Batteriespeicher an Kellerwand

Solarwatts neuer Batteriespeicher
Foto: Solarwatt

Solarwatt macht Tesla Konkurrenz

02. Juni 2015 | Speicher und Netze, Topnews, Märkte und Trends

Der sächsische Systemanbieter hat ein Batteriespeichersystem vorgestellt, das ähnlich günstig ist und eine ähnliche Technologie benutzt wie der Autobauer aus Kalifornien.

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Noch vor einem guten Monat hätte das Produkt aus Sachsen allein für sich gestanden. Jetzt stand der Vergleich mit Tesla vom Anfang an im Raum. Schon bei der Vorstellung des Solarwatt CEOs Detlef Neuhaus hieß es: „es geht darum zu zeigen, was wir Tesla entgegensetzen können“.

Das ist einiges. Solarwatt hat ein Speichersystem entwickelt, das dem von Tesla ähnelt, nicht viel mehr kostet und sogar schon in einigen Wochen zu kaufen sein wird. Es heißt MyReserve 500 und soll für Endkunden ohne Installation 5499 Euro inklusive Mehrwertsteuer zu haben sein. Die Installation dürfte um die 450 Euro kosten. Es hat eine nutzbare Kapazität von 4,4 Kilowattstunden. Das System hält nach Aussage von Solarwatt 4.100 Zyklen und kann damit im Prinzip 15 bis 20 Jahre mit einem Zyklus pro Tag (außer im Winter) laufen. Mit Batteriemodulen à 2,2 Kilowattstunden lässt sich das Speichersystem bis auf 11 Kilowattstunden Kapazität ausbauen.

Der Systemwirkungsrad, wenn man einmal die Batterie lädt und entlädt, ist 93 Prozent. In der pv magazine Marktübersicht berechnen wir den Wirkungsgrad Modul->Batterie->Verbraucher, teilweise mit Berücksischtigung von Batterieverlusten, teilweise ohne. Der Solarwattspeicher benötigt einen Wechselrichter. Bei einem möglichen Wechselrichter-Wirkungsgrad von 98 Prozent liegt der Wirkungsgrad des Speichers inklusive der Leistungselektronik und der Batterieverluste damit bei 92 Prozent. Das ist Spitzenklasse.

Detlef Neuhaus lässt kaum einen Punkt aus, um die Einzigartigkeit und den Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern zu betonen. Nachdem vor einem Jahr die Sicherheitsfragen bei Batteriespeichern so hochgekocht seien, hätten sie entschieden, auch die Batterien selbst zu bauen. Nur so seien sie in der Lage, sowohl ein sicheres als auch ein wirtschaftliches System anzubieten. Solarwatt hat für den Speicher nach eigenen Aussagen bereits die Bestätigung eines Zertifizierers, dass er dem neu veröffentlichten Sicherheitsleitfaden entspricht. Damit ist das Unternehmen eines der ersten auf dem Markt. Ganz alleine, wie Neuhaus sagt, ist Solarwatt damit allerdings nicht. Außerdem ist zu erwarten, dass sich in den nächsten Monaten die Meldungen häufen, dass Hersteller Konformitätsbestätigungen erhalten.

Auch darauf, wie einfach die Installation ist, ist Neuhaus stolz. Das System kommt in vier Teilen: der Wandseite des Schaltschranks mit der Leistungselektronik und zwei Batteriemodulen. Jedes dieser Teile wiegt unter 25 Kilogramm. Dazu kommt als viertes Teil die Haube. „Es war unser Ziel, dass ein Installateur das System alleine installieren kann“, sagt Neuhaus. Während der Präsentation in Dresden führt das ein Mitarbeiter live vor.

Komplettpaket mit Photovoltaik
Für Detlef Neuhaus vollendet sich mit dem Speichersystem der Wandel des ehemaligen Modulherstellers zum Systemanbieter. Nun könnten Kunden von Solarwatt Module, Speicher und Energiemanager beziehen. Das Komplettpaket mit einer 3,12 Kilowattpeak-Photovoltaikanlage kostet netto ohne Installation 8999, brutto mit Installation dürften das nach Solarwattangaben zirka 12.500 Euro sein. Der Energiemanager erlaube auch das Management von anderen Verbrauchern wie zum Beispiel Wärmepumpen.

