Photovoltaik lohnt sich immer noch

Hier können Sie die Exceltabelle herunterladen, mit der Sie die Wirtschaftlichkeitsberechnungen nachvollziehen können.

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Bringt eine Photovoltaikanlage heute noch eine Rendite?

Ja, in der Regel wird man mit einer Photovoltaikanlage mehr Geld erwirtschaften, als sie kostet. Eine Photovoltaikanlage für ein typisches Einfamilienhaus kostet derzeit zwischen 1.500 und 2.000 Euro pro Kilowatt Leistung netto, je nach Technologie und Aufwand, der von den lokalen Gegebenheiten abhängt. Die Rendite ist umso höher, je mehr des selbst produzierten Solarstroms auch in dem Haushalt selbst verbraucht wird. Wir zeigen das an dem Beispiel einer Dachanlage mit fünf Kilowatt Leistung. Das ist eine Größe, die oft auf Einfamilienhäusern installiert wird. Die Rendite kann dort mit vernünftigen Annahmen durchaus 4,8 Prozent und mehr betragen (siehe Tabelle auf der nächsten Seite).

Installiert man fünf Kilowatt, investiert man in unserem Beispiel 8.000 Euro netto. Diese Anlage erzeugt, je nach Standort, Neigung und Ausrichtung des Dachs, zwischen 4.000 und 5.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Rechnet man mit 4.795 Kilowattstunden und speist den Strom nur in das öffentliche Netz ein, bekommt man dafür im Jahr eine Einspeisevergütung von rund 598 Euro. Berücksichtigt man, dass man auch etwas Geld für Wartung benötigt, in diesem Fall 150 Euro pro Jahr mit einer zweiprozentigen Steigerung, und dass die Leistung der Module maximal um 0,8 Prozent pro Jahr nachlässt (sind es mehr, greift mindestens 20 Jahre lange die Garantie), erwirtschaftet man keine Rendite mehr. Mit -0,8 Prozent sind die Verluste jedoch begrenzt. Das ist der Worst Case.

Wirtschaftlich wird die Anlage, indem man den Strom nicht nur eingespeist, sondern im Haus direkt verbraucht wird. Berechnungen zum Beispiel der HTW Berlin zeigen, dass bei einem Jahresstromverbrauch von 4.200 Kilowattstunden, das ist statistisch der mittlere Stromverbrauch eines Vier-Personen-Haushaltes in Deutschland, ungefähr 26 Prozent Eigenverbrauch möglich sind. Wenn die Menschen tagsüber viel unterwegs sind, sind es meist nur fünf bis zehn Prozent weniger. Das bedeutet, der Haushalt spart im ersten Jahr zwischen 215 und 350 Euro Strombezugskosten ein. Das gilt für einen Strompreis von 28,3 Cent pro Kilowattstunde. Wenn man unrealistischerweise annimmt, der Strompreis steigt 20 Jahre lang nicht, ergibt sich daraus eine nicht inflationsbereinigte Rendite von 2,3 bis 3,5 Prozent. Das ist für eine Geldanlage in Zeiten der Niedrigzinsen ja schon ganz ordentlich.

Je nachdem, welche Strompreissteigerung man annimmt, fällt die Rendite sehr viel höher aus. Es lässt sich nur sehr schwer sagen, welche Steigerung realistisch ist. „„Die Preisentwicklung hängt vor allem von politischen Entscheidungen ab, der Börsenstrompreis verliert an Relevanz“, sagt Tobias Kurth vom Analyseinstitut Energy Brainpool. Diese Entscheidungen betreffen, wie welche Kosten auf den Strompreis umgelegt werden, zum Beispiel Kosten für Netzinstandhaltung und -ausbau und die EEG-Umlage. In den letzten zehn Jahren sind die Strombezugskosten für Haushalte im Schnitt um 4,4 Prozent gestiegen, von 2013 auf 2014 aber nur um ein Prozent. Berechnet man die Steigerung der EEG-Umlage heraus, die ja auch in den nächsten Jahren nicht mehr wesentlich steigen wird, betrug die Strompreissteigerung sogar nur 2,3 Prozent. „Dass die Kosten einschließlich der allgemeinen Inflation um zwei oder drei Prozent steigen, dürfte daher eine relativ konservative Annahme sein“, sagt Kurth.

