Teuer war gestern

In einem furiosen und auch von mir nicht erwarteten Dezember-Endspurt scheint sich das Marktvolumen 2011 (auf Basis neu installierter Leistung) auf das des Vorjahres katapultiert zu haben. Ein großer Erfolg, wenn er auch die ewig gestrigen Gegner der Photovoltaik erneut auf den Plan rufen wird. Sie brüllen nun noch lauter nach einer Eindämmung der Photovoltaik und bringen dabei vornehmlich Kostenargumente, die allerdings in Wirklichkeit Geschichte sind. Und im Nebensatz wird dann erwähnt, dass man den Netzausbau für die Erneuerbaren ja gar nicht so schnell schaffen kann und daher eine Deckelung vor allem der Photovoltaik nötig ist. Es ist klar, dass hinter diesen Attacken der Versuch steht, die Energiewende komplett scheitern zu lassen und dabei auch die Wind- und Bioenergie kaputtzureden.

Ähnliches musste auch schon die Windenergie an Land erleben. Diese wurde in jeder machbaren Form madig gemacht, zugunsten der wesentlich teureren Prototypentechnik Offshore-Windkraft, um großen Versorgern in diesem Bereich ein Überleben zu sichern. Mit den bereits heute beschlossenen weiteren Vergütungssenkungen um wahrscheinlich 24 Prozent bis zum 1. Januar 2013 (15 Prozent zum 1. Juli 2012, 9 Prozent zum 1. Januar 2013) hat sich die Kostensituation aber komplett verändert. Fast 40 Prozent Absenkung einer Vergütung binnen zwölf Monaten und einem Tag ist Rekord und verändert die Energielandschaft völlig.

Solarstrom wird zum Billigmacher

Sowohl von technischer Seite als auch von Marktseite kann der Photovoltaikzubau derzeit durchaus eineinhalb bis zwei Atomkraftwerke pro Jahr ersetzen – sicher wäre auch ein Vielfaches davon machbar. Die Technik ist jedenfalls sofort verfügbar. Und auch die ehemals hohen Kosten von über 40 Cent pro Kilowatt Photovoltaikstrom sind längst Geschichte. Heute gibt es für den gleichen Strom nur noch eine Vergütung von 17,9 bis 24,4 Cent pro Kilowattstunde. Das ist auch bei kleinen Hausdachanlagen weniger, als viele für ihren Strom aus der Steckdose bezahlen! Und schon ab Juli 2012 gibt es dann wohl nur noch 15,25 bis 20,77 Cent pro Kilowattstunde, Anfang 2013 werden es dann wahrscheinlich 13,6 bis 18,5 Cent sein.

Damit wird eine kleine Hausdachanlage in Kürze eine geringere Vergütung erhalten als eine Offshore-Windkraftanlage und viele Bioenergieanlagen. Die großen Dach- und Freilandanlagen haben bereits jetzt Offshorewind unterboten. Und da zumindest bisher niemand auf die Idee kommt, einen Deckel für Windkraftanlagen vor der Küste zu fordern, sollten die Krakeeler ganz ruhig sein, denn alle ihre vergleichenden und diffamierenden Argumente sind bereits jetzt falsch und werden jeden Tagunglaubwürdiger. Neben der Windkraft an Land ist nun die Photovoltaik der Billigmacher im EEG. Das liegt daran, dass die Vergütungssätze, die kurzfristig gesetzlich festgeschrieben werden, immer weiter unter jene für Offshorewind- und viele Bioenergieanlagen fallen. Also Schluss mit der Photovoltaik-Kostenlüge! Weder die Verbraucher noch die Industrie – die sowieso weitgehend von der Zahlung der EEG-Umlage befreit ist – zahlen ab 2012 noch das meiste Geld für die Solarenergie. Die Photovoltaik ist nicht länger die richtige Adresse, wenn es um die hohen Kosten der Energiewende geht.

Schluss auch mit dem Kleingerede durch die Bundesregierung! Warum muss ein Wachstumskorridor von 3,5 Gigawatt für die Photovoltaik gelten? Vollgas ist angesagt, denn wir wollen bis zum Jahr 2020 zwölf Prozent Solarstrom im deutschen Netz haben. Das ist mit Sicherheit auch zu schaffen. Und dazu noch billiger als erwartet, denn schon im Juli 2013 kommt planmäßig die nächste EEG-Absenkung.

