Windpark und Solarpark

Das EEG 2.0 - wie es Agora Energiewende - vorschlägt, könnte den weiteren Ausbau der Erneuerbaren massiv behindern.
Fotomontage: Solarpraxis AG/Tom Baerwald

Kritik am EEG-Reformvorschlag von Agora Energiewende

10. Oktober 2013 | Politik und Gesellschaft, Topnews, Hintergrund

Die Denkfabrik hat zwölf Vorschläge für eine Vereinfachung des EEGs gemacht. Grünen-Energieexperte Hans-Josef Fell und die Vereinigung Eurosolar sehen darin einen Angriff auf den weiteren Ausbau kleiner Erneuerbarer-Energien-Anlagen in Deutschland. Verbraucherschützer begrüßten den Methodenvorschlag der Agora Energiewende.

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Hans-Josef Fell ist einer der Väter des EEGs in Deutschland. Die Vorschläge der Agora Energiewende für ein EEG 2.0 sieht er überaus kritisch. „Es könnte genauso gut Gesetz zur massiven Ausbremsung von Geothermie, Biomasse, kleiner Wasserkraft und Meeresenergien heißen“, kommentiert Fell die nun veröffentlichten Vorschläge der Berliner Denkfabrik. Eine rundsätzliche Vergütungsobergrenze von 8,9 Cent pro Kilowattstunde würde den Ausbau dieser Technologien massiv behindern. Daneben solle es ein Ausschreibung einer Kapazitätsprämie für maximal 100 Megawatt steuerbare erneuerbare Energien geben. „Die Agroa greift damit im Prinzip inhaltlich die Vorschläge zum Quotenmodell der FDP auf und schlägt eine staatlich festgelegte Quoten mit einer staatlichen Ausschreibung vor“, so die Kritik des Grünen-Energieexperten.

In der Summe wäre eine Umsetzung der Vorschläge eine massive Behinderung des Ausbaus der Erneuerbaren in Deutschland. Auch bei der Vereinigung Eurosolar sieht man dies ähnlich. „Die Vorschläge sind praxisfern, wenn man voraussetzt, dass Agora den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien wirklich zum Ziel hat. Die Vorschläge bremsen die Energiewende aus, stärken die großen Energiekonzerne und ignorieren die bestehenden positiven Entwicklungen zur dezentralen Energiewende“, erklärte der Eurosolar-Vorstand. Der gravierendste Eingriff sei aber die Festlegung eines Vergütungshöchstsatzes von 8,9 Cent je Kilowattstunde für alle Erneuerbaren sowie die verpflichtende Direktvermarktung für größere Anlagen.

Für Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen gebe es auch bei einem EEG 2.0 noch eine Investitionsgrundlage. Allerdings gebe es ein Einschränkungen, da auch die Genehmigungspraxis gerade bei Windkraft immer schwieriger würde. „Bei der Photovoltaik könnte ein weiterer Preisrutsch bei den Anlagekosten dazu führen, dass Freiflächenanlagen im nächsten Jahr mit 8,9 Cent pro Kilowattstunde auskommen könnten, allerdings auch nur dann. Dachanlagen würden sich nur noch mit einem starken Eigenverbrauch rentieren, was allerdings durch den Agora-Vorschlag einer stufenweisen Belegung der Ökostrom-Eigenerzeugung mit der EEG-Umlage wieder konterkariert würde“, sagt Fell weiter. Auch die verpflichtende Direktvermarktung, die die Agora Energiewende für Anlagen mit mehr als einem Megawatt Leistung fordere, sei eher eine „verdeckte Vergütungsabsenkung“.

Eurosolar sieht ähnliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung von kleinen und großen Photovoltaik-Projekten. „Die nach der Onshore-Windkraft preiswerteste erneuerbare Energiequelle, die Freiflächen-Solarparks, sind schon durch die Photovoltaik-Novelle des EEG gestorben. Bei den jetzigen knapp 10 Cent je Kilowattstunde findet praktisch kein Zubau mehr statt. Möglich war der vernünftige Zubau in Konversions- und Gewerbegebieten im Frühjahr 2013 noch bei 11 Cent je Kilowattstunde“, erklärt der Eurosolar-Vorstand. Es sei daher auch unrealistisch, dass neue Solarparks bei dieser Vergütungshöchstsatze von 8,9 Cent je Kilowattstunde gebaut würden. Auch für Dachanlagen sei es äußert schwierig, zumal derzeit heftig über den Eigenverbrauch, der für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendig sei, diskutiert würde. Nach Ansicht von Eurosolar könnten hierbei im Zuge der Änderung des Energiemarktdesigns Regelungen zur EEG-Umlagebefreiung oder Netzentgelten „jederzeit ohne Vertrauensschutz geändert werden“.

