Trina Solar: Stagnierende Modulpreise vermutlich bis 2017

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0,73 US-Dollar oder 0,54 Euro kosteten Pierre Verlinden zufolge die Solarmodule Ende 2012. Das entspricht ungefähr dem Mindestpreis, den die EU diesen Sommer festgelegt hat. Der wissenschaftliche Leiter von Trina trug auf der EU PVSEC seine Sicht der Modul-Produktionskosten vor, nach denen weitere Preissenkungen für Jahre unmöglich erscheinen.

Im Vergleich zu Anfang 2008 sind die Preise um mehr als 80 Prozent gesunken. Seitdem ist die Menge aller produzierten Solarmodule von 13 auf 150,3 Gigawatt gestiegen. Nach der Lernkurve, die eine Vorhersage macht, wie schnell die Produktionskosten fallen, wenn die produzierte Menge steigt, müssten die Produktionskosten jedoch nur um 53,3 Prozent gesunken sein. Anders ausgedrückt: Module dürften in der Produktion damit 46,7 Prozent dessen kosten, was 2008 nötig war. Die Preise sind jedoch auf 18,25 Prozent gefallen.

Lernkurvenmodelle sind nur eine Annäherung an die tatsächlichen Kosten. In einer detaillierten Betrachtung für die Produktionskosten multi-kristalliner Module listet Verlinden die Kostensenkungen für einzelnen Segmente der Wertschöpfungskette auf. So sind die Siliziumkosten auf 11,65 Prozent gefallen, die Modulherstellung aber nur auf 61 Prozent und die Zellherstellung sogar nur auf 75 Prozent. Alles zusammen berechnet er daraus Produktionskosten, die bei 29,9 Prozent des Wertes von 2008 liegen. Das gelte mehr oder weniger für alle chinesischen Photovoltaik-Hersteller. Rechnet man die sehr stark gesunkenen Rohstoffpreise für Silizium heraus, entspreche das ungefähr der Prognose aus dem Lernkurvenmodell. Die Preise seien also deutlich stärker gefallen als die Produktionskosten.

Stagnation bis 2017?

Damit begründet Verlinden, warum seiner Meinung nach die Module derzeit zu billig sind. Es fehle die Marge für die Hersteller, die im übrigen ja auch für ein Wachstum nötig sei. Sinnvoll sei ein Wert von rund 30 Prozent. Daher würden die Preise jetzt vermutlich erst einmal stagnieren, bis die Produktionskosten so weit gefallen sind, dass diese 30 Prozent Marge, die von 2000 bis 2010 teilweise sogar stark überschritten wurde, wieder erreicht wird.

Nach dem Lernkurvenmodell müssen dazu noch Solarmodule mit rund 650 Gigawatt produziert werden. Bei einem Wachstum der Industrie von 40 Prozent pro Jahr würde es bis 2017 dauern, bei einem Wachstum von 25 Prozent sogar bis zum Jahr 2019 dauern, bis dieses Volumen erreicht ist und die Modulpreise bei einer nachhaltigen Produktion wieder sinken könnten.

Wenn das erreicht ist, könnten die Kosten nach Verlindens Analysen sogar wieder deutlich steigen, da dann eventuell höhere Silberkosten zuschlagen. Bei 25 Prozent Wachstum werde der Silberverbrauch der Solarindustrie höher sein als im Schmuckgeschäft und weiterhin stark steigen. Wenn Silber knapper werde, stiegen die Preise. Er nimmt allerdings an, dass die Zellhersteller rund 116 Milligramm Silber pro Zelle benötigen. Es gibt jedoch Entwicklungen, mit denen sich der Silberverbrauch reduzieren lässt. Auf der EU PVSEC hat zum Beispiel Heraeus eine Zelle mit nur noch 54 Milligramm Silber vorgestellt und viele Wissenschaftler arbeiten daran, das Silber ganz durch Kupfer zu ersetzen.

Kostensenkungen trotzdem möglich

Kostensenkungen durch Fortschritte in der Modultechnologie sind übrigens auch dann möglich, wenn die Modulpreise stabil bleiben, indem der Wirkungsgrad der Zellen steigt. Dadurch sinkt relativ gesehen der BOS-Kostenanteil an den Systemkosten pro Wattpeak. Was die Wirkungsgradsteigerung angeht, gab es auf der EU PVSEC in Paris wieder etliche Entwicklungen zu sehen. Auch Trina Solar will laut Verlinden nächstes Jahr PERC-Monozellen einführen, deren Wirkungsgrad ein bis 1,5 Prozent über dem der jetzigen so genannten Honey-Zellen liegt.

Anzumerken bleibt, dass es für einen Modulhersteller natürlich naheliegend ist, die eigenen Kosten so vorzurechnen, dass niedrigere Preise nicht möglich erscheinen. Allerdings ist es auch nach Analysten-Meinungen nicht so, dass Modulproduzenten – zumindest Anfang des Jahres – mit den damaligen Preisen Geld verdienen konnten. (Michael Fuhs)