AFASE: 30.000 Arbeitsplätze in Europa bei Strafzöllen gefährdet

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Die Verhängung von Strafzöllen gegen chinesische Photovoltaik-Hersteller könnte zu massiven Arbeitsplatzverlusten führen. Im Laufe der kommenden drei Jahre könnten insgesamt rund 30.000 Stellen dadurch verloren gehen, wie das Forschungsinstitut Prognos im Auftrag der Allianz für Bezahlbare Solarenergie (AFASE) errechnet. Hat. Allein in Deutschland stünden dabei bis 2015 rund 8000 Arbeitsplätze innerhalb und außerhalb der Solarindustrie auf dem Spiel, sagte Prognos-Studienautor Oliver Ehrentraut. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Strafzölle könnte sich bis 2015 in allen EU-Staaten auf 13,4 Milliarden Euro, davon allein vier Milliarden Euro in Deutschland summieren.

Prognos hat in seiner Studie verschiedene Szenarien durchgerechnet. Dabei seien Strafzölle von 20, 35 und 60 Prozent angenommen worden. Es sei im Falle von Anti-Dumping- oder Anti-Subventionszöllen mit steigenden Modulpreisen in Europa und einer sinkenden Nachfrage nach Photovoltaik-Produkten zu rechnen. In Folge dessen sei mit sinkenden Beschäftigungszahlen in der Solarbranche zu rechnen. Dies wiederum würde auch eine geringere Nachfrage nach Dienstleistungen wie Planung, Installation oder Instandhaltung bedeuten. Nach Angaben von Ehrentraut sind die Verluste daher an der Gesamtbeschäftigungszahl von 140 Millionen Arbeitsplätzen in den fünf wichtigsten europäischen Ländern (Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Großbritannien) zu messen, nicht nur allein an der Beschäftigtenzahl in der europäischen Solarbranche.

Das designierte AFASE-Vorstandsmitglied und Europachef von Canadian Solar, Gregory Spanoudakis, bezeichnete die von der Initiative EU ProSun geforderten Strafzölle in Höhe von 120 Prozent für chinesische Hersteller als „unverschämt“. Er warnte davor, dass damit die Erfolge der Photovoltaik auf dem Weg zur Netzparität wieder in Frage gestellt würden. Er warf EU ProSun vor, dass die Initiative bei ihrem Antrag bei der EU auf Anti-Dumping- und Anti-Subventionszölle mit falschen Informationen gearbeitet habe. Es sei nun an der EU im Laufe des Verfahrens die Wahrheit ans Licht zu bringen. Zugleich verwies Spanoudakis darauf, dass alle Regierungen weltweit ihrer Solarindustrie helfen würden. Die chinesischen Firmen hätten außerdem das meiste Geld an der Börse oder über Private Equity eingesammelt. Außerdem ist nach Ansicht des Europachefs von Canadian Solar, die Forderung nach Strafzöllen eher ein Versuch europäischer Photovoltaik-Hersteller, eigene Defizite zu kompensieren. So hätten die europäischen Hersteller Ende des vergangenen Jahrzehnt große Vorteile durch Langfristverträge bei der Beschaffung von Silizium gehabt. Nun sei der Preis seit 2009 massiv gefallen, was wiederum den chinesischen Herstellern ermöglicht habe, sich günstig mit Silizium zu versorgen. Außerdem sei das Equipment europäischer Photovoltaik-Unternehmen oft älter und deren Kapazitäten weitaus geringer, so Spanoudakis weiter. In China verfügten die führenden Anbieter über Kapazitäten von zwei Gigawatt und mehr. In Europa gebe es keinen Hersteller dieser Größe. 

Auch der Vorstandschef von Soventix, Thorsten Preugschas, warnte vor immensen Auswirkungen von Strafzöllen auf die Photovoltaik-Märkte in Westeuropa. Die Solarindustrie stünde derzeit an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Mit Blick auf die Preise für Solarmodule sagte Preugschas: Nach dem Preisverfall von 75 Prozent in den vergangenen Monaten sei nun eine untere Grenze erreicht. Dies zeigten auch die Insolvenzen verschiedener Photovoltaik-Hersteller in der vergangenen Zeit. „Strafzölle würden der gesamten Industrie massiv schaden und diese schwächen“, sagte Preugschas weiter. Die Solarmodule würden damit wieder künstlich teurer gemacht. Er appellierte auch deshalb an die Vertreter der Solarindustrie, die eigene Mission im Blick zu behalten. Es gehe darum, Strom aus erneuerbaren Energien zu günstigen Preisen zu liefern. Er verwies darauf dass in etwa 12 Jahren die ersten Photovoltaik-Anlagen aus dem EEG fallen würden, die Lebensdauer der Systeme die Förderzeit von 20 Jahren aber deutlich übersteige. Daher greift aus seiner Sicht die derzeitige Diskussion über steigende Strompreise viel zu kurz. „Die Politik hat mit dem EEG erstmals die Möglichkeit, die langfristige Basis für günstigen Strom zu schaffen“, sagte Preugschas weiter. (Sandra Enkhardt)