Wirtschaftlichkeit im Fokus

Bis 2025 wollen die Stadtwerke München (SWM) so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, wie in der ganzen Stadt verbraucht wird. Das sind immerhin 7,5 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr für Privathaushalte, Industrie und Gewerbe. München will die erste Großstadt in Deutschland sein, die dieses Ziel erreicht, und die SWM rühren fleißig die Werbetrommel für ihre „Ausbauoffensive Erneuerbare Energien“. Wer allerdings meint, dass die SWM diesen Strom so weit wie möglich dezentral und regional erzeugen wollen, der irrt.

Entscheidend sind die Wörter „in eigenen Anlagen“, und die können überall stehen, aber nicht zwingend auf Münchner Boden und Dächern. Bei der Entscheidung über die Investitionen hat die Wirtschaftlichkeit höchste Priorität. Denn bis vor einigen Jahren waren die Stadtwerke München noch ein defizitäres Unternehmen. Mittlerweile schreiben sie wieder schwarze Zahlen. Die Geschäftsleitung ist auf Wirtschaftlichkeit getrimmt, was auch für die neun Milliarden Euro gilt, die für die Ausbauoffensive eingeplant sind.

Obwohl die Stadtwerke gern betonen, dass Projekte in München und der Region Priorität haben, blicken sie vor allem über die bayerischen Landesgrenzen hinaus. „Von Anfang an haben die SWM ausschließlich auf wirtschaftliche Projekte gesetzt, die sich selbst tragen“, erklärt Thomas Meerpohl, Leiter Strategie bei den SWM. Die Windkraft spiele die zentrale Rolle in der Strategie. „Sie ist die kosteneffizienteste unter den erneuerbaren Energien.“ Neben diversen Windenergieanlagen in Schweden, Frankreich, Polen, Belgien, Kroatien und Deutschland sind die SWM auch an einem solarthermischen Kraftwerk in Spanien beteiligt.In Deutschland halten sie an zwei Solarparks eine Beteiligung von 13,1 Megawatt. In München dagegen nennen die Stadtwerke 20 Photovoltaik-Anlagen und eine solarthermische Anlage mit einer Gesamtleistung „über ein Megawatt“ ihr Eigen. Gerade bauen sie noch zwei neue Anlagen mit 32 und 46 Kilowatt Leistung, sechs weitere sind in Planung. Darüber hinaus haben sie in Wasserkraft- und andere regenerative Anlagen investiert.

Die 2010 gegründete Solarinitiative München habe zunächst durchaus Anfangserfolge vorzuweisen gehabt, sagt Meerpohl. Außerdem habe sie „wichtige Leuchtturmprojekte“ umsetzen können, etwa die Anlage auf der Bayerischen Staatskanzlei. 2013 und 2014 hätten jedoch die schnell aufeinanderfolgenden EEG-Novellen die Rahmenbedingungen der SIM stark verändert und die Nachfrage nach ihren eigentlichen Leistungen deutlich zurückgehen lassen. Die Landeshauptstadt München, Gesellschafter der Stadtwerke München und Mitgesellschafter der SIM, habe daraufhin beschlossen, einen Strategiewechsel vorzunehmen und die SIM aufzulösen, so Meerpohl.

Geplant ist nun, dass das Bauzentrum München seine Photovoltaikberatung ausbaut. „Die strategische Arrondierung mit klarerer Trennung zwischen Beratung und tatsächlicher Projektumsetzung tragen wir voll mit“, sagt der Strategiechef. Es gäbe aber auch einfach „zu wenig verfügbare Fläche“, unter anderem wegen des Denkmalschutzes. Bei der Gründung der SIM klang das noch anders. Eine Studie ergab, dass München ein Potenzial für 300 Megawatt Photovoltaik hat. Dem ehemaligen Geschäftsführer Harald Will zufolge wirkte die SIM an Anlagen „mit einem Minimum von zwei bis drei Megawatt“ mit.

Ein weiterer Zubau der Photovoltaik in deutlicher Größenordnung sei aus Sicht der SWM nicht zielführend, sagt Meerpohl und bezieht das nicht nur auf München. „Um in größerem Umfang erfolgreich in Photovoltaik investieren zu können, ist eine deutliche Senkung der Gestehungskosten notwendig.“ Überhaupt hätten die EEG-Novellen die Möglichkeiten, in Großprojekte zu investieren, erheblich erschwert. „Wir haben seither Abstand von Großprojekten genommen.“