Solarworld schließt Übernahme von Bosch Solar ab

Es ist vollbracht: Die Solarworld AG hat am heutigen Tag die Zell- und Modulfertigung der Bosch Solar Energy in Arnstadt übernommen. Der Bonner Photovoltaik-Konzern erhöht mit der Akquisition seine Fertigungskapazitäten über die gesamte Wertschöpfungskette auf mehr als ein Gigawatt. Solarworld holt damit gegenüber der chinesischen Konkurrenz auf und ist der erste Photovoltaik-Hersteller in Europa, der die Gigawatt-Marke überschreitet. "Solarworld ist der Gegenpol zur Solarfertigung in China. Wir setzen auf hochautomatisierte Produktion, minimale Fehlerquote und höchste Qualität. Die Fertigungen von Bosch Solar Energy passen perfekt zu uns. Der Qualitätsanspruch von Bosch entspricht unseren Werten. Gleiches gilt für die hohen Umwelt- und Sozialstandards, denen wir uns verpflichtet haben“, erklärte Asbeck.

Auch im technologischen Bereich sieht sich Solarworld mit der Übernahme der Fertigung von Bosch Solar ganz weit vorn. „Durch Zusammenführung der Entwicklungen von Solarworld und Bosch Solar Energy will der Konzern den Sprung in eine neue Leistungskategorie für Hocheffizienzmodule über 300 Watt ermöglichen. Das entspricht rund 20 Prozent mehr Solarstromerzeugung auf der gleichen Fläche und damit einer weiteren drastischen Kostensenkung“, heißt es dazu. Auch in Arnstadt solle künftig die PERC-Zelltechnologie eingesetzt werden. Die Produktion in Thüringen soll jetzt wieder anlaufen, bestätigte Solarworld-Sprecher Milan Nitzschke dem pv magazine. In Arnstadt werde künftig ausschließlich die Marke "Solarworld" gefertigt.

Mit der Übernahme sind zugleich 800 Arbeitslätze im thüringischen Arnstadt durch Solarworld gerettet. Sie werden von dem Bonner Solarkonzern übernommen und fertigen weiterhin Module. Die Vereinbarung zwischen Bosch und Solarworld sehe vor, dass der Betrieb am Standort über Jahre gesichert und die Arbeitsplätze in der Region belassen werden, teilte das Bonner Photovoltaik-Unternehmen mit. Solarworld hat dem Thüringer Wirtschaftsministerium zufolge für die Übernahme die Solarworld Industries Thüringen GmbH (kurz SWIT) als eine eigenständige Gesellschaft in Arnstadt gegründet, die auch finanziell vom restlichen Unternehmen getrennt ist. Solarworld beschäftigt nach eigenen Angaben damit nun rund 3200 Mitarbeiter im sächsischen Freiberg, in Arnstadt und in Hillsboro in den USA.

Thüringens Wirtschaftsminister Uwe Höhn (SPD) hatte bereits am Dienstag die sich abzeichnende Finalisierung der Übernahme begrüßt. „Rund 800 Arbeitsplätze können allein dadurch in Arnstadt gesichert werden“, sagte Höhn. „Damit bleibt Thüringen auch in Zukunft ein wichtiger Standort der Solarindustrie.“ Insgesamt seien sogar noch mehr der ursprünglich rund 1400 Arbeitsplätze in dem Bosch-Solar-Werk gerettet worden. Mehr als 200 Jobs blieben erhalten, da Bosch die Fertigung eines Spannungsreglers für Fahrzeugtechnik aus Ungarn nach Arnstadt verlegt habe. Für den notwendigen Umbau sagte das Land Thüringen bereits Unterstützung bei den Investitionen zu. Für die übrigen ehemaligen Mitarbeiter von Bosch Solar sei eine Transfergesellschaft gegründet worden, die sich um eine schnelle Vermittlung in neue Jobs bemühe. Außerdem wollen sich die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH (LEG) und Bosch weiter bemühen, weitere Investoren für den Standort zu finden.

Fertigung in Katar

Künftig könnte neben Freiberg, Arnstadt und Hillsboro noch ein weiterer Produktionsstandort hinzukommen. Der neue Großaktionär Qatar Solar, der nach dem Kapital- und Schuldenschnitt mit 29 Prozent an dem deutschen Photovoltaik-Hersteller beteiligt ist, plant in seiner Heimat ebenfalls den Aufbau einer integrierten Fertigung, wie Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck in einem "Handelsblatt"-Interview sagte. Bereits im Oktober 2011 hatten sich beide Unternehmen auf eine Milliarden-Investition in den Aufbau einer Polysilizium-Fabrik verständigt. Diese befinde sich derzeit in der Testphase und soll ab dem zweiten Halbjahr 2014 den Betrieb aufnehmen, wie es bei Qatar Solar auf der Website heißt. Außerdem plane das Unternehmen aus Katar perspektivisch auch den Aufbau einer integrierten Fertigung. Dabei werde Solarworld helfen, sagte Asbeck im Interview. (Sandra Enkhardt)