Nimmt man eine Strompreissteigerung von zwei Prozent an, steigt die Rendite der Photovoltaikanlage mit Eigenverbrauch bereits auf 3,2 bis 4,8 Prozent. Es sei angemerkt, dass eventuell der Wechselrichter einmal getauscht werden muss. Rechnet man mit einem Tausch nach zehn Jahren, sind es immer noch 2,6 bis 4,3 Prozent.

Was bedeutet die Rendite und gibt es andere Kennzahlen für die Wirtschaftlichkeit?

Die oben berechnete Rendite ist die Rendite nach dem internen Zinsfuß. Eine Rendite von drei Prozent besagt, dass eine Investition in die Solaranlage über 20 Jahre so viel Geld erwirtschaftet, als wenn man das Geld auf einem Sparbuch mit drei Prozent Rendite anlegen würde. Doch Vorsicht: Die Einspeisevergütung und die eingesparten Stromkosten, die in einem Jahr X die Einnahmen darstellen, gelten als Entnahme von dem Sparbuch. Die Rendite von drei Prozent bedeutet also nicht, dass die 8.000 Euro Investitionskosten aus obigem Beispiel 20 Jahre lang mit drei Prozent verzinst werden. Will man das erreichen, müsste man die dem „Sparbuch“ entnommenen Gelder wieder woanders zum selben Zinssatz anlegen. Der Vergleich mit dem Sparbuch zeigt zusätzlich zweierlei. Das Risiko und die Ungewissheit über die Verzinsung der Geldanlage in einer Photovoltaikanlage sind höher als bei der Verzinsung auf einem Sparbuch. Mit einer möglichen Rendite von 3,2 bis 4,8 Prozent kann in dem obigen Beispiel die Verzinsung der Investition in eine Solaranlage deutlich besser als bei einer Geldanlage auf einem Sparbuch sein.

Manche Berechnungsprogramme geben anders definierte Renditen an. So errechnet beispielsweise der Online-Solaranlagenplaner von Bosch Power Tech eine „Ausschüttungsrendite“ und definiert diese als das Verhältnis der jährlichen Auszahlung zu den Investitionskosten. Das ergibt deutlich höhere Werte als die Rendite nach dem internen Zinsfuß, im obigen Beispiel entsprächen die 3,9 Prozent etwa 6,8 Prozent Ausschüttungsrendite. Die Ausschüttungsrendite kann kaum interpretiert werden, so dass man sich von hohen Zahlen nicht täuschen lassen sollte.

Andere Programme berechnen Stromgestehungskosten. Auch deren Aussagekraft hängt sehr von der Berechnungsmethode ab. Die einfachste Methode ist, die über 20 Jahre erwirtschafteten Beträge durch die über 20 Jahre erzeugte Solarstrommenge zu teilen. Wird das gemacht, entsprechen diese Kosten einer Rendite für den Betreiber von null Prozent. Obige Fünf-Kilowatt-Anlage würde so berechnete Stromkosten von 12,9 Cent pro Kilowattstunde ergeben.

Plant man eine Rendite für den Betreiber ein, werden die Stromgestehungskosten oft als Levilized Cost of Energy (LCOE) bezeichnet. Man muss bei der Angabe von Stromgestehungskosten also immer nach der hinterlegten Rendite fragen. Bei einer Rendite von vier Prozent wären es im obigen Beispiel rund 15,6 Cent pro Kilowattstunde (netto).

Allerdings sind die Stromgestehungskosten eher eine Kennzahl zum Vergleich der Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Stromerzeugungsanlagen als ein direkt nutzbarer Wert, da es sich um über 20 Jahre gemittelte Kosten handelt. Eine Photovoltaikanlage kann auch dann wirtschaftlich sein, wenn im Jahr 2015 die Stromgestehungskosten über den Haushaltsstromkosten liegen, die man mit der Anlage einsparen will.

Sind Eigenverbrauchsquoten von 20 Prozent und höher auch ohne Batteriespeicher zu erreichen?

