Versorgung sichern, Industrie stärken: Wie der Wasserstoff nach Nordrhein-Westfalen kommt

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Während sich die internationale Wasserstoffbranche diese Woche auf dem World Hydrogen Summit in Rotterdam vernetzt hat, macht sich Nordrhein-Westfalen auf den Weg: Erste Industrieunternehmen stellen ihre Prozesse auf Wasserstoff um, große Elektrolyseurprojekte sowie der Aufbau der Infrastruktur schreiten voran und internationale Partnerschaften entstehen. Neben der regionalen Wasserstoffproduktion wird auch der Import von Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen.

Als Industrieland wird Nordrhein-Westfalen bis 2045 einen erheblichen Bedarf an klimaneutralem Wasserstoff entwickeln. Einen Teil davon kann NRW durch den Aufbau regionaler Wasserstoffproduktionskapazitäten in Kombination mit dem weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien decken. Der andere Teil muss importiert werden – zum Beispiel per Pipeline aus den Niederlanden, der Iberischen Halbinsel, Skandinavien oder per Schiff aus weiter entfernten Regionen wie etwa Brasilien.

Dr. Katharina Schubert, Geschäftsführerin von NRW.Energy4Climate: „Nordrhein-Westfalen hat das Potenzial, zu einem europäischen Wasserstoff-Hotspot zu werden. Wichtig ist, noch bestehende regulatorische Hemmnisse zu lösen und im Zusammenwirken von Land, Bund und EU gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Insbesondere die energieintensive Grundstoffindustrie und der industrielle Mittelstand, aber auch die Energiewirtschaft haben einen steigenden Bedarf an Wasserstoff. Worauf es beim Import ankommt, welche Herausforderungen wir bewältigen müssen und welche Optionen es gibt – das alles zeigen wir in unserer Veröffentlichung.“

Der Wasserstoffbedarf in Nordrhein-Westfalen wächst dynamisch

Die Publikation „Wasserstoffimporte für NRW: Status quo und Perspektive“ richtet sich an Industrieunternehmen, Kommunen und andere Akteure der nordrhein-westfälischen Wasserstoffwirtschaft, die sich mit der Beschaffung von Wasserstoff per Import auseinandersetzen. Die Kernaussagen im Überblick:

Ein diversifiziertes Importportfolio vermeidet kritische Abhängigkeiten und ermöglicht individuelle Lösungen für Wasserstoffabnehmer: Pipelinegebundene Importe aus Europa werden mit schiffsgebundenen Importen von Wasserstoffderivaten aus globalen Erzeugungsregionen kombiniert. Eine Diversifizierung erfolgt dabei hinsichtlich Bezugsland, Transportmedium und -methode. Importstrategien, internationale Partnerschaften und der Ausbau der Transportinfrastruktur müssen frühzeitig und konsistent erfolgen. Auf diese Weise lassen sich Abhängigkeiten vermeiden, Versorgungssicherheit schaffen und der steigende Bedarf an Wasserstoff decken.

Der leitungsgebundene Import ist eine zentrale Säule der Versorgung: Der Import von gasförmigem Wasserstoff per Pipeline aus den Nordseeanrainern, der Iberischen Halbinsel oder Skandinavien ist insgesamt am effizientesten, da weitere Umwandlungsschritte entfallen. Gleichzeitig stehen große, kostengünstige Transportkapazitäten zur Verfügung, für die eine anschließende Aufreinigung in der Regel entfällt. Das ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber Derivaten oder anderen Trägermedien, die per Schiff importiert werden.

Häfen nehmen eine zentrale Rolle als Knotenpunkte ein und ermöglichen den Import per Schiff: Schiffsbasierte Importe erweitern den potenziellen Kreis der Erzeugungsregionen erheblich, sind jedoch häufig mit zusätzlichen Umwandlungsschritten verbunden. In den für Nordrhein-Westfalen relevanten Seehäfen sollen dazu bis 2030 erhebliche Import- und Erzeugungskapazitäten entstehen.

Ammoniakimporte sind kurzfristig umsetzbar und bieten Abnehmern in NRW vielseitige Einsatzmöglichkeiten: Kurzfristig kann importiertes grünes und kohlenstoffarmes Ammoniak graue Ammoniakmengen in bestehenden Anwendungen ersetzen. Mittelfristig ergänzt die direkte Nutzung als Brennstoff in speziell entwickelten Brennern und die Rückumwandlung zu Wasserstoff mit großskaligen Crackern diese Anwendung.

Unterschiedliche Importpfade weisen ähnliche Gesamtkosten, aber individuelle Kostenstrukturen auf: Die untersuchten Importrouten weisen insgesamt vergleichbare Gesamtkosten auf, unterscheiden sich jedoch deutlich in der Struktur ihrer Kostenbestandteile. Grundsätzlich sind die Kosten zukünftiger Wasserstoffimporte noch mit hohen Unsicherheiten behaftet. Gleichzeitig besteht aber ein erhebliches Potenzial hinsichtlich der technologischen Entwicklung und der Skalierung von Anlagengrößen auf industrielle Maßstäbe. Mit zunehmender Marktreife und sinkenden Investitionskosten können die bestehenden Kostendifferenzen schrittweise reduziert werden.

Die Landesregierung hat im Jahr 2024 das Wasserstoff-Importkonzept Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Die Veröffentlichung „Wasserstoffimporte für NRW: Status quo und Perspektive“ der Initiative IN4climate.NRW bietet nun ergänzende fachliche Informationen:

Zur Publikation: https://www.energy4climate.nrw/publikation/wasserstoffimporte-fuer-nrw-status-quo-und-perspektive

Über IN4climate.NRW
IN4climate.NRW ist eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Unter dem Dach der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz NRW.Energy4Climate bringt der Thinktank Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um die klimaneutrale Transformation der Industrie voranzutreiben. Mehr als 80 Unternehmen und Verbände aus der Grundstoffindustrie und der weiterverarbeitenden Industrie sowie fünf Forschungseinrichtungen engagieren sich in verschiedenen Arbeitsformaten in der Bearbeitung der zentralen Transformationsthemen.
Mehr erfahren unter www.in4climate.nrw