Solarenergie ist ein globales Geschäft

Der weltweite Wettbewerb in der Photovoltaik nimmt zu. Mit welcher Strategie wollen Sie Ihren Marktanteil erhöhen?

Zunächst ist Technologie sehr wichtig. Canadian Solar ist fast jedes Jahr die Markteinführung neuer einflussreicher Produkte gelungen. Das führt zu mehr Leistung und niedrigeren Kosten, was für die Industrie von großer Bedeutung ist.

Können Sie mir Beispiele für die neuen einflussreichenProdukte nennen?

Im Jahr 2008 führten wir als erstes Unternehmen kostengünstige und zuverlässige Module aus metallurgischem Silizium ein, die E-Module. Die Preise für Polysilizium waren seinerzeit sehr hoch. Somit waren wir das erste Unternehmen, das kostengünstiges Silizium vermarktete und hochzuverlässige Solarmodule herstellte. Das war im Jahr 2008 eine der großen Erfindungen.

Ist dies angesichts des starken Preisverfalls für Ihre Wettbewerbsfähigkeit weiterhin relevant?

Sie haben Recht: Der Siliziumpreis ist gegenwärtig sehr niedrig. Da wir aber auch eine Kostensenkung bei den regulären Modulen erreicht haben, ist dieser Aspekt nicht so bedeutsam wie zuvor. Wir führen diese kostengünstige E-Modul-Produktlinie jedoch fort.

Wie hoch ist der Anteil in Ihrem Portfolio?

Das E-Modul macht fünf bis acht Prozent unserer Gesamtproduktion 2010 aus.

Welche innovativen Produkte haben Sie in den anderen Jahren eingeführt?

2009 haben wir zwei neue Produktlinien eingeführt, wofür wir in den USA sehr hohe PTC-Bewertungen erhalten haben. In Kalifornien gibt es noch einen Test namens PV USA. Bei diesem Test wird die Leistung von Solarmodulen in der Praxis mit den Ergebnissen des Labortests verglichen. All unsere neuen Produkte erhielten die höchsten PV-USA-Testergebnisse.

Welche Modultypen sind das?

Es handelt sich um unsere neuen Module CS5A und CS6P. Außerdem haben wir 2010 Hochleistungsmodule mit der von uns verbesserten selektiven Emitter-Technologie eingeführt. Wir sprechen von ESE-Technologie. Der Wirkungsgrad monokristalliner Solarzellen wird dadurch von derzeit 17,3 Prozent auf 18 bis 18,5 Prozent gesteigert werden.

Was bedeutet das für Ihr globales Geschäft?

Neue Technologien sind eine Möglichkeit, um der Konkurrenz voraus zu sein, und wir glauben, dass Solarenergie ein globales Geschäft ist. Um als Global Player erfolgreich zu sein, brauchen Sie eine globale Reichweite. Gegenwärtig ist Canadian Solar auf zehn Märkten weltweit aktiv und in acht dieser zehn Märkte haben wir lokale Niederlassungen. Die Märkte sind Deutschland, Italien, die Tschechische Republik, Spanien, Frankreich, China, Korea und Japan, und wir sind auch in den USA und in Kanada stark vertreten.

Wie viele Menschen beschäftigen Sie in allen regionalen Niederlassungen zusammengenommen?

Insgesamt sind es etwa 60 Mitarbeiter. Dazu kommt ein 30-köpfiges Team in unserer Zentrale in Kanada. Sobald das dortige Werk eröffnet wird, wird die Zahl der kanadischen Mitarbeiter 200 erreichen.

Zurück zu den innovativen Produkten. Wie viel Geld wenden Sie für Forschung und Entwicklung auf?

Derzeit wenden wir etwa ein Prozent unseres Gesamtumsatzes für Forschung und Entwicklung auf. Wir beabsichtigen jedoch eine Steigerung dieser Ausgaben auf rund drei Prozent innerhalb von zwei bis drei Jahren.

Ihre Konkurrenz wie zum Beispiel Suntech betreibt eigene große Forschungslabors. Unternehmen Sie Ähnliches?

Ja. Wir haben drei Forschungs- und Testzentren. Eins befasst sich mit Ingot-Wafern, eins mit hocheffizienten Solarzellen und das dritte mit Modul- und Systemtechnologien sowieZuverlässigkeitsprüfungen. Auf der Testanlage für Zuverlässigkeitsprüfungen etwa hat Canadian Solar das einzige nach ISO 17025 zertifizierte herstellereigene Testlabor.

Haben Sie dazu spezielle Partnerschaften mit Prüfinstituten wie UL, TÜV oder Fraunhofer ISE oder anderen wissenschaftlichen Instituten?

Wir haben mit allen von Ihnen angesprochenen Prüfzentren starke Partnerschaften. So haben wir zum Beispiel all unsere Richtlinien der Kalibrierung vom Fraunhofer ISE übernommen. Zusätzlich arbeiten wir eng mit TÜV und VDE in Deutschland zusammen. Dort werden auch unsere Produkte zertifiziert. In den USA unterhalten wir eine globale Partnerschaft mit Intermac, einer der weltweit größten Testgruppen. Und wir haben auch Beziehungen zu UL. In Kanada arbeiten wir mit der CSA zusammen. Darüber hinaus beteiligen wir uns an einigen der einflussreichsten Normen-Gremien und Technologie-Gesellschaften. So sind wir zum Beispiel Mitglied des TC 82, des Normen-Gremiums, das für die Ausarbeitung und Einführung jeglicher Normenrevisionen der Solarnorm IEC 61815 zuständig ist. In diesem Gremium sind wir Vollmitglied. Zudem sind wir bei der SEMI voll eingebunden. Ich wurde gerade erst zum Vorsitzenden des Beirats bei SEMI China gewählt.