Johannes Weniger und Tjarko Tjaden von der HTW Berlin haben die Stromverbrauchsprofile vieler Haushalte analysiert. In einer Betrachtung von Mittelwerten hat ein Haushalt mit 4.200 Kilowattstunden Stromverbrauch und einer Fünf-Kilowattpeak-Photovoltaikanlage eine Eigenverbrauchsquote von 26 Prozent. Er versorgt sich zu 29 Prozent mit seinem eigenen Strom. Je kleiner die Photovoltaikanlage oder je höher der Jahresstromverbrauch, umso höher steigt die Eigenverbrauchsquote. Auf die Frage, wie sehr sich die Quoten bei einzelnen Haushalten unterscheiden können, je nachdem wie sich die Bewohner verhalten, gibt es keine allgemeingültige Antwort. Natürlich kann man auch den Kühlschrank, alle Stand-By-Geräte und die Umwälzpumpe abschalten und tagsüber nie zu Hause sein. Dann bleibt das Wochenende, und man hat nur noch knapp acht Prozent Eigenverbrauchsquote (zwei Siebtel von 27 Prozent). Eine statistische Betrachtung der HTW-Experten zeigt allerdings, dass sich Haushalte nicht so unterschiedlich verhalten. Sie haben bei Verbrauchsprofilen vonvielen Haushalten analysiert, wie hoch jeweils der Verbauchsanteil nachts war. Er lag im Wesentlichen zwischen 50 und 60 Prozent. Dann haben Sie für diese Lastprofile Eigenverbrauchsquoten analysiert. Sie kamen zu dem Schluss, dass auch bei hohem Nachtanteil die Eigenverbrauchsquote nicht mehr als zehn Prozentpunkte unter dem Durchschnitt liegt, die meisten sogar nicht mehr als fünf Prozentpunkte.

Auch Martin Rothert vom Wechselrichter-Marktführer SMA hält das für möglich. Schließlich kämen auch dann, wenn die Eltern arbeiten und die Kinder zur Schule gehen, die ersten Familienmitglieder schon nachmittags nach Hause. Im Sommer scheint dann immer noch die Sonne. Auch das Frühstück könne im Sommer in der Regel durch Solarenergie abgedeckt werden. Wenn man nach dem Frühstück die Spülmaschine einschalte, könne man den Eigenverbrauch sogar ohne viel Aufwand selber erhöhen. Indem man die Anlage nicht ideal nach Süden ausrichtet, sondern etwas mehr nach Westen, verschiebt sich die Stromerzeugung etwas in den Abend. Auch das helfe, im Fall der arbeitenden Hausbewohner die Eigenverbrauchsquote etwas zu erhöhen.

Muss man die Steuer berücksichtigen?

Ja, man muss sie berücksichtigen. Steuerfragen hängen meist sehr vom Einzelfall ab. Angst vor der Steuer muss man nicht haben. Die Umsatzsteuer lässt sich oft vermeiden, indem man die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt. Die Ertragssteuer lässt sich oft vermeiden, da eine kleine Photovoltaikanlage mit einem gewissen Eigenverbrauchsanteil steuerrechtlich meist als Liebhaberei klassifiziert werden kann. Eine detaillierte Betrachtung finden Sie auf dernächsten Seite.

Ist es sinnvoll, einen Batteriespeicher einzubauen?

Die Frage nach dem Sinn ist naturgemäß nicht einfach zu beantworten. Home-Batteriespeicher erhöhen die Autarkie und die Eigenverbrauchsquote und sind eine Technologie, die sich gerade weltweit stark entwickelt. Experten sind sich aber nicht einig darüber, ob und wann Home-Batteriespeicher für die Energiewende wichtig werden. Unstrittig ist, dass sich mit ihnen mehr Photovoltaikanlagen ins Stromnetz integrieren lassen, ohne dass die lokalen Verteilernetze ausgebaut werden müssen. Das liegt daran, dass der Speicher die maximale Solarstromleistung reduziert, die in das Netz eingespeist wird. Das ist vor allem um die Mittagszeit wichtig, wenn es in der Nachbarschaft schon viele Photovoltaikanlagen gibt, die bei Sonne dann alle gleichzeitig Strom erzeugen. Das Beispiel des stromautarken Bürogebäudes zeigt (Seite 4), dass Speicher im Extremfall dazu beitragen, das Netz zu ersetzen. Auch wenn es vielleicht nicht sinnvoll ist, auf das Stromnetz zu verzichten, können Speicher dessen Stabilität vermutlich erhöhen.

