Gibt es wirklich kaum Eigenverbrauchsquoten größer als 80 Prozent?

Für die aktuelle pv magazine-Ausgabe haben wir Beispiele für Photovoltaik-Anlagen im Gewerbe gesucht, bei denen die Eigenverbrauchsquote über 80 Prozent liegt. Die Suche war zäh. Als wir sieben Anlagen gefunden hatten, haben wir aufgehört, weiter zu graben.

Dabei zeigt eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von REC, dass solche Anlagen oft wirtschaftlich sein müssten. Dazu haben die Experten des Modulherstellers drei Fälle untersucht: Photovoltaik-Anlagen auf Supermärkten, Anlagen auf Polstermöbelfabriken als Beispiel für das produzierende Gewerbe sowie Anlagen für die Schwerindustrie. Sie analysierten die jeweiligen Strompreise, deren Entwicklung, die Lastprofile und berechneten Renditen der Photovoltaik-Anlagen. Sie legten dabei sämtliche verwendete Parameter offen. Bei den Supermärkten kamen sie auf einen internen Zinsfuß zwischen neun und zwölf Prozent, bei Polstermöbelherstellern auf 7,4 bis 10,7 Prozent und in der Schwerindustrie auf bis zu neun Prozent.

Hörte man sich in der Branche um, hieß es schon vor eineinhalb Jahren, dass die Zeit nach dem EEG anbricht. Die Zukunft liege bei Photovoltaik-Anlagen für Industrie und Gewerbe, die sich nahezu nur über den Eigenverbrauch und die damit eingesparten Stromkosten finanzieren. Etliche Projekte seien in Planung, so hieß es oft. Hört man sich heute um, sind immer noch viele Projekte in Planung.

Dass es trotzdem schwer ist, reale Photovoltaik-Anlagen mit hohen Eigenverbrauchsquoten zu finden, liegt unter anderem daran, dass es sich bisher immer noch lohnte, Anlagen größer zu bauen, als es für hohe Eigenverbrauchsquoten sinnvoll ist, und den Überschussstrom einzuspeisen. Es lohnte auch immer noch, Anlagen für Betriebe zu bauen, die am Wochenende kein Strom benötigen. Schon das reduziert die Eigenverbrauchsquote signifikant.

Wenn – wie nach den derzeitigen Plänen der Bundesregierung – die EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch im Gewerbe erhoben werden sollte, werden nach der REC-Analyse nur noch Projekte im Handel und einige wenige Projekte im produzierenden Gewerbe wirtschaftlich sein. Vermutlich werde es die Projekte im produzierenden Gewerbe dann nicht mehr geben, in der Schwerindustrie sowieso nicht. (Michael Fuhs)

Wir lassen uns gerne vom Gegenteil überzeugen. Wenn Sie Eigenverbrauchsanlagen im Gewerbe betreiben oder kennen, die eine Eigenverbrauchsquote über 80 Prozent haben, freuen wir uns über eine Nachricht an:redaktion@pv-magazine.com / Betreff: „Eigenverbrauch 80+“

(Wir arbeiten bei diesem Thema zusammen mit demVerein AEE Salzburg zusammen, der eine Studie dazu erstellt)

In deraktuellen Ausgabe des pv magazine finden Sie den ausführlichen Artikel zu dem Thema und eine Auflistung der gefundenen Projekte (zur Digitalversion, nur für Abonennten). Hier finden Sie die REC-Studie.