Sic Processing verklagt Yingli offenbar auf Schadenersatz

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Der Konflikt zwischen der insolventen Sic Processing GmbH aus Hirschau und dem chinesischen Photovoltaik-Konzern Yingli schwellt schon lange. Nun hat der Insolvenzverwalter Christopher Seagon offenbar wirklich Klage eingereicht. Das Landgericht Amberg bestätigte der „Wirtschaftswoche“ den Eingang der Klage. Der zuständige Ansprechpartner bei Gericht war für pv magazine zunächst nicht erreichbar. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte sich auf Anfrage nicht zum Verfahren äußern. Er verwies aber auf eine Information des Insolvenzverwalters an die Gläubiger. Bereits Ende vergangenen Jahres teilte Seagon mit, er beabsichtige, Forderungen von 23 Millionen Euro gegen den chinesischen Photovoltaik-Hersteller einklagen zu wollen. Die nicht beglichenen Zahlungen seien einer der bedeutenden Gründe für die Insolvenz von Sic Processing GmbH in Deutschland“, schrieb der Insolvenzverwalter bereits damals. Nun soll Yingli mit der Klage zur Zahlung von Schadensersatz gerichtlich gezwungen werden, berichtet die „Wirtschaftswoche“ weiter.

In der Klage werfe der Insolvenzverwalter Yingli nun vor, es habe „heimlich eine eigene Produktionsanlage zur Aufbereitung“ von Sägesuspension errichtet, berichtet das Blatt unter Bezug auf einen Insider. Danach solle der chinesische Photovoltaik-Konzern keine offenen Rechnungen mehr bezahlt und auch die vertraglich vereinbarten Leistungen nicht mehr abgenommen haben. Allein die Zahlungsrückstände aus den Lieferungen und Leistungen beliefen sich auf etwa fünf Millionen Euro, schrieb Seagon bereits vergangenes Jahr an die Gläubiger. Weitere 18 Millionen Euro stammten demnach aus den Vertragsbrüchen. Als Grund für die ausbleibenden Zahlungen habe Yingli bereits damals erklärt, dass es kein Geld auf dem Konto habe und die Sic Processing (Boading) Ltd, die chinesische Tochter des deutschen Zulieferers, „auf der Liste der am dringendsten zu bezahlenden Gläubiger nicht weit genug oben stünde“.

Der Langfristvertrag mit Yingli sei aber Grundlage für den deutschen Zulieferer gewesen, in China erheblich zu investieren. Sic Processing habe vor diesem Hintergrund das Werk in Boading aufgebaut. Das Kapital für die Investition stamme aus einer Anleihe, die überwiegend von Kleinanlegern in Deutschland gezeichnet worden sei. „In Deutschland hat dieses Geschäftsgebaren dazu geführt, dass alleine die Zeichner der Anleihe der SiC Processing GmbH Forderungen von etwa 87 Millionen Euro haben, die bislang nicht befriedigt werden“, erklärte der Insolvenzverwalter.

Yingli Green Energy hatte bereits ebenfalls Ende vergangenen Jahres die Vorwürfe des Insolvenzverwalters von SiC Processing zurückgewiesen. Auf Nachfrage von pv magazine erklärte der chinesische Photovoltaik-Hersteller, dass Yingli versucht habe die Streitigkeiten mit dem deutschen Unternehmen einvernehmlich zu lösen und allen unstrittigen Zahlungsverpflichtungen bis Ende September 2013 nachgekommen sei. Allerdings gebe es zwischen beiden Unternehmen weiterhin Streitigkeiten über Restzahlungen, räumte Yingli damals ein. Es sei aber nicht für die Insolvenz von Sic Provessing verantwortlich. Der chinesische Konzern wolle aber weiterhin an einer Lösung mit dem Insolvenzverwalter arbeiten, hieß es damals. Dies scheint mit dem Einreichen der Klage nun endgültig nicht gelungen zu sein.

„Yingli glaubt, dass die Forderungen nicht auf der Wahrheit beruhen, da Sic die Tatsache ignoriere, dass sich die Parteien auf mehrere Nebenvereinbarungen verständigt haben, die Änderungen bei Mindestmengen und Preiskonditionen enthalten“, erklärte das chinesische Photovoltaik-Unternehmen noch Ende vergangenen Jahres. Yingli ging noch einen Schritt weiter und erklärt, dass SiC Processing in der Vergangenheit nicht in der Lage gewesen sei, die vertraglich vereinbarten Mengen aufbereiteten Siliziums zu liefern. Dies habe bei dem chinesischen Photovoltaik-Hersteller wiederum Schäden verursacht. „Yingli behält sich alle Rechte vor, Sic auf Schadensersatz zu verklagen“, erklärte das Unternehmen weiter. (Sandra Enkhardt)