Wie wirtschaftlich ein Batteriespeicher ist, hängt wie bei den Eigenverbrauchsanlagen ohne Speicher sehr stark von der Steigerung des Strompreises ab, den man annimmt. Betrachtet man das obige Beispiel der Fünf-Kilowattpeak-Anlage und installiert zusätzlich einen Batteriespeicher mit 4,6 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität, erhöht das nach den HTW-Analysen die Eigenverbrauchsquote auf 53 und die Autarkie auf 60 Prozent. In unserer Produktdatenbank findet man zum Beispiel einen entsprechenden Speicher für 7.093 Euro (www.pv-magazine.de/batteriespeicher). Die Rendite beträgt in diesem Fall mit Speicherförderung bei einer zweiprozentigen Strompreiserhöhung 2 Prozent. Ohne Batteriespeicher lag die Rendite je nach der Höhe der Eigenverbrauchsquote, die man erreichen kann, zwischen 3,2 und 4,8 Prozent. Das ist außerdem berechnet unter der Voraussetzung, dass die Batterie 20 Jahre lang durchhält, was nicht bei allen Systemen gegeben ist. Einen Anhaltspunkt gibt die angegebene Zyklenzahl, sicher kann man sich aber nur bei einer entsprechenden Garantie sein.

Will man auf Rendite optimieren, wird es nur in einigen Fällen sinnvoll sein, einen Batteriespeicher zu installieren. Der Saldo der Gesamtinvestition ist aber trotzdem oft positiv. Das heißt, auch mit Batteriespeicher kann sich eine Rendite erwirtschaften lassen, die ausreichend ist. Wenn man sich dafür entscheidet, kann man sich zusätzlich freuen, etwas autarker zu sein, mehr Solarstrom selbst zu verbrauchen und eine Technologie zu unterstützen, die wichtig für die Energiewende ist.

Ausführlichere Erläuterungen unterwww.pv-magazine.de/rendite

In der Printversion ist uns leider ein Fehler bei der umsatzsteuerlichen Behandlung unterlaufen, den wir hier korrigiert haben.

Beispiel 1Beispiel 2Beispiel 3Beispiel 4Beispiel 5
mit Eigenverbrauchxxx
mit Batteriespeicherx
Beschreibungworst case, ohne Eigenverbrauchandere Annahme für die ModuldegradationEigenverbrauch entsprechend dem DurchschnittshaushaltEigenverbrauch bei hohem Stromverbrauch nachtsEigenverbrauch mit Batteriespeicher und Speicherförderung
Moduldegradation0,8 %0,5%0,5%0,5%0,5%
Eigenverbrauchsquote26%16%53%
Autarkiegrad29%18%60%
Stromkostensteigerungkeinekeinekeine
Rendite (IRR)-0,5%0,1%3,5%2,3%
Stromkostensteigerung2%2%2%
Rendite4,8%3,2%(mit Förderung) 2%
Stromkostensteigerung3%3%3%
Rendite5,4%3,6%
Weitere Parameter: Stromverbrauch: 4200 kWh/a, Anlagengröße 5 kWp, Kosten der Anlage 8.000 Euro (netto), Wartungs- und Betriebskosten 150 Euro + Preissteigerung von 2%/a, Strompreis 2014 28,3 Cent/kWh (inkl. UmSt.), Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch 4,7 Cent/kWh, Einspeisevergütung 12,58 Cent/kWh, Ertrag: 950 kWh/kWp, Batteriespeicherkapazität wenn vorhanden 4,6 kWh, Kosten Batteriespeicher wenn vorhanden 7093 Euro (netto). Die Angaben für die Stromkostensteigerung und die Moduldegradation sind pro Jahr.

Bandbreite von Renditen, die sich für die im Text diskutierte Anlage auf einem Einfamilienhaus berechnen lassen. Im Einzelfall können die Renditen stark davon abweichen. Die Wartungskosten sind eher gering angesetzt und können höher ausfallen, wenn zum Beispiel ein Wechselrichter ersetzt werden muss. Das reduziert die Rendite aber nur um etwa 0,5 Prozentpunkte. Der größte Unsicherheitsfaktor ist die Strompreissteigerung. Wenn man zwei Prozent annimmt, was eine seriöse Annahme ist, lassen sich die markierten Werte berechnen. Die Renditen sind nicht inflationsbereinigt. Aufwww.pv-magazine.de/rendite finden Sie eine ausführlichere Erläuterung und ein Excel-Formular, mit dem Sie die Werte näherungsweise nachrechnen können. Unterwww.pv-magazine.de/speicherrechner finden Sie ein Online-Tool zur Speicherauslegung und Wirtschaftlichkeitsberechnung.