Wohlwollend nimmt Grünen-Politiker Fell zur Kenntnis, dass die Agora Energiewende die Abschaffung des Photovoltaik-Deckels bei 52 Gigawatt fordert. Auch die Aufhebung der Flächenrestriktionen sowie die Rücknahme der Importzölle auf kristalline Solarmodule aus China begrüßt Fell. Richtig sei auch der Ansatz der Agora-Energiewende, dass die Ausnahmeregelungen für die Industrie wieder zurückgefahren werden müssen. Sie müssten auf Unternehmen beschränkt werden, die wirklich im internationalen Wettbewerb stünden. Außerdem will Agora Energiewende eine Erhöhung des Mindestbeitrags von 0,05 Cent auf 0,5 pro Kilowattstunde, was Fell begrüßt.

Verbraucherschützer befürworten Vorschläge

Auch die Verbraucherschützer unterstützen den Vorschlag der Agora Energiewende. Holger Krawinkel, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sagte, dass er keine Gefahr für kleine Photovoltaik-Dachanlagen bei der Festlegung eines Vergütungshöchstsatzes von 8,9 Cent je Kilowattstunde sehe. Über den Eigenverbrauch und angesichts der immer billiger werdenden Speichertechnologie würden sich solche Anlagen auch künftig rechnen, sagte er auf Nachfrage von pv magazine. Zugleich müsse es aber auch eine Reform der Netzentgelte geben. (Sandra Enkhardt)

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Alfred Körblein aus Nürnberg

Samstag, 12.10.2013 09:26

H.J. Fell bleibt die Antwort schuldig, wie vermieden werden kann, dass die EEG-Umlage weiter steigt, wenn alles so weitergeht wie bisher. Eine Reform des EEG muss kommen. Hier ein paar Vorschläge. - [...]

Daniel Brandl aus Bönnigheim | http://www.orange-solar.de

Donnerstag, 10.10.2013 20:12

War ja klar, dass alles kritisiert wird was zielführend sein kann. Ich finde den Vorschlag nicht so schlecht. Am Ende müssen wir eben unseren Exzessiven Lebenswandel der letzten drei Jahre nun mit Zurückhaltung [...]

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Kommentare 1 - 2 von 2

Alfred Körblein aus Nürnberg

Samstag, 12.10.2013 09:26

H.J. Fell bleibt die Antwort schuldig, wie vermieden werden kann, dass die EEG-Umlage weiter steigt, wenn alles so weitergeht wie bisher. Eine Reform des EEG muss kommen. Hier ein paar Vorschläge.
- PV-Anlagenbetreiber mit hohem Eigenverbrauch des erzeugten Solarstroms würden dann am Netzentgelt stärker beteiligt werden, wenn für dessen Höhe die Anschlussleistung und nicht der Stromverbrauch ausschlaggebend wäre.
- Die privilegierten Großverbraucher profitieren nach AGORA mit 1 ct/kWh vom Merit Order Effekt, sollen nach AGORA künftig aber nur 0,5 ct/kWh, also die Hälfte davon, als EEG-Umlage zahlen. Warum nicht 1 ct/kWh?
- Wäre es außerdem nicht Zeit, über eine Abschaffung der Stromsteuer nachzudenken? Wir zahlen doppelt so viel für Strom als die Franzosen, und das insbesondere wegen hoher Steuern und Abgaben.

Daniel Brandl aus Bönnigheim | http://www.orange-solar.de

Donnerstag, 10.10.2013 20:12

War ja klar, dass alles kritisiert wird was zielführend sein kann. Ich finde den Vorschlag nicht so schlecht. Am Ende müssen wir eben unseren Exzessiven Lebenswandel der letzten drei Jahre nun mit Zurückhaltung bezahlen...

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