Ab ins Netz

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Eine junge Frau steht verzweifelt mit ihrem Laptop am Stand der photovoltaikin Valencia. Sie rennt von einer Ecke des Standes zur nächsten. Messereporterin Sasa Malek soll von der EU PVSEC bloggen und kommt einfach nicht ins Internet. Sie sieht den Hauptgewinn – ein iPad – in weite Ferne rücken. Sie fasst sich ein Herz, geht zum Nachbarstand, und siehe da – dort funktioniert das Internet. Schnell beginnt sie, ihre Recherchen in einem Blogbeitrag zusammenzufassen. Eile ist geboten, denn eine stabile Netzverbindung kann in Valencia niemand garantieren. Zugleich nutzt Sasa Malek die Chance, sich mit den Mitarbeitern am Stand zu unterhalten, und schon ist das Thema für den nächsten Blogbeitrag gefunden.

Fünf Messereporter waren für die photovoltaikund das pv magazineauf der 25. EU PVSEC in Valencia unterwegs. Sie berichteten aus ihrer Perspektive für die Leser über die Erfahrungen und Erlebnisse auf und abseits der Messehallen. Ein Tenor ihrer Berichte: Außer Mittwoch war nicht viel los in Valencia. Statt voller Hallen und Gedränge an den Ständen wie auf der Intersolar in München gab es somit mehr Zeit für Gespräche.

In dieser Ausgabe porträtieren wir unsere Messereporter und veröffentlichen ihre besten Blogeinträge. Eine Fachjury kürte auch einen Sieger, denn die Mühe unserer Messereporter sollte nicht vergebens sein. Die Gewinnerin eines iPads, der von Satcon gesponsert wurde, ist Sasa Malek. Ihre Beiträge seien künstlerisch und vom Mut her eine Höchstnote wert, begründete Lars Waldmann, Direktor Public Relations der Schott Solar AG, die Wahl. Ihre Einträge seien sehr kurzweilig, bestätigte auch Mitjuror und Herausgeber der photovoltaik Karl-Heinz Remmers.

Unsere Messereporter

Sasa Malek

Die Slowenin Sasa Malek hat gerade ihr Aufbaustudium „Nachhaltiges Ressourcenmanagement“ an der Technischen Universität München abgeschlossen. Sie verfügt bereits über journalistische Erfahrungen im Bereich Cleantech. Sasa Malek interessierte sich auf der EU PVSEC besonders für die Effizienz von Solarmodulen, die Erforschung neuer Materialien für die Photovoltaik und die Anwendbarkeit von Photovoltaik in anderen „grünen“ Industriezweigen.

Brandon Mitchener

Brandon Mitchener ist Kommunikationschef für die EMEA-Region des US-Dünnschichtherstellers First Solar. Er arbeitete 15 Jahre als Journalist, unter anderem für das Wall Street Journal und Dow Jones International Newswires. Außerdem war der US-Amerikaner beratend für börsennotierte Unternehmen und Wirtschaftsvereinigungen tätig.

Tobias Glattbach

Tobias Glattbach arbeitet im Produktmanagement der Firma GEMÜ Gebr. Müller Apparatebau und ist im Fachbereich Semiconductor unter anderem für die Photovoltaikindustrie zuständig. Nach mehrjähriger Tätigkeit bei einem führenden Anbieter für Luft- und Raumfahrttechnik im Bereich Test- und Launch-Support für Satelliten mit chemischen Antriebssystemen wechselte er 2008 zur Firma GEMÜ und betreut dort unter anderem hochreine Prozessventile und Druckmesstechnik für die Halbleiterindustrie. Er interessierte sich in Valencia besonders für die Produktionstechnik von Dünn- und Dickschicht-Photovoltaikzellen.

José María Llopis Reyna

José María Llopis Reyna ist Generaldirektor der spanischen Tochtergesellschaft der internationalen IBC-Solar-Gruppe. Wegen der Ungewissheit des spanischen Photovoltaikmarktes fand Jose María Llopis Reyna die Verbindung mit Herstellern, Lieferanten und Kunden in Valencia ganz wichtig, um die zukünftige „Markt-Szene“ möglichst bald zu verstehen. Er wollte die Messe in erster Linie dazu nutzen, die IBC-Solar-Marke zu stärken und die Anerkennung von IBC Solar als internationale Gruppe zu konsolidieren.

Nancy Komrowski

Nach dem Studium der Wirtschaftshispanistik begann Nancy Komrowski im März 2009 als Angestellte bei Heckert Solar, einem jungen Solarmodulhersteller in Chemnitz. Sie ist in der Abteilung Marketing und Vertrieb zuständig für die Unternehmenskommunikation sowie die Messeplanung und -organisation von Heckert Solar. Auf der PVSEC in Valencia betreute sie den Stand des Unternehmens und beobachtete außerdem die Präsentation und die Wirkung des Wettbewerbs.

