Hilfe auf dem Weg ins Ausland

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Die Mitarbeiter von Abakus Solar aus Gelsenkirchen nennen ihre Photovoltaikanlage in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh nur den „Frisbee“. Dabei erinnert sie doch eher an eine Fliegenklatsche – was auch zum subtropischen Klima der asiatischen Insel passt. Auf jeden Fall sticht sie ins Auge: Die 32 semitransparenten Module bilden einekühne Dachkonstruktion, die den Kindern auf dem Spielplatz der Europäischen Schule in Taipeh Schatten und Regenschutz spendet. Seit Ende 2009 in Betrieb, bringt die polykristalline 6,8-Kilowatt-Anlage einen Ertrag von etwa 6.200 Kilowattstunden im Jahr. Der Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Zudem dient sie der Schule als Backup-System,das immer dann einspringt, wenn die Energieversorgung ausfällt.

Die von einem renommierten taiwanesischen Architekten entworfene Anlage ist ein echter Hingucker. Und erfüllt damit schon mal ein wichtiges Ziel des Solardachprogramms der Deutschen Energie-Agentur (Dena), mit dessen Mitteln das Photovoltaikdach kofinanziertwurde: Aufmerksamkeit für das Know-how der deutschen Solarindustrie zu schaffen.

„Das Solardachprogramm unterstützt deutsche Unternehmen beim Markteintritt im Ausland“, fasst Claudia Vogel, Bereichsleiterin Regenerative Energien bei der Dena, die Aufgaben der Initiative zusammen. Die Anlagen, die im Rahmen des Programms installiert werden, dienen dabei als Schaufenster für deutsche Solartechnologie. Zugleich bekommen die Unternehmen durch die Projekte die Gelegenheit, Kontakte zu lokalen Installations-, Vertriebs- und After-Sales-Partnern, zu Behörden, Politikern und nicht zuletzt zu potenziellen Kunden zu knüpfen – ein Kickstart für den Markteintritt. „Wir helfen den Firmen zum Beispiel bei der Vernetzung vor Ort, um sicherzustellen, dass das geförderte Projekt keine Eintagsfliege bleibt, sondern Folgegeschäfte auslöst“, erklärt Vogel.

Interesse so groß wie nie

Seitdem die Initiative 2004 ins Leben gerufen wurde, sind mehr als 30 Anlagen – vorwiegend Photovoltaiksysteme, aber auch einige Solarthermie-Anlagen – installiert worden. Heute ist das Interesse am Programm so groß wie nie zuvor: Insgesamt 60 Projekte haben Solarfirmen bei der letzten Ausschreibungsrunde bei der Dena eingereicht. „In der laufenden Runde haben wir 26 Prozent mehr Bewerbungen erhalten als in der vorherigen Programmrunde 2009/2010. Dies sind die meisten Bewerbungseingänge in derGeschichte des langjährigen Programms“, sagt Vogel. Das macht auch das Bundeswirtschaftsministerium glücklich, das das Programm mitfinanziert. „Die Förderung wird sehr stark nachgefragt“, bestätigt ein Sprecher in Berlin.

Auch die Qualität der Bewerbungen, so Vogel, lag höher als in den vergangenen Jahren. Viele Anträge überzeugten mit plausiblen Konzepten zum geplanten Markteintritt. Die Prüfung der Anträge lag wie in den Vorjahren in den Händender Dena, die eine Vielzahl von Kriterien herangezogen hat: unter anderem die „Leuchtturmwirkung“ des Projektes, die geplante Marketing- und Vertriebsstrategie für das Zielland, das Potenzial für die gewählte Technologie oder die Verbreitung der Solarenergie in den jeweiligen Staaten. Elf Projekte hat die Dena schließlich ausgewählt. Die Arbeiten dafür starten in den nächsten Wochen.

Die Investitionssumme der einzelnen Projekte liegt pauschal bei rund235.000 Euro. Den Löwenanteil macht dabei die Solartechnik selber aus. Die verbleibende Summe fließt in PR-, Marketing- und Schulungsmaßnahmen sowie in Beratungs- und Koordinationsleistungen. Je günstiger die Anlage ist, desto mehr Geld bleibt also für Aktivitäten übrig, die der Vernetzung und der Werbung dienen. Insgesamt 45 Prozent der Investitionssumme übernimmt das Bundeswirtschaftsministerium. Dazu kommen immaterielle Leistungen der Dena und anderer Institutionen wie den örtlichen Botschaften, die die Firmen unter anderem bei der Öffentlichkeitsarbeit oder dem Aufbau von Kontakten unterstützen.

