Europäische Photovoltaik-Konferenz öffnet mit hohen Besucherzahlen

2.200 Teilnehmer haben sich bisher bereits angemeldet und vermutlich werden es noch mehr, teilte die EU PVSEC auf ihrer Pressekonferenz am Montag in Hamburg mit. Damit könnte die Zahl von letztem Mal übertroffen werden, als sich innerhalb der Woche 3.000 Teilnehmer registriert haben. Die angegliederte Messe beginnt erst morgen.

Die hohen Teilnehmerzahlen stehen in starkem Kontrast zu den teilweise warnenden, teilweise skeptischen Tönen zur Zukunft der Solarindustrie in Europa, die von etlichen Referenten zu hören waren. „Es wird schwierig sein für eine europäische Industrie, wettbewerbsfähig zu sein, wenn es keinen europäischen Markt gibt“, sagt Paolo Frankl, Leiter der Renewable Energy Division der Internationalen Energieagentur (IEA) zur Eröffnung. Er stellt die Frage, warum die dezentrale verteilte Energieversorgung überall auf der Welt abhebt, nur in Europa nicht, und gibt gleich eine Antwort.

Mehr für Eigenverbrauch tun

In Europa kämen mehrere Dinge zusammen. Es gebe weniger Sonneneinstrahlung als in anderen Teilen der Welt. Der Strombedarf würde nicht steigen. Es gebe Überkapazitäten in der Versorgung und Probleme bei der Netzintegration. Und es würden nicht alle Potenziale ausgeschöpft, die im Eigenverbrauch liegen. Da brauche es neue Geschäftsmodelle, bei denen Australien zum Beispiel weiter sei, so Frankl.

Die IEA sieht die kurzfristige Entwicklung der Photovoltaik weltweit insgesamt verhalten. In zwei Wochen wird sie ihren neuen Report dazu veröffentlichen. Einige Zahlen fielen jedoch bereits. Dieses Jahr sieht Frankl unter 45 Gigawatt Photovoltaik-Zubau. Im Hauptszenario werde das Volumen auch bis 2020 nicht steigen. Im positiven Szenario steigt der Zubau auch nur auf 55 Gigawatt pro Jahr bis 2020. „Ich sage nicht, dass es nicht mehr sein können, aber dazu müssen die Hindernisse beseitigt werden“, erklärt Frankl. Deutlich mehr als die IEA erwartet etwa die Analysten von IHS. Sie gehen von einem Wachstum der Photovoltaik-Nachfrage in diesem Jahr um rund 30 Prozent auf etwa 57 Gigawatt aus.

Dem widerspricht Eicke Weber. Er sieht durchaus 100 Gigawatt Marktvolumen für 2020 als realistisch an. „Es stellt sich nur die Frage, was der Platz von Europa sein wird“, sagte Eicke Weber, Direktor des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme ISE. Auch das erste Konsortium der X-Gigawatt-Fabrik habe keinen Erfolg, Investoren zu finden. Das liege an der Schwäche des europäischen Photovoltaik-Marktes. Ohne Investor könne man auch nicht versuchen, bei der EU Förderung zum Beispiel in Form von Kreditbürgschaften zu bekommen. Allerdings gebe es neue Ideen mit einem neuen Konsortium, die er noch nicht verraten wolle. Bei allem Lamento über den Markt hält er die Forschungsförderung in dem Gebiet übrigens immer noch für gut.

Zumindest die PVSEC hat sich nach den Worten von Stefan Rinck, CEO des Ausrüsters Singulus Technologies und Chairman der Veranstaltung, als weltweit wichtigste Konferenz für Photovoltaik-Experten etabliert und gehalten. Das erkläre auch, warum die Teilnehmerzahl nach wie vor so hoch ist. Von den bisher registrierten Teilnehmern kommen 28 Prozent aus Deutschland, fünf Prozent jeweils aus Frankreich und den Niederlanden. Bei den nicht-europäischen Teilnehmern liegt Japan mit sieben Prozent vorn, China, die USA und Korea folgen mit jeweils vier Prozent. (Michael Fuhs)