IEA: Mehr als 700 Gigawatt Zubau von Erneuerbaren bis 2020

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass in den kommenden fünf Jahren mehr als 700 Gigawatt weltweit an erneuerbaren Energien zugebaut werden. Dies sei mehr als die derzeit in Japan installierte Kraftwerksleistung. Damit würden auf die erneuerbaren rund zwei Drittel der insgesamt neu installierten Leistung entfallen. Die Erneuerbaren jenseits der Wasserkraft, dabei vor allem Photovoltaik und Windkraft würden dabei etwa die Hälfte des zu erwarteten Zubaus an neu installierter Leistung ausmachen.

„Die erneuerbaren Energien sind bereit, den Spitzenplatz beim weltweiten Wachstum der Energieversorgung einzunehmen, aber es bleibt wenig Zeit für Selbstzufriedenheit“, erklärt Fatih Birol bei der Veröffentlichung des Medium-Term Renewable Energy Market Reports 2015 (MTRMR) IEA auf dem Treffen der G20-Energieminister in Istanbul am Freitag. Die Regierungen müssten Unsicherheiten für erneuerbaren Energien beseitigen, damit diese Technologien ihr volles Potenzial erreichen könnten und die Energieversorgung auf einen nachhaltigeren Weg geführt werde. Nach IEA-Einschätzung werden die erneuerbaren Energien innerhalb der nächsten fünf Jahre zu am stärksten wachsenden Energiequelle aufsteigen. Getrieben werde diese Entwicklung durch die weiter sinkenden Kosten und einen verstärkten Zubau von Photovoltaik, Windkraft, Biomasse und Co. in den Schwellenländern, so der IEA-Bericht.

Bis 2020 wird der Anteil der erneuerbaren Energien an der globalen Stromversorgung auf mehr als 26 Prozent steigen, nach 22 Prozent im Jahr 2013. Dies sei innerhalb dieser kurzen Zeit ein enormer Zuwachs. Bis dahin werde der Beitrag der erneuerbaren Energien höher sein als der kombinierte Strombedarf Chinas, Indiens und Brasiliens im Moment. Nach dem IEA-Bericht wird sich der Zubau von Photovoltaik, Windkraft und Co. stärker in die Schwellen- und Entwicklungsländer verlagern. Zwei Drittel des Zubaus bis 2020 würde auf diese Länder entfallen, wobei allein China bis 2020 für rund 40 Prozent der neu installierten Leistung verantwortlich sein werde und damit auch für rund ein Drittel der Investitionen.

In vielen Ländern werden sich nach dem IEA-Bericht die Erzeugungskosten für die Erneuerbaren aufgrund des anhaltenden technologischen Fortschritts, verbesserter Finanzierungsbedingungen und dem Zubau weiter reduzieren. Damit würden sie gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer zu erschwinglichen Energiequellen. „Mit ausgezeichneten Ressourcen für Wasserkraft, Solar- und Windenergie, der verbesserten Wirtschaftlichkeit und der politischen Dynamik können die erneuerbaren Energien eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung des Wirtschaftswachstums und dem Energiezugang in der Sub-Sahara-Zone Afrikas spielen“, so Birol weiter.

Im IEA-Bericht wird jedoch auch auf Risiken hingewiesen. Ein Schlüssel liegt weiterhin bei der Finanzierung. Jedoch könnten auch regulatorische Hemmnisse, Netzprobleme und gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen in vielen Schwellenländern den Zubau von erneuerbaren Energien gefährden. In den Industrieländern stellte hingegen die Verkleinerung des fossilen Kraftwerkparks eine große Herausforderung dar. Insgesamt bestehe daher auch ein Risiko, dass der Ausbau der erneuerbaren nicht ganz so schnell vorankomme und damit auch langfristige Klimaziele in Gefahr geraten könnten.

In dem positiven Szenario des IEA- MTRMR wird von einem noch um 25 Prozent höheren Zubau der erneuerbaren Energien bis 2020 ausgegangen. Die Klimaverhandlungen COP21 in Paris könnten dabei als Katalysator für eine verstärkten Ausbau wirken. Ein positives Ergebnis in Paris würde die langfristige politische Vision und Vorhersehbarkeit erhöhen, heißt es bei der IEA. Aber auch in diesem Szenario wäre mehr politische Unterstützung für den weltweiten Ausbau notwendig.

Die Energy Watch Group (EWG) und die Lappeenranta University of Technology legten im September eine Studie vor, wonach die IEA in den Jahren zwischen 1994 und 2014 in ihrem jährlichen World Energy Outlook regelmäßig irreführende Prognosen zu Photovoltaik und Windkraft veröffentlicht. Die IEA habe die Potenziale der erneuerbaren Energien kontinuierlich unterschätzt und den konventionellen Energiequellen zu viel Bedeutung beigemessen, kritisiert EWG-Präsident Hans-Josef Fell. (Sandra Enkhardt)