Einweihung mit Minister

Gerade von dieser Hilfe habe Abakus Solar sehr profitiert, erklärt Erhard Krausen, der dort für den Geschäftsbereich Gebäudeintegrierte Photovoltaik verantwortlich ist. „Wir haben zur Eröffnung der Anlage mehrere Pressekonferenzen organisiert, hatten Fernseh- und Radioteams vor Ort, und auch der Energieminister des Landes war anwesend. Das hat uns auf die Titelseiten einiger populärer Zeitungen und Zeitschriften gebracht. Als Unternehmen hätten wir das aus dem Stand nicht allein geschafft, weil uns der Zugang zu Medien und Politik fehlte.“ Die Medienpräsenz und die neuen Kontakte führten dann unmittelbar zuneuen Aufträgen, berichtet Krausen. „Wir haben in der Folge in Taiwan eine ganze Reihe von Projekten mit dem Produkt realisiert, das wir für die Schule in Taipeh entwickelt haben. Dazu gehört zum Beispiel die Photovoltaikfassade eines Bankgebäudes“, sagt der Manager. Auch in den kommenden Jahren soll das Solarsystem weiterhin Umsatz bringen: „Die Anlage ist nach wie vor ein wichtiges Referenzobjekt, das wir auf Messen und anderen Veranstaltungen sehr gerne vorstellen.“ Krausens Resümee: „Die Investition war auf jeden Fall gewinnbringend.“ Frank Heise, der bei Centrosolar den Bereich Netzunabhängige Anlagen leitet, zieht ebenfalls ein positives Fazit. Sein Unternehmen hat im Herbst 2010 im Rahmen des Solardachprogramms zusammen mit einem lokalen Partner eine 5,7-Kilowatt-Anlage auf der deutschen Botschaft in Vientiane, der Hauptstadt des südostasiatischen Laos, installiert. Wie in Taiwan speist das System im Normalbetrieb die Energie ins öffentliche Netz ein. Fällt der Strom aus, versorgt es das Botschaftsgebäude. „Wir haben vor Ort viel Resonanz auf unsere Anlage erfahren. Infolgedessen wurden bereits zwei weitere, deutlich größere Anlagen im Land installiert. Das Projekt hilft uns dabei, in der ganzen Region, also nicht nur in Laos, Geschäfte zu machen“, sagt Heisig. Zwar sei der administrativeAufwand groß – „weniger das Schreiben der Anträge als die anschließende Buchhaltung, denn man verpflichtet sich gegenüber den Geldgebern, eine ganze Menge an Daten darzulegen“, sagt der Centrosolar-Manager. Doch sein Fazit bleibt trotzdem positiv: „Die Teilnahme am Programm hat sich für uns gelohnt.“

Gutes Zeugnis für das Programm

Sind solche Urteile repräsentativ für die Erfahrungen der anderen Teilnehmer? Das hat das Beratungsunternehmen VDI/VDE Innovation + Technik Ende vergangenen Jahres im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums untersucht. Die Experten haben dazu Umfragen unter teilnehmenden Unternehmen durchgeführt, ergänzt durch vertiefende Interviews. Diese Analyse war Teil einer umfassenden Evaluation der „Exportinitiative Erneuerbare Energien“, zu der auch andere Instrumente wie etwa ein B2B-Onlineportal, organisierte Auslandsreisen, gemeinsame Messeauftritte oder Markt- und Länderstudien gehören.

Das Fazit der Evaluatoren: „Die Wirkung des Solardachprogramms zur Erschließung von Auslandsmärkten ist sehr positiv zu bewerten.“ Deshalb empfehlen sie, das Programm auf andere Technologien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien auszuweiten. Doch ganz ohne Kritik sind sie nicht. Den Beratern missfällt, dass ein großer Teil der Anlagen auf deutschen Einrichtungen, etwa auf Botschaften, Schulen und Goethe-Instituten installiert worden ist. Die Solarsysteme sollten jedoch bevorzugt dort montiert werden, wo sie eine möglichst große Leuchtturmwirkung entfalten können.

