Warnung vor zu starken Kürzungen

Die Diskussion über die zusätzliche Kürzung der Photovoltaik-Förderungen gewinnen an Brisanz. Verschiedene Medien berichten in ihren aktuellen Ausgaben von Plänen des Bundesumweltministeriums, die Preise bis zu 20 Prozent zusätzlich kürzen zu wollen. Allerdings gibt es derzeit noch keine Entscheidung, wie auch eine Ministeriumssprecherin wiederholt betonte. Diese wird nun für die kommende Woche erwartet. Allerdings warnen Experten vor zu drastischen Einschnitten, da dies für den deutschen Photovoltaik-Standort existenzgefährdet sein könnte.

Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) sind die Preise für Photovoltaik-Anlage von durchschnittlich 4000 Euro pro Kilowatt Ende 2008 binnen eines Jahres auf etwa 3200 Euro pro Kilowatt gefallen. Dies sei auf Basis fortlaufender Marktumfragen durch EuPD Research ermittelt worden. Der Verbraucherzentralen Bundesverband (vzbv) geht aber von gänzlich anderen Preisen aus und fordert daher die extreme Absenkung der derzeit geltenden Vergütung von gut 39 Cent je Kilowattstunde um 30 Prozent zum 1. Juli 2010. Die Kalkulation des vzbv basiert auf der Annahme, dass die Preise für Photovoltaik-Anlagen in diesem Jahr nochmals deutlich sinken werden. Die Verbraucherschützer rechnen mit Komplettpreisen von 2200 Euro pro Kilowatt. Im Hintergrundpapier des vzbv werden die Preise unter anderem mit den Erwartungen begründet, dass wegen des gefallenen Siliziumpreises die Solarmodule bereits für 1,30 Euro pro Wattpeak zu kaufen seien. Die restlichen Kosten für Montage, Wechselrichter, Kabel, Netzanschluss beliefen sich auf 0,8 bis ein Euro pro Wattpeak. Allerdings impliziert diese Modellrechnung, dass die Module direkt an den Installateur verkauft und ohne Marge an den Kunden weitergegeben werden. Handel, Systemintegratoren, Vorsorge für Reklamationen oder auch andere Qualitätsanbieter werden bei diesem Modell nicht berücksichtigt. Bei diesen Komplettpreisen reiche eine Vergütung von rund 24 Cent je Kilowattstunde aus, heißt es in dem Hintergrundpapier. Damit ließe sich noch immer eine Rendite von sechs Prozent erwirtschaften, die aus Sicht des vzbv für Investoren ausreichend sei.

Preisverfall 2010 weniger rasant

Aus Sicht von Experten existiert dieses Preisniveau nicht. Zudem sei nicht mit einem ähnlichen Preisverfall wie im Jahr 2009 zu rechnen. Selbst die bereits kostengünstigen chinesischen Hersteller werden in diesem Jahr nicht von weiteren Zins- oder Währungssenkungen profitieren. Mit der gesetzlich festgeschriebenen Degression sei zudem bereits eine moderate Preisanpassung vorgenommen worden. Realistisch sei, dass die mittleren Preise für kleinere Anlagen im ersten Quartal auf etwa 3000 Euro pro Kilowatt sinken werden. Die Preise für Großanlagen werden derzeit mit etwa 2700 Euro pro Kilowatt taxiert.

50.000 Arbeitsplätze gefährdet

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) warnt indes, dass bei einer schnellen zusätzlichen Absenkung der Photovoltaik-Förderung im zweistelligen Prozentbereich „große Teile der Solarwirtschaft nicht überleben“ könnten. Es stünden in diesem Fall rund 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland auf dem Spiel. Der Verband verlangt daher „Rückhalt aus der Politik“ und eine „zuverlässige Förderpolitik mit Augenmaß“. Zwar sei eine schnelle Absenkung möglich, sie müsse sich aber am Marktwachstum orientieren, sagte BSW-Solar-Präsident Günther Cramer. Auch der einem starken Zubau dürfe die Einspeisevergütung für Solarstrom nicht um mehr als 14 Prozent jährlich sinken. Ähnlich sieht dies auch Grünen-Politiker Hans-Josef Fell, der Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) „Sonntagsreden über die technologische Bedeutung der erneuerbaren Energien“ vorwirft. „Wer will, dass die deutsche Solarindustrie wettbewerbsfähig bleibt und die Kosten schnell senken kann, braucht eine Technologiestrategie für die Photovoltaik und einen verlässlichen deutschen Binnenmarkt. Davon ist bei der Bundesregierung nichts zu erkennen“, so Fell. Analysten sehen die Vorschläge, über die derzeit spekuliert werden ebenfalls kritisch. Neben der LBBW gab nun auch die BHF-Bank ein Statement zu den Gesprächen am Mittwoch im Bundesumweltministerium ab. Die Bundesregierung laufe Gefahr, denselben Fehler zu begehen wie auf dem Biokraftstoffmarkt, sagt BHF-Analyst Goetz Fischbeck. Dieser liegt in Deutschland nahezu brach. (Sandra Enkhardt)