Herstellerverantwortung ist der Schlüssel, Kundenverantwortung der Katalysator!

Sie haben Solarmodule auf Ihrem Dach installiert und sind fest davon überzeugt, dass Sie nachhaltig agieren, also zur Produktion nachhaltiger Energie beitragen und auch noch Geld sparen, stimmt‘s? Nun ja, so einfach ist es nicht: Solarmo dule bedeuten auch, dass Sie eine Menge Sondermüll in Ihrem „Hinterhof“ beziehungsweise auf Ihrem Gewissen haben.

Betrachtet man das Treibhausgaspotenzial (GWP), so entstehen bei der europäischen Produktion eines Solarmoduls von einem Quadratmeter Größe zwischen 20 und 25 Gramm CO2. Für die Produktion in den USA ist der Wert doppelt so hoch. Zudem macht man sich beim CO2-Vergleich noch gar keine Gedanken über die ganzen Schwermetalle, gefährlichen Chemikalien und schmutzigen und teuren Verfahren, die bei der Produktion der „umweltfreundlichen“ Technik eingesetzt werden.

In diesem Jahr demonstriert die EU PVSEC, wie leichte Änderungen bei der Produktion von Solarzellen wörtlich Kosten in Höhe von Millionen oder (wie in einigen Fällen) sogar Milliarden Euro einsparen können. Dazu werden noch Tonnen von Sondermüll vermieden, und die Herstellerverantwortung wird in einer Art eingeführt, die das Potenzial für eine tiefgreifende Transformation der Branche hat.

Selbstverständlich wäre es von den Kunden von Solarmodulen zu viel verlangt, über alle schmutzigen Details bei der Produktion der Module informiert

zu sein. Meiner Meinung nach wäre es jedoch hilfreich, wenn eine Standardformel für alle Industriezweige, die Produkte für vermeintlich nachhaltige Energie produzieren, eingeführt würde, woran die Kunden ersehen können, wie nachhaltig die Unternehmen wirklich agieren. (Sasa Malek)

Solar-Pessimisten fehlt der Blick aufs Ganze

Ich komme nicht umhin, die Blog-Woche von der Messe mit einem Plädoyer für mehr Weitsicht zu beginnen: Heute morgen stand im Handelsblatt, Deutschlands führender Wirtschaftszeitung, ein pessimistischer Artikel mit dem Titel „Für die Solarkönige sieht es düster aus“. Die Botschaft scheint zu sein, dass die Solarindustrie den Gipfel bereits überschritten hat, während Regierungen den Preis für Solaranlagen-Trägersysteme in Frage stellen und neue Wettbewerber den Markt aufmischen.

Das Problem ist, dass der Artikel nur in die Vergangenheit schaut. Ja, die Gewinne in der Branche waren früher wohl höher. Ja, die Einspeisevergütungen fielen in der Vergangenheit großzügiger aus. Ja, wir sehen, wie die „Rache der fossilen Brennstoffe“ allmählich nachlässt. Aber seien wir ehrlich, es ist immer noch viel Leben in der Branche. Dies bestätigt sich, wenn man sich in dieser Woche auf der PVSEC umschaut. Viele Unternehmen verdienen immer noch viel Geld, es gibt weiterhin technische Verbesserungen, die Kosten sinken. Und was am wichtigsten ist: Der Markt schrumpft nicht, sondern er wächst weiterhin!

Der US-Solarmarkt nimmt gerade volle Fahrt auf. China ist immer noch in den Startlöchern. Australien legt los. Der Nahe Osten zeigt Interesse. Betrachtet man die langfristige Perspektive der Branche, dann wird sehr deutlich, dass es nur aufwärts gehen kann. Die Frage ist natürlich, ob alle bei der Reise dabei sein werden.

Der Artikel zitiert einen Finanzanalysten, nach dessen Worten es nur zwei wahre Strategien gibt: Kosten- und Qualitätsführerschaft. Sicherlich sind Kosten und Qualität von Bedeutung. Ich denke jedoch, dass die Marktstrategie auch ziemlich wichtig ist.

Man muss dort sein, wo die Märkte sind, und dort wettbewerbsfähige Produkte verkaufen. Das ist nicht nur eine Frage von Kosten und Qualität, sondern unter anderem auch von Marketing, Vertrieb und Finanzierung. Lassen Sie sich von der düsteren deutschen Stimmung nicht entmutigen. In Valencia scheint die Sonne, und ich bin sicher, dass es der Solarbranche besser geht, als das Schicksal einiger deutscher Unternehmen vermuten lässt. (Brandon Mitchener)

Was ist mit der Dünnschicht los?!?