Eine Forderung, die die Dena in der laufenden Runde berücksichtigt hat: So errichten Teilnehmer jetzt Anlagen unter anderem auf einer britischen Universität, einer Fruchtsaftfabrik in Brasilien und den Betriebsgebäuden einer chilenischen Bergbaugesellschaft. Zudem weisen die Prüfer darauf hin, dass andere Instrumente der Exportinitiative – etwa das Auslandsmesse- und das Geschäftsreiseprogramm oder Marktstudien – noch besser als das Solardachprogramm abgeschnitten haben, ohne allerdings dafür aus den Umfragen und den vertiefenden Interviews Gründe ableiten zu können. Antworten darauf gibt vielleicht die Neuauflage der Evaluierung, die zumAbschluss der aktuellen Programmrunde im kommenden Jahr vorgesehen ist.

Hilfe bei der Marktentwicklung

Laos, Äthiopien, Indonesien, Namibia, El Salvador, Indien, Südafrika, Costa Rica, Ägypten – die meisten Anlagen sind in Entwicklungs- und Schwellenländern installiert worden, die bislang noch wenig Erfahrung mit der Sonnenenergie haben. Hier dient das Solardachprogramm jedoch nicht allein dem Markteintritt deutscher Unternehmen. Denn ein solcher Markt muss häufig überhaupt erst einmal entwickelt werden. Die Anlagen, die durch das Solardachprogramm entstehen, können dabei eine große Hilfe sein, demonstrieren sie doch die Zuverlässigkeit und die Leistungsstärke der Technologie.

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Solardachprogramm

Detaillierte Informationen zum Solardachprogramm bietet die Deutsche Energie-Agentur Dena im Internet unter www.exportinitiative.de/solardachprogramm. Interessierte können hier auch Kurzbeschreibungen aller bereits umgesetzten Projekte abrufen.

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Besonders wichtig ist dies für netzgekoppelte Systeme, die mancherorts im Ruf stehen, die Netzstabilität zu beeinträchtigen. „Oft scheuen Ministerien, Behörden und Energieversorger, Netzeinspeisesysteme zuzulassen, wenn sie damit noch keine Erfahrung haben. Diese Hemmschwelle lässt sich überwinden, wenn wir sie überzeugen, die Anlagen als Test zu sehen. Wir sagen: Nehmt die Anlage, um für euch Erfahrungen zu sammeln“, sagt Heisig. In Laos war es genau diese Argumentation, die den lokalen Versorger überzeugte, der Installation der Anlage zuzustimmen. „Die schicken jetzt immer mal wieder ihre Techniker vorbei, die hier und da ein Messgerät einbauen, um zu schauen, was mit dem Netz passiert“, berichtet er. „Der Nutzen des Solardachprogramms liegt also auch darin, die Photovoltaik als Ganzes voranzubringen.“ Das gelte gleichermaßen für Industrieländer, denn auch hier gab und gibt es gelegentlich Vorbehalte gegen die Netzkoppelung, sagt Heisig weiter. Deswegen sei es gerechtfertigt, mit dem Solardachprogramm ebenso Projekte in Europa, Nordamerika oder Australien zu fördern. Dem stimmt Claudia Vogel von der Dena zu: „Das Programm ist mehr als die Förderung von Entwicklungs- und Schwellenländern. Es geht darum, die Qualität von ‚Renewables made in Germany’ zu demonstrieren sowie den Wissenstransfer im Bereich innovativer Technologien zu fördern. Das kann auch in Industrieländern stattfinden.“ Als Beispiel nennt sie ein Projekt an der Universität Southhampton, wo die Solaranlage in den Lehrplan der Hochschule eingebunden ist. Die Studenten erfahren also ganz praktisch, was deutsche Technologie in England leisten kann.

Auch bei der in vielen Ländern geführten Diskussion über die Einführung einer Einspeisevergütung können die Anlagen eine positive Wirkung haben, ist Frank Heisig überzeugt. Zeigen die im Rahmen des Programms installierten Solarsysteme doch, dass sich die Photovoltaik auch unter den Bedingungen des jeweiligen Landes sinnvoll nutzen lässt. So profitiert nicht nur ein Unternehmen, sondern gleich die ganze Branche vom Solardachprogramm.

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