Speichercontainer von RES

Dieser Speichercontainer soll das Verteilnetz stabilisieren und dadurch den Photovoltaikausbau fördern.
Foto: RES

pv magazine award für großen Verteilnetz-Speicher

07. März 2016 | Märkte und Trends, Speicher und Netze, Topnews, Hintergrund

RES, ein Projektierer aus England, hat mit einem Netzbetreiber ein Pilotprojekt gestartet. Beide wollen zeigen, wie technische Lösungen und Erlösmodelle für Batteriespeicher aussehen können, die Solaranlagenbetreiber Einnahmen versprechen und gleichzeitig erlauben, mehr Solarleistung in Verteilnetze einzuspeisen.

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Der Container, der dieser Tage in Südengland aufgestellt wird, enthält rund 1.400 Lithiumzellen. Zusammen ergeben sie eine Speicherkapazität von 640 Kilowattstunden, die mit einer Maximalleistung von 300 Kilowatt an das Netz angeschlossen werden. Doch das ist noch nichts Besonderes. Besonders ist die Steuerung.

Auch bei diesem Projekt geht es vor allem um Intelligenz, nicht nur des Systems, sondern auch der Erbauer. „Die Entwickler lernen bei solch einem Projekt, wie sie einen Speicher auslegen und die Steuerung einstellen müssen, damit er mehrere verschiedene Aufgaben erfüllen kann“, erklärt Matthias Leuthold, der die Speichersparte von RES in Deutschland leitet. Die englische Muttergesellschaft baut den Batteriespeicher als EPC-Unternehmer und hat dafür den pv magazine award in der Kategorie top innovation erhalten (Laudatio und Einschätzung durch die Jury Sie unten).

Matthias Leuthold muss wissen, wovon er spricht. Bis vor einem Dreivierteljahr war er noch als Abteilungsleiter an der RWTH Aachen für die Entwicklung des M5BAT-Großspeichers verantwortlich, ein Kooperationsprojekt von Eon, SMA und Exide Technologies zur Erforschung verschiedener Speichertechnologien und Anwendungen.

Um das Besondere des RES-Speichers zu verstehen, muss man damit beginnen. In Deutschland sind zwar schon viele Batterie-Großspeicher am Netz oder in Planung. „Diese dienen jedoch fast ausschließlich der Frequenzregulierung“, sagt Leuthold. Sprich: Die Betreiber finanzieren die Geräte, indem sie auf Auktionen Primär- oder Sekundärregelleistung anbieten. Diese wird von den Übertragungsnetzbetreibern ausgeschrieben und abgerufen, wenn zu viel oder zu wenig Leistung in das Netz eingespeist wird, irgendwo zwischen Lissabon und Warschau. Auch wenn sie an einem Verteilnetz angeschlossen sind, tragen sie nicht zu dessen Stabilisierung bei. Dabei speisen dort die meisten Photovoltaikanlagen ein.

Blick nach Südwestengland

In Südwestengland ist die Situation ähnlich. „Das ist die Gegend, in der die meiste Solarleistung in England installiert ist“, sagt John Prendergast, der als Energy Storage Manager bei RES den Batteriespeicher aufbaut. „Die Verteilnetze sind schon ziemlich gesättigt, und es gibt Spannungsprobleme während der mittäglichen Solarstromspitzen“. Daher hat der Netzbetreiber, die Western Power Distribution, das Speicher-Forschungsprojekt ausgeschrieben, gefördert von der Regulierungsbehörde. Im Frühjahr 2015 bekam RES den Zuschlag. Der Speicher wird neben einem 1,5-Megawatt-Solarkraftwerk stehen. Denn er soll gleichzeitig für mehrere Anwendungen genutzt werden.

Warum für mehrere Anwendungen? „Es gibt viele Anwendungen für Speicher, aber die meisten amortisieren sich nicht alleine“, sagt Leuthold. Arbeitet man mit mehreren Anwendungen, kann es zu Synergieeffekten kommen. Der Mehrfachnutzen setzt zwar teilweise eine andere Auslegung voraus und verursacht damit einen höheren Aufwand. „Die Idee ist aber, dass der zusätzliche Nutzen den zusätzlichen Aufwand übersteigt“.

Im ersten Erlösmodell wird mit Hilfe des Speichers die Solaranlage größer als die Netzanschlussleistung gebaut. Das spart Kosten für den Netzausbau. Der Speicher erlaubt die Spitzenlastkappung, ohne dass Energie verloren geht. Im zweiten Erlösmodell stellt der Speicher im Verteilnetz nach Bedarf Wirk- oder Blindleistung bereit und kann auch Energie einspeichern, wenn es nötig wird. Das hilft, die Spannung zu stabilisieren. Im dritten Erlösmodell kann der Solaranlagenbetreiber bei zeitabhängigen Vergütungen für den Solarstrom dann einspeisen, wenn es sich am meisten rentiert.