Solarwatt hat sich nach der Insolvenz vor drei Jahren restrukturiert und gleichzeitig an Innovationen gearbeitet. Dazu gehören die Glas-Glas-Module aus dünnen Glasscheiben, das Speichersystem und der Energiemanager, dessen Software eine Eigenentwicklung sei (die Hardware stammt von Kiwigrid). Jetzt hat das Unternehmen laut Neuhaus Gesellschafter, die an das Projekt glauben. 90 Prozent gehören Stefan Quandt. Da der Familie Quandt auch 47 Prozent des Autobauers BMW gehören, der letztes Jahr groß mit seinen Elektroautos herauskam, schließt sich übrigens der Kreis zu Tesla.

Auch technisch ähnelt das System dem des kalifornischen Elektroautobauers, das Solarcity zusammen mit der Elektronik von Solaredge verkauft. Bei beiden Systemen werden die Speicher parallel zum DC-Eingang des Wechselrichters, also an der Generatorseite angeschlossen. Anders als Tesla/Solaredge soll MyReserve im Prinzip mit jedem Wechselrichter funktionieren. Das Solarwatt-System muss dazu den MPP-Tracker des angeschlossenen Wechselrichters so manipulieren, dass die Energieströme verlaufen, wie es der Energiemanager verlangt. Damit es zu keinem Rückstrom in die Module kommt, wird eine Strangdiode eingebaut. Bei diesem Aufbau gibt es nur einen Wermutstropfen. Wenn man den Speicher vom Netz aus laden will, müsste man einen Wechselrichter verwenden, der auch rückwärts funktioniert. Technisch ist das vermutlich nicht schwierig, doch bisher gab es dafür keinen Bedarf. Da es diesen Wechselrichter noch nicht gibt, kann mit dem Solarwattsystem derzeit keine Regelenergie vermarktet werden.

Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit
Will man die verschiedenen möglichen Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen vergleichen, wird es schnell kompliziert.

Neuhaus rechnet vor, was er damit meint, dass das System wirtschaftlich ist. Mit dem System könne sich ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zu 55 Prozent über die Photovoltaikanlage und den Batteriespeicher versorgen. Der Haushalt bezieht also pro Jahr 2.200 Kilowattstunden von dem Photovoltaik-Batteriesystem, 1.800 vom Netz. In 15 Jahren liefert das System also 15 mal 2.200 gleich 33.000 Kilowattstunden. Die Photovoltaikanlage mit Doppelglasmodulen hat eine anvisierte Lebensdauer von 30 Jahren, der Speicher von 15 Jahren. Berechnet man die vollen Speicherkosten und die halben Photovoltaikkosten auf die 33.000 Kilowattstunden, ergibt sich ein Netto-Stromerzeugungspreis von 23 Cent pro Kilowattstunde.

Das ist allerdings nur ein Anhaltspunkt, wie wirtschaftlich das System ist. In dieser Rechnung ist keine keine Verzinsung der Investition berücksichtigt. Berücksichtigt man diese, wird der Preis pro Kilowattstunde steigen. Zum anderen ist nicht berücksichtigt, dass es nach wie vor Überschussstrom aus der Photovoltaikanlage gibt, der eingespeist werden kann. Berücksichtigt man das, amortisiert sich die Anlage schneller und die Kosten für den selbstverbrauchten Solarstrom würden sinken. Laut Neuhaus sei eine Anlage, die im Paket gekauft wird, nach ungefähr zehn Jahren abbezahlt. Alle Einnahmen, die sie danach generiert, seien Gewinn.

In der pv magazine Marktübersicht, die in der Juniausgabe erscheint (ab 8.6. erhältlich in unserem Shop), teilen wir als Anhaltspunkt für die Speicherstromkosten die Anschaffungskosten durch die maximal umsetzbare Energie (Zyklenzahl mal Speicherkapazität). Dann kommt das Solarwatt-System auf 25,6 Cent pro Kilowattstunde. Damit liegt Solarwatt in der Gruppe der wirtschaftlichsten Systeme. Innerhalb dieser Gruppe ist allerdings nur ein anderes System auch nach dem Leitfaden zertifiziert.

Mit den 25,6 Cent pro Kilowattstunde oder 23 Cent pro Kilowattstunde lässt sich ein Speichersystem zusammen mit einer Photovoltaikanlage durchaus wirtschaftlich betreiben. Aus einem Dilemma kommt aber auch Solarwatt nicht heraus: Solarstrom, der ohne Speicher selbst verbraucht werden kann, kostet berechnet nach der Methode, die Solarwatt anwendet, bei einer Eigenverbrauchsquote von 30 Prozent nur gut 13 Cent, also weniger als mit Speichereinsatz. Aber egal ob mit oder ohne Speicher liegen die so berechneten Stromkosten unter den heute üblichen Strombezugskosten.

