Einlösbarkeit. Die Frage ist, wer ist der Garantiegeber, wie sind die Garantiebedingungen genau und was sind die Zusatzkosten. Ich weiß zum Beispiel nicht, wie man die Zeitwertgarantie, die die KfW für die geförderten Systeme fordert, einlösen will, wenn nur die rein freiwillige Erklärung des Herstellers selbst vorhanden ist, die KfW-Bedingungen zu erfüllen.

Hammer: Die Verbraucherzentrale hat uns angeschrieben, die Garantien verbraucherfreundlicher zu machen und klarer zu definieren, was wir dann auch gemacht haben.

Koch: Das war bei der Sonnenbatterie genauso. Wir haben darauf auch reagiert.

Fuhs: Wenn zehn Jahre Garantie und eine Mindestzyklenzahl auf dem Gerät stehen und wenn die Batterie die Angaben nicht einhält, kann ich sie dann einfach zurückgeben?

Hammer: Eine Garantie ist keine gesetzliche Vorschrift wie eine Gewährleistung, sondern ein selbstständiges Versprechen des Herstellers auf eine Eigenschaft. Der Hersteller kann dabei Ausschlüsse definieren. Insofern ist eine Garantie nur so viel wert, wie das Versprechen einlösbar ist.

Wachenfeld: Wenn Kunden Transparenz suchen, könnten sie die Garantiebedingungen immerhin vergleichen.

Koch: Ich denke, das machen Konsumenten auch.

Hammer: Also ich glaube, dass die wenigsten Kunden schon einmal eine Garantiebedingung vollständig durchgelesen haben.

Piepenbrink: Also, ich glaube, dass wir das gerade sehr freundlich und optimistisch einschätzen. Im KfW-Programm steht auch, dass die Garantiebedingungen durch Rückstellungen abzusichern sind. Wir haben das gemacht. Ich weiß aber nicht, ob das andere, die ganz anders finanziert sind, überhaupt machen können. Einige Hersteller machen wiederum für die Kunden völlig irrelevante Angaben und vermarkten Systeme beispielsweise mit der Aussage, dass sie 10.000 Zyklen und mehr schaffen. Warum spricht man nicht über entsprechende kalendarische Versprechen, mit denen so viele Zyklen überhaupt einlösbar wären? Wenn Wettbewerber damit völlig utopisch kleine Kilowattstundenpreise für den Speicherstrom ausrechnen, ist das doch nicht haltbar.

Wachenfeld: Da kommen wir also wieder auf den Punkt der Vergleichbarkeit. Es ist wichtig, dass man Transparenz schafft und klärt, was die angegebenen Zyklen wert sind. In der Applikation mit einer Photovoltaikanlage können Sie die hohen Zyklenzahlen wahrscheinlich niemals abrufen, 15.000 Zyklen auch nicht in 30 Jahren.

Koch: Wir geben diese 10.000-Zyklen-Garantie und garantieren ebenfalls dazu zehn Jahre auf die kalendarische Alterung. Wir stehen mit unserem Partner Sony dahinter.

Hammer: Wenn die Applikation 365-mal lädt und entlädt, sind das in zehn Jahren 3.650 Zyklen. Vielleicht kann man auch 4.000 Be- und Entladungen fahren, wenn man Glück hat, weil man noch irgendwas anderes mit der Batterie macht. Da könnte ich sogar eine Garantie für 50.000 Zyklen geben. Das ist doch trotzdem sinnlos.

Koch: Das hängt davon ab, was Sie mit der Anlage machen. Wenn Sie zum Beispiel am Regelenergiemarkt teilnehmen, benötigen Sie mehr Zyklen. Außerdem sind wir in anderen Märkten tätig. In den USA im Commercial-Bereich fahren Sie zum Beispiel drei Zyklen am Tag, weil Sie nicht an eine Photovoltaikanlage gekoppelt sind. Wir geben die gleiche Garantie für das System in allen Märkten. Dass ein Kunde nur einen Teil der Möglichkeiten eines Geräts nutzt, finden Sie auch in anderen Bereichen. Als Autokäufer kann es durchaus sein, dass Sie eine 150.000-Kilometer-3-Jahre-Garantie bekommen. Viele fahren in drei Jahren aber gar nicht so viele Kilometer.

Piepenbrink: Es gibt einen fundamentalen Unterschied. Es wird immer suggeriert, man hätte irgendeine Garantie, nur weil Sony, Panasonic oder Samsung auf der Batterie steht. Das ist keine Garantie, die der Endkunde bei diesen Firmen einfordern kann. Im Fall der Insolvenz des Speichersystemherstellers ist sie nichts wert. Es ist ein Unterschied, ob ein Unternehmen wie BMW eine Garantie selbst gibt oder ein Speicherhersteller, der im Vergleich zu beispielsweise BMW klein ist. Es ist letztlich von der Finanzkraft und der Solidität und der Qualitätsphilosophie eines Herstellers abhängig, was der Kunde später vermutlich einlösen kann. Es zählt somit sehr stark die Seriosität des Herstellers.

Koch: Diese Aussage gilt für jede Branche und jedes Unternehmen. Selbst wenn Sie das Risiko rückversichern, hängt es davon ab, ob es die Rückversicherung dann noch gibt. Das ist eine wirklich generische Aussage.

Piepenbrink: Ja, das stimmt, aber ich mache mir Sorgen darüber, mit welchen Strategien in der Vergangenheit frühzeitig hohe Stückzahlen in den Markt gebracht worden sind. Ich glaube, wir werden Insolvenzen sehen, die auch Imageschäden verursachen werden.

Hammer: Das trifft auf ziemlich jede Industrie zu und lässt sich schwer verhindern.

Wachenfeld: Da gibt es durchaus Fortschritte. Letztes Jahr hat das KIT Karlsruhe die Berichte über brennende Systeme veröffentlicht und das Risiko adressiert. Die Branche hat reagiert und Sicherheitsregeln aufgestellt, an die man sich heute halten kann. Der Weg, Qualität anzubieten, ist damit durchaus geebnet.