Ex-Conergy-Chef kritisiert Nachfolger

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Der ehemalige Chef der Conergy AG, Hans-Martin Rüter, weist in einem Interview alle Vorwürfe wegen Bilanzfälschung im Geschäftsjahr 2006 zurück. „Unsere damaligen Wirtschaftsprüfer Deloitte und auch ein zweiter Wirtschaftsprüfer bestätigten die Vertretbarkeit unserer Bilanzansätze. Am Ende erwarte ich, dass unsere Bilanzierung bestätigt wird. Damit erledigen sich dann alle weiteren Vorwürfe“, sagte Rüter dem „Hamburger Abendblatt“ (Dienstagausgabe). Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Rüter und einige frühere Manager von Conergy wegen Insiderhandels, Kursmanipulation und Bilanzfälschung.

Rüter zeichnet in dem Interview zudem die Situation aus dem Jahr 2007 nach. Damals habe er als Conergy-Chef Ende Oktober die Nachricht erhalten, dass Lieferanten „substanzielle Mengen an Solarmodulen von November auf Mitte Dezember“ verschieben mussten. Darin habe wetterbedingt ein Risiko gelegen, räumte Rüter ein. Daher habe Conergy die Mengen vorsorglich aus der Planung genommen und eine Umsatz und Gewinnwarnung veröffentlicht. Die von Aufsichtsrat bestellten Gutachter hätten damals die Pläne validiert und Anfang November einen Umsatz von 1,17 Milliarden Euro errechnet. „Dies zeigt, dass wir nicht zu euphorisch kommunizierten und bis zu meinem Ausstieg eine sehr potente Conergy hatten“, sagte Rüter weiter. Er stellte zudem fest, dass er das Unternehmen damals freiwillig verlassen habe. Er sei weder von den Bankern noch den Aufsichtsräten aufgefordert worden, sein Amt niederzulegen. Dieter Ammer, sein Onkel zweiten Grades, wurde damals sein Nachfolger als Vorstandsvorsitzender.

Ammer habe nach seiner Amtsübernahme „zu viele Baustellen auf einmal aufgerissen“, sagte Rüter im Interview. Dies habe damals dazu geführt dass im eigentlich umsatzstärksten vierten Quartal „viele Geschäfte verloren gingen und wichtige Mitarbeiter kündigten“. Der Einkauf sei verwaist gewesen und Lieferverträge seien nicht abgeschlossen worden. „Falsch ist es zu behaupten, Conergy wäre damals wegen strukturimmanenter Probleme in die Verlustzone geraten“, so Rüter. Er hat mittlerweile eine neue Firma gegründet. Über RütInvest investiert er in neue Unternehmen. (Sandra Enkhardt)