Von Tief zu Tief

Gewinnwarnungen, fallende Umsätze, Schließungen – die schlechten Nachrichten aus der Solarbranche reißen nicht ab. Zwar rät eine alte Börsenweisheit, gerade bei schlechten Nachrichten in die Aktien der betroffenen Unternehmen zu investieren. Die laufende Konsolidierung schüttelt die Photovoltaikbranche jedoch so stark durch, dass Börsianer erst mal abwarten oder sogar Geld abziehen: Am Stichtag 9. November lag der Photovoltaik Global 30 nur noch bei 12,07 Punkten, 11,38 Prozent weniger als vor einem Monat – einige Tage zuvor hatte es mit 11,29 Punkten sogar ein neues Allzeittief gegeben. 12 der 15 Unternehmen im Branchenkorb mussten Kursverluste hinnehmen. Besonders stark gaben die Aktienkurse bei den vier europäischen Unternehmen im Index nach: SMA (-40,47 Prozent), REC (-35,17 Prozent), Meyer Burger (-30,82 Prozent) und Solarworld (-9,14 Prozent).

SMA meldete für 2012 bei stagnierendem Umsatz einen deutlichen Ergebnisrückgang. Zwar hält der Wechselrichterproduzent unverändert an seiner Jahresprognose fest. Für 2013 rechnet SMA jedoch mit weniger Umsatz und einem im besten Fall ausgeglichenen Ergebnis – damit hat die Solarkrise die Grundfesten einer der letzten Trutzburgen der deutschen Solarwirtschaft erreicht. Bereits seit Monaten schwächelt Solarkonzern REC. Weder die Zahlen für das dritte Quartal noch die Berufung eines neuen Finanzvorstands konnten etwas an dem eher trüben Gesamtbild ändern, so dass Analysten unter anderem der Commerzbank an ihrer Verkaufsempfehlung für das Papier festhalten.

Auch den Anlagenbauer Meyer Burger bringt die Solarkrise in Schieflage: Ein UBS-Analyst hat aufgrund der generell schwachen Auftragslage seine Umsatz- und Ertragsschätzungen für die Jahre 2012 und 2013 deutlich gesenkt. Credit Suisse befürchtet ebenfalls, dass die Auftragsflaute von Meyer Burger noch auf Monate hinaus andauern wird. Für Solarworld haben Analysten der Deutschen Bank das ohnehin bereits im Pennystock-Bereich angesiedelte Kursziel angesichts „zunehmender Unsicherheiten“ ersatzlos gestrichen: Der Konzern bewege sich im Niemandsland zwischen feindlichen Branchentrends wie dem anhaltenden Preisverfall und einer Bereinigung der Branche, die auf den im dritten und vierten Quartal zunehmenden Abfluss von Cash folgen könnte.

Im Gegensatz zu den Aktien europäischer Solarkonzerne entwickelten sich die Papiere US-amerikanischer Unternehmen positiv: First Solar (+16,68 Prozent), Sunpower (+1,78 Prozent) und Advanced Energy Industries (+1,34 Prozent) sind die drei Gewinner im Index. Börsianer bezeichneten die jüngsten Quartalszahlen von First Solar zwar als enttäuschend, werteten es jedoch positiv, dass der Dünnschichtproduzent Gesellschafter der Desertec-Planungsfirma Dii werden will. Bislang ist First Solar nur assoziierter Desertec-Partner, obwohl sich Dünnschichtmodule besonders für Großprojekte und hohe Sonneneinstrahlung eignen.

Sunpower musste sinkende Umsätze melden, konnte aber die Bruttomarge ausbauen. Und Advanced Energy blieb mit den aktuellen Zahlen hinter den Erwartungen der Börse zurück, bekommt jedoch neue Kredite und verfügt über genügend Kapital für ein Aktienrückkaufprogramm.