Chancen in Bolivien

Bolivien kann auch für deutsche Firmen ein interessanter Markt sein. Das zeigte sich heute auf der Abschlussveranstaltung einer fünftägigen Informationsreise zum deutschen Photovoltaikmarkt, zu der das BMWI bolivianische Experten geladen hatte. Zu dem Networking Treffen, die die Renewable Academy Renac organisierte, kamen gut zwei Duzend deutsche und bolivianische Interessierte.

Der Fokus lag dabei den meisten Interessierten auf Offgrid-Systemen. Denn nach Angeben der Weltbank hatten 2010 in Bolivien nur rund 80 Prozent der Bevölkerung einen Stromzugang. Wie in anderen Teilen der Welt auch, können Offgrid-Solaranalgen das Problem vermutlich schneller und billiger lösen als eine große Elektrifizierungskampagne auf Basis existierender Netze.

Dabei können diese Offgrid-Systeme mit Dieselgeneratoren kombiniert werden (siehe auch pv magazine September 2013,"Offgrid 2.0" zu Fuel Save Controllern). Ein erstes Diesel-Photovoltaik-Hybridsystem steht kurz vor der Umsetzung. "Der Bau der 65 Kilowatt-Anlage Photovoltaik in der Region Santa Cruz soll demnächst erfolgen", sagte Carlos E. Giacoman von der Cooperativa Rural de Electrificacióner, der das Projekt koordiniert. Es wird von der Deutschen Gesellschaft für die Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und von der Inter-American Development Bank (IADB) finanziell und von deutsche Photovoltaikfirmen mit Know-How unterstutz.

Das ist erst der Anfang. In dieser größten und bevölkerungsreichsten Provinz Boliviens Region sind noch mehr solche Projekte in Planung. Derzeit haben dort erst 90,6 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Strom, davon sind 87,6 Prozent an das überregionale Stromnetz angeschlossen, drei Prozent werden mit Inselsystemen versorgt. Hugo Sosa, in der Regierung der Region Santa Cruz zuständig für die Energieversorgung, sagt, er wolle bis Dezember 2015 sogar 95 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Strom verschaffen und Photovoltaik werde dazu beitragen. "Wir planen mehrere Hybridsysteme", sagt Sosa.

Unterstützung für Machbarkeitsstudien

Für deutsche Firmen, die sich an den Projekten beteiligen wollen, gibt es dabei Unterstützung, erklärt Joscha Rosenbusch vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). So gebe es unter anderem ein Programm, um mit bis zu 200.000 Euro Machbarkeitsstudien zu cofinanzieren, solange das nicht die Hälfte der eigentlichen Projektkosten überschreite. Daran ist die DEG, eine Tochtergesellschaft der KFW, beteiligt. Unterstützung gibt es auch durch das Programm develoPPP.de des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Damit werden Projekte in Entwicklungsländern entsprechend der OECD-DAC-Liste gefördert.

In Bolivien besteht allerdings in einer Hinsicht eine extreme Anforderung an die Komponenten. Die Hochebene, die zirka die Hälfte des Landes ausmacht, liegt auf einer Höhe von rund 4000 Metern über dem Meeresspiegel. SMA, das seine Hybridlösungen vorstellte, versichert daher, dass die Geräte auch in dieser Höhe noch funktionierten.

Das Potential für Solarenergie ist in Bolivien insgesamt sehr groß. Der Süden des Landes hat sehr hohe Einstrahlungswerte. Im Juli hat die bolivianische Regierung die ersten netzgekoppelten Solaranlagen des Landes angekündigt. Dabei handelt es sich um eine Anlage mit 315 Kilowattpeak Leistung und um eine mit 50 Kilowattpeak Leistung. Beide sollen mit Unterstützung aus Japan nächstes Jahr realisiert werden. Die bolivianische Regierung will mit diesen Pilotprojekten testen, wie die Solaranlagen mit dem auf das dortigen Stromnetz zusammenwirken.

Die Aktivitäten dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Regierung nicht prinzipiell den Umstieg auf erneuerbare Energien plant. Derzeit prüft sie nach Aussagen von Präsident Evo Morales, ob nicht auch Atomkraftwerke realisiert werden können. Allerdings seien damit viele nicht einverstanden, so einer der Teilnehmer der Veranstaltung in Berlin. (Blanca Diaz Lopez)