Solarwatt-Chef: Photovoltaik in Deutschland kommt wieder

Die Zeiten für deutsche Photovoltaik-Unternehmen sind derzeit schwer. Auch Solarwatt kann sich nicht gegen den Trend stellen. „Wir hatten ein gutes erstes Halbjahr und auch die anvisierte schwarze Null wurde erreicht“, sagt Detlef Neuhaus (Foto), Geschäftsführer von Solarwatt in Dresden, im Interview mit pv magazine. Doch mit der EEG-Novelle im August sei der Photovoltaik-Markt in Deutschland so stark eingebrochen, dass sich die positiven Effekte des ersten Halbjahrs wieder aufgehoben hätten. Er gehe daher unter dem Strich von einem Verlust für das laufende Jahr aus. Solarwatt ist damit nicht allein. Zuletzt hatten Solar-Fabrik und SMA ihre Prognosen für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigieren müssen – was nicht zuletzt am unerwartet schwachen Photovoltaik-Zubau in Deutschland liegt.

„Dabei gibt es nach der EEG-Novelle faktisch keinen Grund zur Zurückhaltung“, sagt Neuhaus, der seit September 2010 im Vorstand des Photovoltaik-Unternehmens aktiv ist. Für die Photovoltaik habe das neue Gesetz nur geringe Änderungen gebracht. Auch die eingeführte anteilige Belastung des Photovoltaik-Eigenverbrauchs hat nach Ansicht des Solarwatt-Chefs kaum Auswirkungen. Die Berechnungen seines Unternehmens hätten ergeben, dass sich die Amortisationszeiten von zuvor 4,5 bis 8,5 Jahren je nach Größe des Systems und Eigenverbrauchsanteil um zwei bis acht Monate verlängerten. Dies sei völlig im Rahmen dessen, was Hausbesitzer oder Gewerbetreibende für die Amortisation solcher Investitionen einplanten. Die EEG-Novelle und auch die Diskussionen über die Photovoltaik in den vergangenen Jahren hätten aber zu einer Verunsicherung der Kunden geführt, was sich nun wiederum in den ausbleibenden Investitionen niederschlage. Fehlende Planungssicherheit oder unsichere Rahmenbedingungen würden immer wieder als Gründe angeführt, warum derzeit nicht in den Bau neuer Photovoltaik-Anlagen investiert werden, so Neuhaus weiter.

Eine Mitschuld an der derzeitigen Marktlage in Deutschland sieht der Solarwatt-Chef bei der Politik und den eigenen Verbandsvertretern. Derzeit sehe es so aus, dass der anvisierte Zubaukorridor von 2,4 bis 2,6 Gigawatt neu installierter Photovoltaik-Leistung pro Jahr nicht erreicht werde. Dann würden die Einspeisevergütungen für die Photovoltaik wieder steigen. Mit Blick auf diese Konsequenzen spricht Neuhaus von einer „unprofessionellen EEG-Novelle“. Der rückläufige Markt habe zudem auch schon viele Hersteller verschwinden lassen. Solarwatt selbst hat sich im Zuge eines Schutzschirmverfahrens im Jahr 2012 restrukturiert und auch massiv verkleinert. Außerdem ist das Unternehmen neu ausgerichtet worden – weg von der Modulproduktion hin zu einem Systemanbieter.

Gerade in diesem Bereich sieht Neuhaus auch die große Chance für die Zukunft. In seinen Augen wird sich die Nachfrage in Deutschland nach einer gewissen Zeit wieder normalisieren und es wird einen stabilen Markt geben. Zum Ende des 1. Quartals 2015 könnte es wieder aufwärts gehen. Solarwatt setze dabei vor allem auf innovations- und qualitäts-, nicht mehr auf renditegetriebene Photovoltaik-Projekte. „Wir haben uns bewusst von der Förderkarawane abgekoppelt“, sagt Neuhaus. Mittlerweile gehe es vielmehr darum, die Photovoltaik in einen gesamtheitlichen Ansatz einzubetten. Dafür gelte es die richtigen Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, wie es Solarwatt etwa mit seinem Energiemanager getan habe. Die nächsten zwei, drei Jahre würden voraussichtlich dennoch hart. Solarwatt sieht sich aber nach der Restrukturierung auch dafür gewappnet und hat immerhin mit dem Kauf der Centrosolar-Töchter in Frankreich und Benelux sein Geschäft auch wieder etwas ausbauen können. „Der nächste Photovoltaik-Boom kommt bestimmt, davon bin ich überzeugt“, so Neuhaus optimistischer Ausblick. (Sandra Enkhardt)