Glauben Sie, dass Ihre Kunden beziehungsweise die Endkunden die hohe Qualität, die Sie anstreben, tatsächlich schätzen und dafür bereit sind zu zahlen?

Das ist eine sehr gute Frage. All unsere Kunden wünschen sich hohe Qualität und einen niedrigen Preis. Meiner Meinung nach ist es unsere Pflicht, beides zu erreichen. Hohe Qualität ist vorrangig, da Solarmodule eine Lebensdauer von 25 Jahren haben. Investoren kalkulieren ihre Gewinne auf der Grundlage dieser Lebensdauer. Gleichzeitig müssen wir die Kosten für Solarenergie senken, um Netzparität zu erreichen und schließlich ohne Subventionen wettbewerbsfähig zu sein.

Planen Sie eine Kostenreduzierung für Ihre Produkte?

Wir sind einer der kostengünstigsten Produzenten von Silizium-basierten Technologien. Ich glaube, dass wir zusammen mit den Anstrengungen unserer Lieferanten zu den ersten Firmen gehören werden, die Netzparität erreichen.

Und wie sehen die konkreten Zahlen dazu aus?

Wir möchten in den nächsten drei bis fünf Jahren einen Dollar pro Watt bei den Modulproduktionskosten erreichen. In Zusammenarbeit mit unseren Partnern wollen wir bei den gesamten installierten Kosten auf zwei bis 2,5 Dollar pro Watt kommen.

Zurück zu Ihrer Strategie. Es scheint, dass Sie eine etwas andere Strategie als Trina oder Yingli verfolgen, da Sie sich mehr auf die Produktion von Modulen und den Kauf größerer Mengen von Ingots und Zellen konzentrieren. Haben Sie die Absicht, diesen Kurs fortzusetzen?

Zunächst meine ich, dass wir uns stark von den Firmen, die Sie eben erwähnt haben, unterscheiden. Wir sind ein kanadisches Unternehmen mit Sitz in Kanada. Das bedeutet, dass der Führungsstil und der weltweite Kundendienst auf viel höherem Niveau sind. Auch das schätzen die Kunden. Gleichzeitig produzieren wir in China. Der Vorteil dabei ist die kostengünstige Produktion. Das nennen wir flexible vertikale Strategie. Wir sind vertikal integriert, haben jedoch einen Downstream-Schwerpunkt. Folglich haben wir für Module größere Produktionskapazitäten als für Zellen und einen viel größeren Einfluss auf Zellen- und Waferhersteller als andere große Solarunternehmen. Wir möchten diese Strategie fortführen, da auf diese Weise Kapitalkosten reduziert werden können und die nötige Flexibilität beim Reagieren auf den Marktbedarf erhalten bleibt. Durch diese Strategie war es uns möglich, eine gesunde Bilanz zu halten. Sogar während der Krise blieben wir finanziell stark. Dadurch können wir unseren Kunden viel Support bieten. In einigen Fällen haben wir sogar in Solarprojekte in Deutschland investiert.

Stellt Ihre hohe Produktionskapazität für Sie kein Problem dar? 2009 lag Ihre Produktion bei rund 300 Megawatt bei einer Produktionskapazität von über 800 Megawatt.

Nein, weil wir absichtlich eine hohe Modulkapazität eingerichtet haben. Wir können diese Kapazität für Solarmodule relativ preisgünstig erreichen. Hinzu kommen unsere flexiblen Vertriebsstrategien für Wafer und Zellen. So sind wir in der Lage, auf die Marktnachfrage schnell zu reagieren. Im März wird unsere Kapazität mehr als ein Gigawatt erreichen.

Wird Deutschland für Sie ein bedeutender Markt bleiben, obwohl die Einspeisetarife gesenkt worden sind?

In den kommenden Jahren wird Deutschland der größte Markt für uns bleiben. Der dortige Markt ist sehr effizient. Dort gibt es äußerst starke und qualifizierte Installationsunternehmen und starke Systemintegratoren. Zudem verstehen die deutschen Banken etwas von Solarenergie. Sie wissen, wie Solarprojekte zu finanzieren sind. Aber natürlich sehen wir auch Wachstum in vielen anderen Märkten wie zum Beispiel Italien, den USA, Kanada, Japan und China.

Gibt es auf diesem Produktionsgebiet eine starke Zusammenarbeit mit der europäischen beziehungsweise mit der deutschen Ausrüstungsindustrie?

Ja, eine sehr bedeutende. Bei der Solarzellenausrüstung kaufen wir hauptsächlich bei deutschen und italienischen Firmen wie Roth & Rau oder Centrotherm ein. In Deutschland gibt es auch einige Produzenten für Halbleiter-Diffusions-Ausrüstung. Zudem gibt es einige Unternehmen, die Siebdruck und Prüfgeräte anbieten. Deutsche und europäische Unternehmen sind auch sehr gut in Sachen Wafersägen. Bei Ingot-Öfen sind US-Unternehmen gut. Und chinesische Firmen produzieren gute Solar-Laminatoren. Europäische Technologie und Ausrüstung hat die Massenproduktion in Asien erst ermöglicht. Dann wiederum ermöglichten die niedrigen Produktionskosten in Asien eine gute Downstream-Installation in Deutschland. Und dann haben die deutschen Systemintegrationsfirmen und Händler ihre Systemexpertise in andere europäische Länder und auch einige Länder Asiens und Nordamerikas exportiert. Alles in allem sehen wir eine globale, vernetzte Photovoltaikindustrie, wobei viele Länder vom Wachstum erneuerbarer Energien profitieren.

Das Interview führte Hans-Christoph Neidlein.

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Zitat

„Neue Technologien sind eine Möglichkeit, um der Konkurrenz voraus zu sein.“

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