Zölle: Branche fürchtet Verunsicherung

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„Protektionismus ist grundsätzlich schlecht für unser Geschäft und wird außerdem der verbleibenden europäischen Photovoltaik-Industrie nicht helfen“, sagte Ralf Lüdemann, Technikvorstand von Photovoltaik-Zulieferer Schmid, zu pv magazine über die von der EU-Kommission beschlossenen Antidumpingzölle auf chinesische Photovoltaik-Module. „Aber wenn es schon eine politische Entscheidung für Antidumpingzölle gibt, ist es besser, dass diese moderat sind und weiter Spielraum für Verhandlungen lassen, als dass sie die Chinesen komplett vom europäischen Markt verdrängen. Für eine wirkliche Unterstützung der europäischen Photovoltaik-Industrie sind jedoch positive politische Signale und stabile politische Rahmenbedingungen notwendig, keine Strafzölle.“

IHS-Analyst Henning Wicht sagte im Gespräch mit pv magazine, dass er zwar ein Ungleichgewicht sehe zwischen dem chinesischen und dem europäischen Markt und den Finanzierungsbedingungen, Zölle aber kein intelligenter Weg seien, um das Problem zu lösen, da sie seitens Chinas zu Gegenmaßnahmen führen könnten. Langfristige Lösungen könnten nur Verhandlungen zwischen Europa und China bringen. Wicht beschreibt die EU-Zölle als „Stop-and-go-Maßnahme, die der Industrie nicht die notwendige Stabilität bringt und dem Markt nicht hilft.“

„Die Zölle sollten den Markt nicht allzu sehr belasten und sind nicht teurer als Outsourcing“, so eine erste Reaktion von Christoph Flink, Chef der Strategischen Unternehmensplanung des chinesischen Photovoltaik-Unternehmens JA Solar. „Aber die Unsicherheit bleibt, und das belastet den Markt weiter.“ Nach den ersten zwei Monaten mit 11,8 Prozent Stafzoll werde man sehen müssen, was passiert.

Andrea Bodenhagen, EMEA-Marketingchefin von China Sun Energy Europe, sagte pv magazine, jede Form von Strafzöllen schade der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, auch wenn CSUN selbst nicht so stark betroffen sei. Das Unternehmen hat kürzlich eine Photovoltaik-Fabrik in der Türkei eröffnet, von wo aus Module ohne Auflagen in die EU geliefert werden können. Bodenhagen hofft, dass Europa und China schnell eine Lösung im Handelsstreit findend. Gerade die geplante schrittweise Einführung der Zölle werde nicht zu der für die Industrie notwendigen Investitionssicherheit führen, sondern den Markt stark verunsichern.

Paul Barwell, Chef der die Strafzölle ablehnenden britischen Solar Trade Association (STA), bezeichnet dn Beschluss der EU-Kommission in einem Statement als ermutigend: „Wir sind erfreut, dass Karel De Gucht die Befürchtungen der europäischen Solarindustrie und der Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten ernst genommen hat.“ Da der Teufel im Detail liege, müsse jedoch weiterhin Druck gegen die Antidumpingzölle gemacht werden. Die beschlossenen Zölle seien eine schlechte Nachricht, würden der chinesischen Industrie aber Luft zum Atmen lassen. Angesichts der langen Lieferzeiten nach Europa könnten die Zölle jedoch die Verfügbarkeit von Modulen verschlechtern.

Strafzölle, egal in welcher Höhe, würden die Nachfrage stark drücken, Arbeitsplatzverluste zur Folge haben und der europäischen Solarindustrie einen schweren Schlag zufügen, befürchtet AFASE-Vorsitzender Thorsten Preugschas. AFASE hoffe, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden werden könne, die Preiserhöhungen und Unsicherheit über die tatsächliche Höhe der Zölle in den nächsten zwei Monate vermeide. „Denn eines müssen wir festhalten: Angesichts der derzeitigen Marktlage kann die Branche Preiserhöhungen nicht verkraften. Schon ab einem Satz von 11 Prozent werden Zölle die Entwicklung neuer Photovoltaik-Projekte in der EU stoppen und der Wertschöpfungskette schweren Schaden zufügen.“

Stephan Singer, Direktor Globale Energiepolitik beim WWF, sagt: „Ohne Zweifel wird die Lobby der Kohle-, Öl-, Kernenergie- und Gasindustrie heute die Sektkorken knallen lassen. Das letzte, was wir jetzt brauchen, ist die Zerstörung neuer sauberer Geschäftsfelder und einen Handelskrieg um Technologien für saubere Energie mit China.“

Erleichtert über die verhängten Zölle ist hingegen EU ProSun, da „die EU-Kommission nun endlich Maßnahmen gegen Dumping einführt.“ Gleichzeitig begrüßt die Initiative Verhandlungen mit China. „Jetzt muss die chinesische Regierung mit eigenen Vorschlägen kommen, wie das Dumping nachhaltig gestoppt werden kann.“ Peking habe dafür zwei Monate Zeit. Wenn China keinen substanziellen Verhandlungsvorschlag mache, so EU ProSun, gebe es für Europa und auch für Europas Mitgliedsstaaten keine Legitimation mehr, den Bruch des internationalen Handelsrechtes weiterhin zuzulassen. „Dann werden nach unserer Einschätzung deutlich mehr Staaten für die dauerhafte Einführung der Zölle stimmen als zuletzt für die vorläufigen Zölle.“ (Petra Hannen)

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