SNEC-Messe: Führende Köpfe der Solarindustrie im Dialog

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Der „Solar Leaders“-Dialog widmete sich in erster Linie dem Anti-Dumping-Verfahren der EU Kommission gegen chinesische Photovoltaik-Hersteller und den voraussichtlichen Zöllen in Höhe von 37 bis 68 Prozent auf chinesische Silizium-basierte Zellen, Wafer und Module. Da die chinesische Photovoltaik-Branche bereits mit Überkapazitäten am Markt zu kämpfen hat und daher seit geraumer Zeit ebenfalls den Druck auf Verkaufspreise und Gewinnmargen spürt, drohen die Strafzölle der Europäischen Union den bereits länger andauernden Winter für die chinesische Photovoltaik-Branche noch länger zu machen.

Der Vorstandsvorsitzende des Modulherstellers Trina Solar Jifan Gao entschuldigte sich bei Gesellschaftern und anderen Geschäftspartnern, die Trina unterstützt haben, mit den Worten, dass er „sich schämte“ für die schlechten Resultate seiner Firma und auch die anderer chinesischer Modulhersteller. Für Gao ist die entscheidende Frage, wie ein nachhaltiges Wachstum geschaffen werden kann. Ein wesentlicher Teil der Lösung ist seiner Ansicht nach eine Branchenkonsolidierung, sowie eine „mergers & acquisitions“ (M&A) Welle um die Überkapazitäten zu verringern und die Kosten weiter zu drücken.

Dr. Wang Jin ist Direktor am Institut für Internationale Energie des internationalen Kooperationszentrums im NDRC (National Development and Reform Commission), der zentralen wirtschaftlichen Planungsbehörde Chinas. Er lieferte eine eher positive Bestandsanalyse und sieht in der Krise eine Chance für die chinesische Photovoltaik-Branche ihren Blick nach innen zu richten und damit den sehr zukunftsträchtigen Binnenmarkt weiter zu entwickeln. Wang erwartet, dass das neuste Ausbauziel der chinesischen Regierung in Höhe von 10 Gigawatt für dieses Jahr erreicht werden wird. Auch Aufdachanlagen („distributed PV“) würden eine zunehmend wichtigere Rolle in China spielen. Von den 10 Gigawatt in diesem Jahr sieht er ungefähr die Hälfte in Freiflächenanlagen, den Rest in Aufdachanlagen. Laut Wang „wird sich das volle industrielle Potential in diesem Markt entfalten sobald ein Business-Case für „distributed PV“ vorliegt.“

Bei den Vertretern der amerikanischen Photovoltaik-Branche war der Konsens in diesem Dialog, dass die Anti-Dumping-Zölle, die in Amerika im letzten Jahr auf chinesische Photovoltaik-Produkte verhängt wurden, den beabsichtigten Effekt nicht erreicht hätten. Barry Broome, President und CEO des „Greater Phoenix Economic Council“ ging sogar einen Schritt weiter und wertete bisherige Strafzölle in Handelsstreitigkeiten in sämtlichen Branchen als „100 Prozent wertlos“ und forderte Politiker in seinem Heimatland den U.S.A. auf, sämtliche Fördermittel für herkömmliche und erneuerbare Energien einzustellen. Die grossen Gewinner dieser Fördertöpfe seien nicht Solarunternehmen oder andere Bereiche bei den erneuerbaren Energien, sondern herkömmliche Energieversorger. Laut Bromme bekommt zum Beispiel die amerikanische Kohleindustrie jährlich 8,5 Milliarden US-Dollar an Fördergeldern.

Für John Smirnow, Vize-President für Handel und Wettbewerbsfähigkeit im Verband der Solarenergie-Industrie SEIA, hatten die U.S.-Strafzölle auf chinesische Photovoltaik-Produkte “keinen beträchtlichen Effekt” auf den U.S.-Solarmarkt und die „Modulpreise hätten sich weiter verringert.“ Andererseits gäbe es bei dem breit angelegten Verfahren der EU nicht die recht einfache Umgehungsmöglichkeit, die im amerikanischen Markt bestehen würde, die Zölle durch den Einsatz von Zellen aus Drittländern zu vermeiden, da das EU-Verfahren Zellen, Wafer und Module umfassen würde. Wie Murray Cameron des Europäischen Photovoltaik-Industrie Verbandes EPIA, appellierte Smirnow an die Regierungen der EU und Chinas, vorhandene „Verhandlungs- und Kooperationsprozesse“ der Welthandelsorganisation WTO zu nutzen und nicht nur den Weg einer Auseinandersetzung, um diesen Konflikt zu lösen.

Karl-Heinz Remmers, CEO der Solarpraxis AG und Verleger der pv magazine Fachmedien, erwähnte im “Solar Leaders”-Dialog die 300-GW-Initiative seines Unternehmens als Beispiel für einen Versuch, Photovoltaik als eine “Säule der globalen Energieversorgung” zu platzieren. Um dorthin zu gelangen, nannte Remmers die Notwendigkeit „Lösungen“ zu erarbeiten, die spezifische Anforderungen im Markt decken würden. Solche Lösungen könnten eine Speicherkomponente vorsehen, oder eine Kombination mit anderen Energiequellen beinhalten, oder auch die Integration mit anderen innovativen Technologien bedeuten, wie dem Bereich der Elektromobilität. Er ermutigte andere Teilnehmer der PV-Branche Selbstvertrauen zu zeigen und Photovoltaik als eine „zukünftig wesentliche Energieform“ zu sehen und nicht als „irgendein subventioniertes Produkt.“ Laut Walt Cheng, Geschäftsführer von DuPont Electronics and Communications, Greater China, ist zwischen den Ländern und Regionen der Welt ein integrierter Ansatz gefragt, in dem „die Stärken jeder Region“ genutzt werden anstatt in Handelsstreitigkeiten und Protektionismus zu verfallen. (Eckhart Gouras; Bearbeitet von Mirco Sieg)