Noch funktionieren die Erlösmodelle nicht. Bei den flexiblen Einspeisevergütungen ist John Prendergast jedoch der Auffassung, dass sie in England vermutlich in Form von Verträgen mit den Netzbetreibern (PPAs) kommen werden. Am Ende sei es „im Interesse der Netzbetreiber und der Solar­anlagenbetreiber, die Probleme zu lösen“. Für Deutschland sagt Matthias Leuthold: „Es wäre wünschenswert, Wege zu finden, mit denen man den Mehrfachnutzen regulatorisch hinbekommt.“

Da es noch nicht so weit ist, gehört der Speicher in Südengland dem Netzbetreiber. In Zukunft, wenn es die Erlösmodelle tatsächlich gibt, sollen die Solaranlagenbetreiber in die Speicher investieren. Sie würden dann dem Netzbetreiber die Dienstleistungen verkaufen, die dieser benötigt.

Im deutschen Markt war RES bisher nicht sehr präsent. Auch Matthias Leuthold hat es erst letztes Jahr auf einer Konferenz kennen gelernt, bevor er wechselte. „Dabei ist das weltweit der größte Projektierer im Bereich erneuerbare Energien mit zehn Gigawatt installierter Leistung.“ RES hat 1992 den ersten Windpark in Großbritannien entwickelt und nach eigener Aussage bereits elf Batteriespeicher umgesetzt.  RES gehört zum Familienunternehmen Robert McAlpine Group, die im Baubereich aktiv ist und das Londoner Olympiastadion gebaut hat.

Leuthold ist übrigens zuversichtlich, dass es einen Markt für die Art Batteriespeicher gibt, wie er jetzt in Südengland umgesetzt wird. Derzeit reden alle über Speicher zur Regelenergievermarktung. Doch bei den 780 Megawatt Regelenergie, die im Netzverbund Deutschland, Österreich, Schweiz und Niederlande gebraucht werden, haben diese Art Speicher ihr Potenzial bald ausgeschöpft. Der „zweite Speichermarkt“ kommt danach, im Verteilnetz. Er hilft, Netzausbau einzusparen, wenn durch die Energiewende noch viel mehr Solarleistung in die Verteilnetze eingespeist werden muss.

Das wird außerdem kontinuierlich attraktiver, da die Speichersystemkosten weiter sinken werden. (Michael Fuhs)


pv magazine award für RES

Preis für gute Ideen: In der Märzrunde hat eine Einreichung die Juroren überzeugt.

Seit der letzten Runde im November bewarben sich 16 Unternehmen mit ihren Ideen neu für den pv magazine award, dazu waren noch vier weitere in der Pipeline. Eine Bewerbung hat die Juroren Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, Hans Urban, stellvertretender Geschäftsführer des Montagesystemherstellers Schletter, und Winfried Wahl, Senior Manager RRC power solutions, in dieser Runde besonders überzeugt.

RES

Ein großer Batteriespeicher, der den Photovoltaikzubau günstiger machen, vielleicht sogar erst möglich machen soll – er steht in Südengland, und das passt. Denn das Vereinigte Königreich will bis 2025 seine Kohlekraftwerke abschalten. Die Jury begrüßt dieses Ziel und hält solche Forschungsprojekte wie das von RES für sehr sinnvoll, damit das Ziel erreicht werden kann, auch ohne zusätzliche Gas- und Atomkraftwerke. Der Batteriespeicher unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von den meisten, die in Deutschland gebaut wurden und werden, da er explizit zur Entwicklung von Geschäftsmodellen für Photovoltaikanlagenbetreiber gedacht ist, mit denen diese die Verteilnetze ertüchtigen können, Kosten sparen und dadurch einen hohen Zubau erreichen. Daher hat RES einen pv magazine award in der Kategorie top innovation verdient.

Bisherige Preisträger

Bisher haben Greenergetic, die Energiegenossenschaft Egis, Buzzn – the people power, DGS-Franken, Mobisol, das Grünstromwerk, DZ-4 und Suntility den Preis in der Kategorie „top business model“ gewonnen. Laudeley Betriebstechnik, Strombank, Endres & Widmann, E3/DC und Qinous wurden mit dem Preis in der Kategorie „top innovation“ ausgezeichnet.
Mehr Informationen zu den Kriterien, zu den bisherigen Preisträgern, zu den Juroren und alles Nötige, falls Sie sich bewerben wollen, finden Sie hier: www.pv-magazine.de/award

Der nächste Einsendeschluss ist am 11. Mai.

Der pv magazine award kooperiert mit der Crowdfunding-Plattform Econeers, die den Bewerbern und Gewinnern eine Beratung zu Finanzierungsmöglichkeiten ihrer Projekte und Geschäftsmodelle anbietet. Informationen dazu finden Sie auch auf der Webseite des awards.

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