Produktion in Deutschland
Detlef Neuhaus ist stolz darauf, dass die wesentlichen Komponenten der Photovoltaik-Batterie-Systeme im eigenen Haus entwickelt und hierzulande produziert werden. Nur die Batteriezellen seien "von einem asiatischen, nicht aber chinesischen Hersteller". Es sein nicht einfach, diese zu bekommen. "Sie haben uns auditiert", sagt Neuhaus.

Solarwatt hat nach eigenen Angaben heute noch eine Photovoltaik-Modulproduktionskapazität von 350 Megawatt, wenn die Maschinen rund um die Uhr laufen. So wie sie derzeit gefahren werden, nämlich mit fünf Tagen in der Woche, sind sie nach Aussage von Detlef Neuhaus voll ausgelastet. Die Kapazität ist etwas kleiner, wenn Glas-Glas-Module gefertigt werden, die im Mai 40 Prozent der Produktion ausmachten. 60 Prozent seien Glas-Folie-Module gewesen.

Detlef Neuhaus strebt für die Batteriespeicher nächstes Jahr einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent in Deutschland an. Mittelfristig sollen 4.000 Systeme verkauft werden. Wenn man mit bekannten Markt-Schätzwerten rechnet, würde Solarwatt dann mit den Speichern dann rund ein Siebtel des Umsatzes der Module machen. (Michael Fuhs)

Mehr zum Vergleich der verschiedenen Speichersysteme und speziell zu dem von Solarwatt und Tesla finden sie im Speicherschwerpunkt der Juniausgabe von pv magazine (ab 8.6. im Shop erhältlich). Dort finden Sie auch einen Vergleich der Speicherkosten verschiedener Systeme. In der Online-Batteriespeicher-Produktdatenbank, die wir am 8.6. veröffentlichen, werden Sie viele technische Details zu den Batteriespeichern von 51 Anbietern inklusive Solarwatt finden.

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Helmut Hamberger aus 85402-Kranzberg

Mittwoch, 22.07.2015 16:02

Ich bin schon etwas erstaund daß die (kosten) der einzelnen KW so niedrig gerechnet werden. mein jahres- verbrauch liegt bei "11000 KW,das sind ca 50% NT-HT ist durch die PV anlage der neueren generation [...]

JC W aus Alling

Donnerstag, 04.06.2015 08:38

Sie haben den Finger in die Wunde gelegt, dass bei uns der Strom, der nur über Batteriespeicher zum Eigenverbrauch verfügbar gemacht wird, derzeit noch teurer ist, als aus dem Netz bezogener Strom. In [...]

Michael Fuhs aus Berlin | http://www.pv-magazine.de

Mittwoch, 03.06.2015 11:21

Was die Berichterstattung angeht, können wir uns die Informationen ja nicht verschweigen. Wenn Hersteller Preise kommunizieren oder Geräte in Online-Shops verkaufen, wo Preise stehen, dann gehören diese [...]

Andreas Engel aus Düsseldorf | http://www.mypsps.de

Mittwoch, 03.06.2015 09:14

Als Anlagenplaner, -installateur und -Verkäufer von PV-Anlagen bin ich immer wieder erstaunt, dass die Presse und einige Hersteller mit Endkundenkreisen nur so um sich werfen. Haben Sie mal bedacht, dass [...]

Simon Kober aus Erlenbach

Dienstag, 02.06.2015 18:54

Der bidirektionale Batteriewechselrichter blueplanet gridsave 14.0 TL3 Lieferbar in Q4/2015. Quelle: http://kaco-newenergy.com/de/lounge/intersolar

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Kommentare 1 - 5 von 5

Helmut Hamberger aus 85402-Kranzberg

Mittwoch, 22.07.2015 16:02

Ich bin schon etwas erstaund daß die (kosten) der einzelnen KW so niedrig gerechnet werden. mein jahres- verbrauch liegt bei "11000 KW,das sind ca 50% NT-HT ist durch die PV anlage der neueren generation vollends gesichert, und es wird auch noch eingespeist nicht viel aber 20-22KW/h.