Nach dem erwarteten schwachen Start der Messe gestaltete sich der zweite Messetag deutlich besser. Die Gänge der Messehallen waren über den ganzen Tag deutlich höher frequentiert als am Montag. Bei einem ersten Rundgang in der Messehalle 2, in der viele große Anlagenbauer und Zulieferer die Besucher erwarten, fallen zahlreiche Neuerungen im Anlagenbau auf. Die anfänglich hochgelobte Dünnschichttechnologie scheint ihren „Run“ und somit die Akzeptanz des Marktes verloren zu haben. Ein deutliches Zeichen dafür ist die Entscheidung vom weltweit führenden Anlagenbauer Applied Materials (USA), die Produktion und den Verkauf der Sunfab einzustellen. Nach mehreren Gesprächen mit Brancheninsidern wird dennoch ein zukünftiger Marktanteil von bis zu 25 Prozent prognostiziert – je nach Quelle.

Der deutsche Anlagenbauer Singulus Stangl, mit hervorragenden Referenzen, präsentiert auf der Messe die neue Anlage „Solutus“, ein neues Tool zur Herstellung von Dünnschichtzellen. Singulus Stangl setzt dabei auf ein neues Herstellungsverfahren und baut somit weiter auf die Dünnschichttechnologie. Die Strategie scheint vielversprechend! Durch einen neuen Gas-Prozess kann auf die Verwendung von Cadmium in der Zelle verzichtet werden. Zusammen mit dem Helmholtz-Zentrum in Berlin beziehungsweise dem Hahn-Meitner-Institut konnte Singulus Stangl das Verfahren zur Marktreife entwickeln. Der Wirkungsgrad der Zellen liegt bei guten 14,7 Prozent!

Die deutsche Firma Festo, ein führender Anbieter von Automatisierungstechnik, präsentiert das mit dem Intersolar Award ausgezeichnete H-Portal. Eine Lösung, die in der Herstellungskette der Photovoltaikzellen eingesetzt werden soll. Mit dem neuen System kann das Handling der sensiblen Zellen beschleunigt werden, um somit die Produktionsmenge zu steigern. Zudem soll die Bruchrate beziehungsweise die Ausschussrate durch zerbrochene Zellen deutlich reduziert werden. Der Preis des neuen H-Portals liegt im Vergleich zu anderen handelsüblichen Handlingsystemen deutlich günstiger. (Tobias Glattbach)

Funktion vor Design

Heute Vormittag habe ich mich kurz von meinen Kollegen verabschiedet, um mir die Messestände der anderen Aussteller anzusehen. Nachdem ich alle Hallen der PVSEC besucht habe, möchte ich gerne über etwas schreiben, was mich sehr überrascht hat – die Einfachheit der Stände. Ich hatte erwartet, dass die Aussteller sich ähnlich aufwändig präsentieren würden wie beispielsweise auf der Intersolar – zumal viele Aussteller ja auf beiden Messen vertreten sind. Doch statt ausgefallenem Design und komplexen Ständen habe ich eher einfache, gerade Strukturen vorgefunden.

Man scheint hier auf der PVSEC eher auf Funktion statt auf Design zu setzen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber insgesamt sind die Messestände deutlich kleiner, einfacher und weniger auffällig als auf der Intersolar in München. Heute, am zweiten Messetag, habe ich das Gefühl, dass sich die Hallen langsam füllen und mehr Besucher unterwegs sind. Aber die Unsicherheit über die Zukunft des spanischen Marktes schwingt immer mit. (Josè María Llopis Reyna)

Aus und vorbei

Die diesjährige PVSEC gehört nunmehr der Vergangenheit an, und man muss sich ernsthaft die Frage stellen, ob die Veranstaltung in zwei Jahren wieder in Valencia stattfinden wird. Vereinzelt hört man Stimmen, die von einer Verlegung an einen anderen Standort, in ein anderes Land reden. Valencia ist eine sehenswerte Stadt und hat viel zu bieten. Auch das Messezentrum ist ansprechend und großzügig gestaltet. Problematisch wird es allerdings bei der Anreise nach Valencia.

Hinzu kommen die offensichtlichen wirtschaftlichen Probleme des Landes. Vergleicht man die PVSEC mit anderen wichtigen Events der Branche, kommt man zu dem Ergebnis, dass die Gespräche zwar technischer und detaillierter aussahen, die Besucherzahlen jedoch enttäuschen. Möglicherweise werden wir in zwei Jahren in einer anderen Messestadt ausstellen. Ich schlage Lissabon vor. Schließlich gibt es noch keine nennenswerte Photovoltaikmesse in Portugal. Wir werden sehen … (Nancy Komrowski)

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