Studie für X-Gigawatt-Fabrik in Deutschland vorgestellt

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Die beiden Fraunhofer-Institute IPA und ISE sind vom Umweltministerium in Stuttgart mit der „Studie zur Planung und Aufbau einer X-GW Fabrik zur Produktion zukunftsweisender Photovoltaik Produkte in Deutschland“ beauftragt worden. Sie gibt erste Anhaltspunkte, wie eine Fertigung im Gigawatt-Maßstab in Deutschland aussehen könnte. Bis 2017 soll demnach eine „hochintegrierte europäische PV-Fabrik der zweiten Generation“ entstehen, die Solarmodule für den Weltmarkt fertigt. Die Wissenschaftler setzen auf eine starke weitere Kostenreduktion durch die Nutzung von Zelltechnologie der nächsten Generation und eine flexible, hochautomatisierte Verbund-Produktion im Gigawatt-Maßstab mit reduzierten Personalkosten, höchster Qualität sowie bedeutenden Energie- und Materialeinsparungen, wie es in der Studie heißt. Als Standort wird der Südwesten Deutschlands aufgrund seiner hohen Dichte an technologiegebenden Industrieunternehmen und Forschungsinstituten genannt.

Zunächst gehe es um den Bau einer Pilotlinie im Rahmen einer multinationalen Initiative, die schnell zu einem Produktionsstandort im Gigawatt-Maßstab ausgebaut werden soll. Bei der Investition in Höhe von einer Milliarde Euro ist es der Studie zufolge möglich, Herstellungskosten von unter 40 Eurocent je Wattpeak zu erreichen. Damit könnten die Produktionskosten etwa 20 Prozent unter dem aktuellen Niveau liegen, wofür allerdings eine Unterstützung der nationalen und europäischen Politik notwendig sei. „Ohne den politischen Willen die Photovoltaik-Industrie in Europa zu halten, wird in wenigen Jahren die Produktion von Photovoltaik hier nicht mehr stattfinden“, lautet das Fazit der Wissenschaftler. Die geplante Finanzierung des Projekts dürfte ein Knackpunkt sein. In der Studie heißt es dazu: „Der Zugang zu einer im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähigen Finanzierung sichert die ökonomische Rentabilität.“

Der Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), Eicke Weber, hat die Idee einer Gigawatt-Fabrik in Deutschland bereits vor Jahren ins Gespräch gebracht. Auch der französische Präsident Francois Hollande hat sich zu Jahresbeginn bei einem öffentlichen Auftritt dafür stark gemacht, dass Frankreich und Deutschland nach dem Airbus-Vorbild gemeinsam eine große Fertigung in Europa aufbauen sollten. Dieser Vergleich hinkt allerdings ein wenig, da keinen namhaften Flugzeughersteller aus China und dem gesamten asiatischen Raum gibt. Außerdem ist die Herstellung eines Flugzeugs nur schwerlich mit der Produktion von Solarmodulen zu vergleichen. Innerhalb der Solarindustrie ist das Projekt daher auch nicht unumstritten. Die Frage ist, wie muss eine solche Gigawatt-Fertigung aufgebaut sein, damit sie eine wirkliche Konkurrenz zu den großen asiatischen Herstellern auf dem Weltmarkt sein kann? Im Umkehrschluss könnte sie auch den in Europa verbliebenen Produzenten wichtige Marktanteile streitig machen. In der X-Gigawatt-Fabrik auch eher eine Initiative der Maschinenbauer gesehen, für die es ein lohnenswertes Projekt sein kann. Die führenden chinesischen Hersteller verfügen bereits über Produktionskapazitäten von ein bis zwei Gigawatt. Andere wie Hanergy und Sunedison planen ihre Produktionen in den kommenden Jahren massiv auszubauen.

Die Realisierung des Projekts beurteilten Experten sehr zurückhaltend. "Der Plan für die Gigawatt-Fabrik kommt von Leuten, die ich sehr schätze. Aber es braucht einen Partner, der sich in einem Geschäft mit hohen Stückzahlen und niedrigen Margen auskennt", sagt Henning Wicht von IHS. Milan Nitzschke von Solarworld – dem bisher einzigen deutschen Hersteller mit Produktionskapazitäten von mehr als einem Gigawatt – ist ebenfalls sehr skeptisch: "Die Gigawatt-Fab ist eine Fata Morgana, die genausowenig Realität wird wie Desertec." Beim Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) versucht man, etwas mehr Optimismus zu verbreiten. Allerdings seien noch viele Fragen offen, sagt Florian Wessendorf, Geschäftsführer der VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel. "Wer soll die Produkte kaufen, wer soll die Module vertreiben und vermarkten?" Die Wissenschaftler sind hingegen optimistisch. Sie kommen in ihrer Studie zu dem Schluss, dass die europäische Massenfertigung von Solarmodulen im Gigawatt-Maßstab ein Weg sein könnte, die europäische Photovoltaik-Industrie wieder konkurrenzfähig zu machen. (Sandra Enkhardt)

Mehr zur Studie über die X-Gigawatt-Fabrik lesen Sie am Montag auf pv magazine Deutschland sowie in unserer kommenden Printausgabe. Diese erscheint am 28. Februar.