IG Metall will Tarifvertrag für Bosch-Mitarbeiter

Die Mitarbeiter von Bosch Solar CISTech haben in der vergangenen Woche erneut die Einführung eines Tarifvertrags gefordert. "Wir fordern einen Anerkennungstarifvertrag. Wir erwarten von unserer Geschäftsführung Verhandlungsbereitschaft für die bevorstehenden Verhandlungen im Juni", unterstrich der Betriebsratsvorsitzende Bodo Paetzel laut einer IG-Metall-Mitteilung. Es gehe auch um die soziale Absicherung der Mitarbeiter, sollte Bosch das Werk in Brandenburg an der Havel doch schließen.

Ende März erklärte Bosch zum Jahresende seinen Rückzug aus dem Geschäft mit der kristallinen Photovoltaik. Die Dünnschichtsparte will Bosch nach eigenen Angaben aber weiterführen. Die „Märkische Allgemeine“ berichtet nun, dass der Konzern auch seine Dünnschichtfertigung in Brandenburg nur noch bis Ende 2014 weiterführen wolle. Danach gebe es die Optionen, das Werk an einen Investor zu verkaufen oder die Produktion zu schließen.

Am 13. Juni sollen nun die Tarifverhandlungen für die Bosch-Beschäftigten in Brandenburg beginnen. Ziel der IG Metall sei es, die Anerkennung des bestehenden Tarifvertrags für die thüringischen Mitarbeiter von Bosch Solar Energy in Arnstadt zu erreichen. Dabei gehe es nicht nur um die Bezahlung, sondern auch die Eingruppierung der Mitarbeiter. Derzeit verdienten die Mitarbeiter von Bosch CISTech weniger als den Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde. Nach Zeitungsangaben sind 55 Prozent der Mitarbeiter Ingenieure, 35 Prozent Arbeiter und zehn Prozent Verwaltungsangestellte. 

Thüringer IG-Metall fordert Überprüfung des Ausstiegs

Angesichts der Meldungen über mögliche Importzölle von durchschnittlich 47 Prozent für kristalline Photovoltaik-Produkte aus China hat die Thüringer IG Metall den Bosch-Konzern aufgefordert, seinen angekündigten Rückzug nochmals zu prüfen. Die Belegschaft sei mit einer Reduzierung der Herstellungskosten bereits in Vorlage getreten und durch die Zölle könnten die Modulpreise wieder steigen, sagte der erste Bevollmächtigte der Erfurter IG Metall, Wolfgang Lemb, nach einem Bericht der „Thüringischen Landeszeitung“. Allein am Bosch-Produktionsstandort in Arnstadt sind etwa 1800 Arbeitsplätze wegen des Ausstiegs gefährdet.

Machnig begrüßt mögliche Importzölle

Auch Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) hatte sich wohlwollend über mögliche Importzölle geäußert. "Dieser Rückenwind aus Brüssel für die deutsche Solarindustrie ist dringend notwendig. „Es wird höchste Zeit, dass die politischen Institutionen ihre Hebel nutzen, die europäischen und damit auch die deutschen Solarunternehmen vor unfairen Wettbewerbsbedingungen zu schützen“, erklärte Machnig. Die Entscheidung über vorläufige Importzölle, die die EU-Kommission voraussichtlich Anfang Juni verkünden wird, sei auch eine wichtige Entscheidung für die Zukunft des Photovoltaik-Standorts Arnstadt.  „Die Chancen für einen Verkauf sind damit deutlich gestiegen", so Machnigs Einschätzung  (Sandra Enkhardt)