Krise trotz Jahresendrallye

Bei all der Euphorie: Am Ende des Jahres 2011 steht gegenüber 2010 dennoch ein Umsatzrückgang der Branche in Deutschland von 30 bis 35 Prozent. Logischerweise drücken sich niedrige Vergütung und niedrige Systemkosten im Umsatz aus. Das ist alleine schon genug Grundfür eine Krise – gleiches Marktvolumen in Gigawatt ist eben nicht gleicher Umsatz. Trotzdem kann der gesamte Markt dank Lern- und Skaleneffekten einfach immer schneller immer größere Mengen produzieren und installieren. Die grandiose Jahresendrallye zeigt, wie groß das Potenzial der Photovoltaik auch weiterhin ist.

Ja, die Photovoltaik kann binnen eines Jahres mehr als 1,5 Prozent der Stromversorgung erneuern. Das ist ja von allen politischen Parteien zumindest verbal auch so gewollt. Wegen der einfachen Umsetzung und geringen oder nicht vorhandenen Auswirkungen auf die Umwelt sind Photovoltaikprojekte extrem schnell umsetzbar – verglichen mit klassischen Investments im Energiebereich. Zumal sich die Anlagen im Gros noch immer in das Niederspannungsnetz integrieren lassen. Auch die großen Dach- oder Freilandanlagen werden in der Regel in verbrauchernahe Mittelspannungsstrukturen integriert, und auch hier ermöglicht die Dezentralität einen schnellen Ausbau mit vertretbaren Anpassungen an Stromnetze und Anlagentechnik.

Dezentralität in Reinstform

Die einzige echte dezentrale Energieform funktioniert dabei immer mehr wie Bewegungen im Internet. Die dort Crowd genannte Bewegung kann nicht nur Facebook-Partys feiern. Bereits heute werden mehr und mehr Finanzierungen direkt über das Internet abgewickelt, ohne Banken, sondern über die Crowd. Es scheint, als sei dies erst der Anfang von systemverändernden Organisationsformen einer vernetzten Welt. Nun schaffen rund 1,1 Millionen Betreiber von Solarstromanlagen etwas, was die großen Vier derveralteten Energieversorgung trotz ihrer hohen Marktanteile niemals könnten: mehr als 70 Milliarden Euro an Neuinvestitionen in drei Jahren. Die Crowd kennt dabei keine Limits durch Finanzierungen, denn viele kleine Finanzierungen erbringen die große Masse.

Die Photovoltaik-Crowd ist außerdem schnell und extrem flexibel, so dass auch langjährige Insider immer wieder überrascht werden. In ihrem Marktverhalten ist diese Bewegung aber gleichzeitig kaum zu prognostizieren. Welche Stimmungs- und Marktlagen zu einem Zünden und Abkühlen des Marktes führen, ist zumindest bisher nicht genau beschrieben. Das produziert Marktkrisen und Rallyes im Monatsrhythmus. Kaum zu verstehen für Insider, für die Außenwelt vollkommen unklar und für die Verlierer der Energiewende die Hölle auf Erden – aber die PV-Crowd lässt sich eben nicht aufhalten.

Statt die Forderung nach „weniger Photovoltaik“ abzuwehren, muss die Branche mit vollem Selbstbewusstsein die neue Realität erkennen und vermitteln. Diese heißt: Für immer mehr Bürger wird es interessant werden, den selbst erzeugten Strom auch selbst zu nutzen. Und damit meine ich nicht die Eigenverbrauchsregelung im EEG. Ich meine vielmehr den Aufbau von aktiven Vermarktungselementen für die Photovoltaik, mit und ohne feste Vergütung. „PV ist teuer“, das war gestern. Sagen Sie es allen: Photovoltaikstrom ist der Möglich- und Billigmacher der Energiewende in Bürgerhand!

Der Mitherausgeber der photovoltaik bloggt regelmäßig auf der Webseite www.photovoltaik.eu