JC W aus Alling

Donnerstag, 04.06.2015 08:38

Sie haben den Finger in die Wunde gelegt, dass bei uns der Strom, der nur über Batteriespeicher zum Eigenverbrauch verfügbar gemacht wird, derzeit noch teurer ist, als aus dem Netz bezogener Strom. In einem entwickelten Stromnetz wie unserem wird man daran auch kurzfristig nichts ändern können. Anders stellt sich die Sache in wachsenden Strommärkten in Entwicklungsländern dar: Dort kann die Wirtschaftlichkeitsrechnung durchaus ergeben, dass es sinnvoller ist, statt konventionelle (fossile) Kapazitäten aufzubauen, auf Batteriespeicher zu setzen. Bei uns werden Batteriespeicher für den Einzelnen erst wirtschaftlich, wenn die Einspeisevergütung ausgelaufen ist, die PV-Module aber immer noch Strom liefern, der im Netz nur zu Schleuderpreisen (wenn überhaupt) vermarktbar ist. Vorher ist es der reine Idealismus oder das angenehme Gefühl, ein bißchen autark zu sein.
@Engel: Bei Finanzdienstleistern wurde es gesetzlich verboten, dass sie (offen) Beratungsgebühren kassieren und gleichzeitig (versteckt) Provisionen vom Produktanbieter einstecken. Diese verdeckten Provisionen haben nämlich dazu geführt, dass nicht der günstigste Anbieter vermittelt wird, sondern der, der für den Vermittler die höchsten Provisionen einbringt. Das gleiche wäre (mutatis mutandi) für Installationskosten/Handelsspanne wünschenswert.

Michael Fuhs aus Berlin | http://www.pv-magazine.de

Mittwoch, 03.06.2015 11:21

Was die Berichterstattung angeht, können wir uns die Informationen ja nicht verschweigen. Wenn Hersteller Preise kommunizieren oder Geräte in Online-Shops verkaufen, wo Preise stehen, dann gehören diese auch in unser Magazin. Ich selber begrüße es, wenn Hersteller transparent mit Preisen sind. Für uns ist schließlich auch die Diskussion um die Wirtschaftlichkeit der Speichersysteme ein wichtiges Thema, die die Hersteller ja immer wieder betonen. Das Thema kann man nur behandeln, indem man auch Preise nennt.
Bitte haben Sie dafür Verständnis.

Sie haben recht, dass der Energiemanager bei den 5499 Euro nicht dabei ist. Solarwatt gibt an, dass er „unter 1.000 Euro brutto" kostet (da ist dann noch Zubehör wie Funksteckdosen dabei). Nach Aussage von Solarwatt ist der Speicher aber auch ohne den Energiemanager einsatzfähig. Was den reinen Speicherbetrieb angeht, funktioniere dann nur die Einbindung von Wetterprognosen nicht. Das heißt, der Speicher wird nicht freigehalten, um ihn dann zu laden, wenn der Wechselrichter auf 60 oder 70 Prozent der Nennleistung abgeregeln muss. Das können aber derzeit die wenigsten Systeme, wie unsere Marktübersicht zeigt.

Andreas Engel aus Düsseldorf | http://www.mypsps.de

Mittwoch, 03.06.2015 09:14

Als Anlagenplaner, -installateur und -Verkäufer von PV-Anlagen bin ich immer wieder erstaunt, dass die Presse und einige Hersteller mit Endkundenkreisen nur so um sich werfen. Haben Sie mal bedacht, dass Sie hier A) die Preiskalkulationen der PV-Anlagen- und Speicheranbieter, also des Händlers torpedieren und B) Sie nur die halbe Wahrheit berichten. Denn die Teslas und Solarwatts dieser Welt bieten nur den reinen DC-Speicher an. Die Technik drum herum, die Innovationen zur Haussteuerung usw. wird bei all dem nicht berücksichtigt.
Und nun stehen nicht Sie beim Kunden, sondern ich. Wenn man dann die Technik drum herum hochrechnet ist man schwupps wieder in Sphären wo sich der Endkunde fragt ob sich das wirklich schon lohnt. Und vor Allem leidet die Glaubwürdigkeit der Verkäufer wenn Preise genannt werden, die maximal 40% bis 50% der Gesamttechnik eines Speichers ausmachen. Das die nackten DC-Speicher an sich günstiger werden ist unbestritten.
Aber wenn Sie berichten, dann doch bitte mit Angabe der empfohlenen VK-Preisen der Gesamtsysteme.
Alles andere wäre nämlich so als wenn man mitteilt, dass der Motor des VW Golf für beispielsweise 5.000 Euro Endkundenkreis zu haben ist. Zum Motor müssen aber noch zig Teile dazu, damit der VW Golf fahren kann.

Simon Kober aus Erlenbach

Dienstag, 02.06.2015 18:54

Der bidirektionale Batteriewechselrichter blueplanet gridsave 14.0 TL3
Lieferbar in Q4/2015.
Quelle:
http://kaco-newenergy.com/de/lounge/intersolar

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