Energiewende statt Machtpolitik

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Mit politischem Druck kennen wir uns in der Photovoltaikbranche eigentlich aus. Doch was zurzeit geschieht, wundert mich doch sehr. Ich dachte, dass die Energiewende ein große Aufgabe ist und es darum geht, diese zu stemmen. Stattdessen entfachen einige Politiker einen Orkan, der die Solarwirtschaft mehr bedroht als in den Jahren zuvor. Sie bauschen das Feindbild der Photovoltaik als Kostentreiber auf, bezeichnen sie als Gefahr für die Netzstabilität und fordern eine Deckelung des Zubaus auf ein Gigawatt oder zusätzliche Reduktionen der Einspeisevergütung.

Das geschieht scheinbar grundlos, denn die Fortschritte bei der Kostenreduktion, Qualitätssicherung, Energiespeicherung und Netzintegration, also der Energiewende, sind enorm (Seite 14).

So ist die Einspeisevergütung zum 1. Januar schon wieder um 15 Prozent gesunken, bereits jetzt kostet der Haushaltsstrom mehr, als man für die Kilowattstunde Solarstrom bekommt. Zwar wird die Netzparität, die lange ein Schlagwort der Branche war, noch nicht wie früher behauptet dazu führen, dass Solaranlagen schon jetzt Selbstläufer werden. Das liegt daran, dass es nicht ausreicht, den Strom irgendwann zu produzieren, er muss im richtigen Moment zur Verfügung stehen. Doch die ersten Entwicklungen kostendeckender Geschäftsmodelle sind da.

Zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern, wie sie zuhauf in den Städten stehen. Deren Bewohner benötigen so viel Energie, dass der Solarstrom gar nicht erst in die Netze eingespeist werdenmuss, sondern direkt verbraucht wird – ohne Speicher. Damit das kostendeckend geschieht, müssen allerdings noch einige Probleme gelöst werden. Zum Beispiel muss es einfacher werden, die einzelnen Parteien, Mieter, Hausbesitzer und Wohnungsbesitzer zusammenzubekommen (Seite 22). Ein anderes Konzept setzt auf Kleinstanlagen. Diese können zusammen mit einem kleinen Batteriespeicher vermutlich im Jahr 2015 mit dem Netzstrom konkurrieren. Für das Jahr 2020 ist es nach dem Konzept dann möglich, größere Anlagen zu bauen. Dann wird es sich nämlich rechnen, mit Solarstrom zu heizen (Seite 50). Und schon jetzt kommen Komplettsysteme auf den Markt, die Photovoltaikanlagen mit einer Wärmepumpe koppeln. Diese erhitzen Brauchwasser und rentieren sich unter bestimmten Umständen bereits heute (Seite 46).

Doch warum diskutieren die Deckel-Befürworter nicht über diese Themen und denken darüber nach, wie sie die Energiewende und die Entwicklung der Photovoltaik fördern können? Letztere ist in Deutschland trotz beeindruckenden Wachstums immer noch ein zartes Pflänzchen und wird einen Deckel nicht wegstecken. Eine Erklärung für das Verhalten der Deckel-Befürworter ist, dass es nicht um die Energiewende geht, sondern um Machtpolitik (siehe Kommentar, Seite 16) und mal wieder darum, Interessen der Energiewirtschaft zu schützen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Michael Fuhs

Chefredakteur